Zweibrücken
OB-Stichwahl am Sonntag: Was Christina Rauch in den nächsten acht Jahren besonders wichtig ist
Rund 26.000 Zweibrücker dürfen am Sonntag bestimmen, wer die Stadt die nächsten acht Jahre als Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin führen soll. Nachdem im ersten Wahlgang am 22. März kein Kandidat mehr als die Hälfte aller Stimmen bekommen hat, stehen sich am Weißen Sonntag die beiden Erstplatzierten erneut gegenüber: Der Amtsinhaber, Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD), und seine Stellvertreterin, die Beigeordnete Christina Rauch (CDU).
Die RHEINPFALZ hat beide Kandidaten gebeten, fünf Fragen zu beantworten. Außerdem haben wir mit beiden ein besonderes Interview geführt: Sie sollten nicht mit Worten antworten, sondern mit Gesten und Mimik. Requisiten waren erlaubt. Die Idee dazu kommt ursprünglich von den Kollegen des Magazins der Süddeutschen Zeitung und heißt dort „Sagen Sie jetzt nichts“. So hat Christina Rauch geantwortet.
Frau Rauch, was sind für Sie die drei wichtigsten Punkte, die Zweibrücken in den nächsten acht Jahren angehen muss?
Für mich stehen drei Themen im Mittelpunkt: gute Bildung und starke Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Arbeitsplätze, eine leistungsfähige und bürgernahe Verwaltung sowie eine hohe Lebensqualität in allen Stadtteilen. Dazu gehören moderne und gut ausgestattete Schulen, verlässliche Kinderbetreuung, die enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Zweibrücken zur Fachkräftesicherung und als Partnerin für Innovation und Entwicklung sowie die gezielte Unterstützung unserer lokalen Wirtschaft – etwa durch bessere Bedingungen für Bestand und Neuansiedlungen sowie die Entwicklung eines Start-up- und Handwerkerparks. Zur Lebensqualität zählen für mich eine lebendige Innenstadt, saubere und sichere Räume, attraktive Vororte sowie Investitionen in Infrastruktur – von Straßen und Radwegen über Glasfaser bis hin zu einem zukunftsfähigen Nahverkehr. Dazu gehören auch mehr Grün, mehr Wasser und mehr Aufenthaltsqualität, damit Zweibrücken auch in Zukunft lebens- und liebenswert bleibt.
Wie möchten Sie dies erreichen?
Ich setze auf klare Prioritäten, transparente Entscheidungen und eine konsequente Umsetzung. Dazu gehört, Abläufe zu vereinfachen, Genehmigungen zu beschleunigen und die Verwaltung zu modernisieren. Gleichzeitig ist mir Zusammenarbeit wichtig: mit Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen, Vereinen, Institutionen, unseren Nachbarkommunen sowie mit der Bezirks- und Landesebene. Stadtentwicklung gelingt nur gemeinsam. Deshalb will ich Beteiligung stärken, etwa mit einem Bürgerbudget, und Vorhaben frühzeitig abstimmen, um tragfähige Lösungen zu erreichen.
Sie arbeiten bereits in der Stadtspitze, und ein Großteil Ihrer ersten Amtszeit ist bereits vorbei. Was hätten Sie in dieser Zeit gerne erreicht, was Ihnen noch nicht gelungen ist?
Als Beigeordnete habe ich bereits wichtige Projekte umgesetzt, etwa den Digitalpakt Schule, moderne Schulmediatheken, die Sommerschule, neue Freizeitformate für alle Generationen, die Modernisierung von Sportanlagen in Ixheim und im Westpfalzstadion sowie die Freisportanlage Kleiner Exe. Gleichzeitig habe ich gesehen, wo wir schneller und strukturierter werden müssen – gerade in Bereichen, für die bisher der Oberbürgermeister verantwortlich war. Dazu zählen der Glasfaser- und Straßenausbau, neue Gewerbe- und Bauflächen, die Belebung der Innenstadt, der Umgang mit Leerständen, Baulücken und Sanierungsbedarf, aber auch Projekte wie die Entwicklung des Parkbrauereigeländes, des Wohngebiets auf dem Kirchberg, des ehemaligen evangelischen Krankenhauses, die bauliche Modernisierung unserer Büchereien und mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Mit der Gesamtverantwortung als Oberbürgermeisterin möchte ich klare Prioritäten setzen, Entscheidungen gut vorbereiten, bündeln und die Umsetzung spürbar beschleunigen.
Worin unterscheiden Sie sich von Ihrem Mitbewerber?
Ich stehe für einen offenen, verbindenden und lösungsorientierten Stil. Mir ist wichtig, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Entscheidungen dann klar und verlässlich umzusetzen. Ich will Oberbürgermeisterin für alle sein, kenne die Strukturen vor Ort und habe einen klaren Plan für die Entwicklung unserer Stadt.
Was ist Ihnen zudem noch wichtig?
Mir ist wichtig, dass Politik für die Menschen spürbar ist. Es geht um Vertrauen, Verlässlichkeit und darum, dass Dinge im Alltag funktionieren. Zweibrücken hat viel Potenzial – wirtschaftlich, gesellschaftlich und durch seine Geschichte. Wenn wir unsere Stärken nutzen und gemeinsam vorangehen, können wir unsere Stadt Schritt für Schritt voranbringen. Für mich heißt das: klare Entscheidungen, nachvollziehbares Handeln und eine Politik, die nah an den Menschen ist.
Die Stichwahl
Rund 26.000 Zweibrücker dürfen am Sonntag bestimmen, wer die Stadt die nächsten acht Jahre als Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin führen soll. Nachdem im ersten Wahlgang am 22. März kein Kandidat mehr als die Hälfte aller Stimmen bekommen hat, stehen sich am Weißen Sonntag die beiden Erstplatzierten erneut gegenüber: Marold Wosnitza (SPD) und Christina Rauch (CDU).
Im ersten Wahlgang hatte Marold Wosnitza 42,7 Prozent der Stimmen bekommen (6607 Stimmen), Christina Rauch 30,5 Prozent (4716 Stimmen). Christian Hofer (AfD, 20,7 Prozent, 3204 Stimmen) und Atilla Eren (parteilos, 6 Prozent, 931 Stimmen) schieden aus dem Rennen aus. Hofer gab danach eine Wahlempfehlung für Christina Rauch ab, Atilla Eren hat sich zum Wahlergebnis nicht mehr geäußert.
Die Wahlbeteiligung lag im ersten Wahlgang bei 60 Prozent. 15.652 von 26.093 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Am gleichen Sonntag wurde der rheinland-pfälzische Landtag gewählt. Die Wahlbeteiligung dürfte bei der Stichwahl sinken.
Rückschlüsse auf den Ausgang der Stichwahl lässt das Ergebnis des ersten Wahlgangs nicht zu. Trotz Wosnitzas Vorsprung von zwölf Prozentpunkten ist das Rennen offen.
