Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Nachbarn sauer wegen Outlet: Das ist falsch, aber zu verstehen

Das Outlet – hier ein Foto aus den Anfangstagen – will um mehr als ein Drittel wachsen.
Das Outlet – hier ein Foto aus den Anfangstagen – will um mehr als ein Drittel wachsen.

Dass die Nachbarstädte gegen die Outlet-Erweiterung Sturm laufen, ist falsch. Aber es ist auch verständlich: Zweibrücken hat eine 20 Jahre alte Abmachung nicht eingehalten.

Es ist schon gewaltig, was das Zweibrücker Fashion Outlet plant: Es möchte über ein Drittel wachsen. Von 40 bis 50 neuen Läden ist die Rede. Schon 1997 liefen Pirmasens, Homburg und Neunkirchen Sturm gegen den Bau des Outlets. Der Streit zog sich jahrelang hin und beschäftigte eine Reihe von Gerichten. Jetzt denken sie wieder an eine Klage.

Nicht mit dem Finger auf die Nachbarn zeigen

Doch jetzt mit dem Finger auf die ach so bösen, neidischen Nachbarn zu zeigen, wäre falsch. Denn die Reaktion ist verständlich. Das Outlet wurde schon mal erweitert. Und der ganze Streit endete vor 20 Jahren mit einem Kompromiss: Die Nachbarstädte geben Ruhe, dafür wird das Outlet nicht so groß wie zunächst geplant. Das Outlet hatte damals – unter einem anderen Besitzer als heute – versprochen, dass bei 21.000 Quadratmetern Schluss ist. Das ist genau die Größe, die es jetzt hat. Das heißt: Es sind die Zweibrücker, die ihren Teil der Abmachung nicht einhalten.

Auf der anderen Seite sind 20 Jahre eine lange Zeit. Da kann man schon mal drüber reden, ob das, was man vor einer Generation mal vereinbart hat, unbedingt noch genauso gelten muss. Seitdem haben sich die Zeiten nun mal geändert. Der große Konkurrent der Läden in den Innenstädten ist nicht der Fabrikverkauf auf der grünen Wiese, sondern der Online-Handel.

„Was kaputtgehen konnte, ist kaputtgegangen“

Natürlich hat sich das Outlet negativ auf die Innenstädte ausgewirkt. Und eine Erweiterung um ein Drittel ist ein Riesending. Aber sie wird nicht die Folgen haben wie 2001, als die Läden eröffneten. Norbert Pohlmann, Sprecher der Grünen im Zweibrücker Stadtrat, hatte es vergangenes Jahr treffend ausgedrückt: „Was kaputtgehen konnte, ist kaputtgegangen.“

Auch der Zweibrücker Stadtrat hat der Erweiterung übrigens nur unter Auflagen zugestimmt. Gut, eine davon heißt „Weitere Stufen der Erweiterung werden für die Zukunft ausgeschlossen“. Mal sehen, ob das in 20 Jahren auch noch gilt. Viel wichtiger sind aber die Einschränkungen beim Sortiment. Bücher und CDs etwa wird man dort oben nicht kaufen können, sondern vor allem Kleider von Luxusmarken. Die neuen Läden werden zu denen in der Region gar nicht so sehr in Konkurrenz treten.

Lieber das Beste draus machen

Bei dem Streit spielen solche Argumente aber gar nicht die Hauptrolle. Es geht um Gebietsgrenzen. Das Outlet liegt auf dem Gebiet von Zweibrücken und dem Landkreis Südwestpfalz. Und siehe da: Zweibrücken stimmt der Erweiterung zu, der Kreistag ebenso. Damit auch Politiker aus Lemberg und Rodalben, die sich Pirmasens viel näher fühlen.

Anstatt nun wieder einige Jahre und viel Geld in juristische Streitereien zu stecken, sollten sich die Nachbarstädte auf ihre Stärken konzentrieren. Schauen, ob und wie auch sie von den Besuchern profitieren können, die das Outlet anzieht. Und daran denken, dass es nicht nur eine Gefahr für die eigenen Geschäfte ist, sondern die eigenen Leute auch davon profitieren – durch Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze. So wie schon lange die Zweibrücker, denen vor Jahrzehnten ein großer Einkaufsmarkt direkt vor die Nase gebaut wurde: Das C+C, heute Globus, in Einöd.

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