Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Magazin: Pfälzer Kaserne zählt zu den „Horror-Kasernen“ Deutschlands

In der Kaserne in Niederauerbach herrscht ein erheblicher Sanierungsstau.
In der Kaserne in Niederauerbach herrscht ein erheblicher Sanierungsstau.

Das Magazin Stern hat die Niederauerbach-Kaserne zur „Horror-Kaserne“ Deutschlands gekürt. Ein Ex-Offizier berichtet von Fäkalien im Wasser und Vogelkot auf dem Bett.

Schimmelige Duschen und undichte Fenster – die Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken hat viele Probleme. Der Sanierungsstau ist groß, die Lebensbedingungen der Fallschirmjäger, die dort stationiert sind, miserabel. Die Probleme sind bundesweit bekannt, doch jetzt erlangt die Liegenschaft erneut zweifelhaften Ruhm: In seiner Ausgabe von vergangenen Donnerstag hat das Magazin einige maroden Kasernen in Deutschland unter die Lupe genommen. Sein Fazit: Die Niederauerbach-Kaserne zählt zu den „Horror-Kasernen“ Deutschlands.

Fäkalien im Trinkwasser

In Zweibrücken stehe „vielleicht Deutschlands schlimmste Kaserne“, schreibt das Magazin in seinem Bericht. Zu diesem Urteil gelangt es zuerst über diverse Google-Rezensionen.

Schließlich hat die Niederauerbach-Kaserne in den Google-Bewertungen gerade mal 1,9 Sterne von fünf möglichen. Von einem Zustand „schlimmer als in jedem Knast“ ist in den Kommentaren die Rede. Der Flur habe dauerhaft nach Kot gerochen. Von drei Toiletten sei eine mit Panzertape geschlossen gewesen, weil sie wohl nicht repariert werden konnte. Solche Kommentare zitiert der Stern. Dass diese mitunter bis zu drei Jahre zurückliegen, erwähnt das Magazin nicht.

In dem Text bringt ein ehemaliger Offizier der Kaserne ein ganz anderes Problem zur Sprache: Tierische Eindringlinge. „Man musste ständig Tauben aus den Stuben jagen“, berichtet der Soldat dem Magazin aus seiner Zeit in der Kaserne. „Die Keller waren verschissen und auch mir ist es mal passiert, dass mein ganzes Bett vollgeschissen wurde“, fährt er fort.

Apropos Fäkalien: Laut dem Soldaten habe es in seiner Zeit in der Kaserne immer wieder Verbote gegeben, aus der Leitung zu trinken, weil Fäkalien im Trinkwasser waren. „Wasserflaschen wurden braun, wenn man sie aus dem Hahn auffüllte.“ Deshalb hätten die Soldaten dann ihr Trinkwasser vom Supermarkt in die Kaserne „geschleppt“. Der Stern nennt in seinem Bericht nicht den richtigen Namen des Soldaten. Auch wird nicht genannt, wann er in der Niederauerbach-Kaserne stationiert war, nur, dass er dort „lange“ Offizier war. Aus einem Kommentar in den Google-Rezensionen geht im Text ein weiteres Problem hervor: Weil es keine Abluftsysteme in den Duschen gebe, bilde sich Rotschimmel.

In Kaserne im Zelt schlafen

Der Stern erwähnt auch, dass die Kaserne in den kommenden fünf Jahren für 130 Millionen Euro saniert werden soll. Und er weist auf ein weiteres Problem hin, dass dann auf die Soldaten zukommt: Platzmangel. Denn im Zuge der Sanierung sollen acht Unterkunftsgebäude sukzessive abgerissen und neu gebaut werden. Wo aber kommen die Soldaten währendessen unter? „Es gibt keine Ausweichquartiere, höchstens das Zelt“, schreibt das Magazin.

Oberstleutnant Martin Holle ist Kommandeur der Fallschirmjäger, die auch in der Niederauerbach-Kaserne stationiert sind.
Oberstleutnant Martin Holle ist Kommandeur der Fallschirmjäger, die auch in der Niederauerbach-Kaserne stationiert sind.

Auch wenn er das Kommando in der Niederauerbach-Kaserne erst vor knapp vier Wochen übernommen hat, sind Oberstleutnant Martin Holle die Probleme seiner Fallschirmjäger in der Zweibrücker Kaserne durchaus bekannt. Und er will dafür kämpfen, dass sich die Zustände in der Zweibrücker Liegenschaft bessern. „Wir als Nutzer stellen Anforderungen an die Infrastruktur. Da bleiben wir ganz hart dran, damit wir für spürbare Verbesserungen im Alltag unserer Soldaten sorgen“, betont er auf RHEINPFALZ-Nachfrage.

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