Meinung
Bundeswehr verpulvert 130 Millionen Euro Steuergeld – Baupläne nicht zukunftsfähig
Die Niederauerbach-Kaserne soll fit für die Zukunft werden. Dafür nimmt die Bundeswehr 130 Millionen Euro Steuergelder in die Hand. Zahlreiche Gebäude werden saniert oder abgerissen und neu gebaut. Da wird nicht gekleckert, da wird geklotzt. Für Zweibrücken ist das ein gutes und wichtiges Signal, doch die Pläne sind überhaupt nicht auf die Probleme der Kaserne abgestimmt. Das Desaster ist absehbar: Wenn alles fertig ist, treten die alten Probleme wieder auf.
Grundsätzlich haben die Fallschirmjäger in der Zweibrücker Kaserne ein zentrales Problem: zu wenig Platz für Soldaten und Material. Für dieses Problem bietet das Umbauprojekt keine Lösung. Sieben Gebäude sollen neu gebaut werden mit jeweils bis zu 90 Einzelzimmern. Aktuell sind dort Stuben mit Platz für bis zu sechs Mann und Sammelduschen. Man muss kein Mathe-Genie sein, um sich auszurechnen, dass Unterkunftsplätze wegfallen, wenn aus Mehrbettzimmern Einzelzimmer werden. Das wird auch Gebäude B1 gleich links am Eingang nicht auffangen, indem 69 Stuben für bis zu vier Mann geschaffen werden. Wieso überhaupt Einzelzimmer? Den Soldaten würden sicherlich auch ordentliche Doppelzimmer genügen, aktuell leben sie unter wesentlich widrigeren Umständen – zusammengepfercht in heruntergekommenen Stuben. Einzelzimmer seien jetzt aber Standard, heißt es von Vertretern des zuständigen Bundesamtes auf Nachfrage. Es wird also eine Standard-Schablone auf eine Kaserne gelegt, deren Bedarfe alles andere als Standard sind. Das zeigt, wie wenig sich die Planer mit der Zweibrücker Liegenschaft beschäftigt haben. Deren Vertreter wussten bei dem Pressetermin nicht einmal, seit wann zwei große zentrale Gebäude in der Kaserne leerstehen. Auch auf die Frage, wie viele Unterkünfte nach dem großen Umbau zur Verfügung stehen, hatten sie keine Antwort. Diese Information mussten sie nachreichen.
Die Pläne sind in keiner Weise zukunftsorientiert. Man fährt auf Sicht, reißt jetzt mal ein Gebäude nach dem anderen ab und baut es wieder auf. Dann sieht man weiter. Die Bundesamtsprecher konnten bei der Vorstellung der Pläne nicht einmal sagen, was das alles kostet. Auch diese Information mussten sie nachreichen. Dann kam per Mail aber nur eine Schätzung von 130 Millionen Euro – für die nächsten fünf Jahre. Weiter könne man noch nicht rechnen. Die Kosten werden immens. Zur Erinnerung: 2019 hatte die RHEINPFALZ berichtet, dass die Bundeswehr bis 2028 in den Standort Zweibrücken 51 Millionen Euro investieren will. Jetzt – sechs Jahre später – sind es schon mehr als doppelt so viel allein in den ersten fünf Jahren. Und dann ist das Projekt noch lange nicht fertig.
Was uns zur nächsten bedeutenden Frage bringt, die die Vertreter ad hoc ebenfalls nicht beantworten konnten: Zum Termin für den Abschluss des Projekts gab es bei dem Pressetermin keine konkrete Angabe. Aus einer Ecke war für Gebäude A1 – das lange Gebäude an der rechten Außenseite – vier bis fünf Jahre zu hören, für die neuen sieben Unterkunftsgebäude zehn bis 15 Jahre. In einer Mail am nächsten Tag wurde mitgeteilt, man könne den Zeitraum nicht festlegen.
Die Kaserne ist aktuell schon zu 95 Prozent ausgelastet, mit dem Umbau fallen Unterkünfte weg. Was ist, wenn die Fallschirmjäger mal mehr Aufgaben erfüllen sollen? Was ist, wenn die Wehrpflicht wieder eingeführt wird und die Kaserne mehr junge Soldaten aufnehmen muss? Man könne nur mit dem Bedarf planen, der vom Ministerium anerkannt ist, begründeten die Bundesamtvertreter, warum mit so wenig Unterkünften geplant wurde. Auf welcher Grundlage dieser anerkannte Bedarf berechnet worden ist und inwiefern er zukünftige Entwicklungen berücksichtigt, blieb offen. „Das fließt alles in die Zukunftsplanung mit ein“, wurde dann noch schnell ergänzt. Inwiefern die starren Baupläne Raum für Änderungen zulassen, wurde allerdings nicht ersichtlich.
Wie sieht es mit Lösungen für die speziellen Probleme der Kaserne aus? Kann man die Liegenschaft erweitern? Sollte man Lagerflächen oder gar einzelne Kompanien auslagern und deren Gebäude umfunktionieren? Kann man irgendwo zusätzliche Gebäude bauen? Solche Überlegungen kamen überhaupt nicht zur Sprache. Keine Spur von innovativen Visionen oder kreativen Ideen. Hier wird ein liebloses Standard-Konzept umgesetzt, das von vornherein mindestens teilweise zum Scheitern verurteilt ist. Planlos geht der Plan los, scheint das Motto zu sein. Und das mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe. Der Steuerzahler und die Fallschirmjäger in Zweibrücken haben mehr verdient.
