Zweibrücken
Investor will Kaserne gemeinsam entwickeln
Der Geschäftsführer des Vereins Zukunftsregion Westpfalz (ZRW), Hans-Günther Clev, hatte auf RHEINPFALZ-Anfrage am Donnerstag eine Presseerklärung verschickt, in der er mitteilte, dass der Wettbewerb jetzt zu Verhandlungen zwischen den Eigentümern der Weißen Kaserne, der Pirmasenser Bernd Hummel Immobilienprojekte GmbH, und den Investoren geführt habe. „Dass der ursprünglich geplante Wettbewerbsverlauf einen etwas anderen Weg genommen hat und durch direkte Gespräche verkürzt wurde, ist nichts Ungewöhnliches bei solchen Verfahren. Letztlich geht es darum, qualifizierte Interessenten zu finden. Der Wettbewerb ist nur Mittel zum Zweck“, so ZRW-Geschäftsführer Clev. Welchen Weg der Wettbewerb genommen hat, was die Gründe dafür waren, und ob letztlich doch noch Preise vergeben werden, dazu äußerte sich Clev in der Mitteilung nicht. Auch einem Rückrufwunsch am Morgen kam er bis Freitagabend nicht nach.
Der städtebauliche Investorenwettbewerb sah ursprünglich Folgendes vor: Wer Interesse hat, das viereinhalb Hektar große Gelände zu entwickeln, sollte sich in Zusammenarbeit mit einem Architekten bewerben und Entwürfe und Konzepte einreichen, die bis Anfang September von einer Jury ausgewertet werden sollten. Am 1. Oktober sollten dann die Gewinner des Wettbewerbs bekanntgegeben und die mit zusammen 30.000 Euro dotierten Preise vergeben werden: 15.000 für den ersten, 10.000 für den zweiten und 5000 für den dritten Platz. Der Sieger hätte mit dem Eigentümer in Kaufverhandlungen treten und bei einer Einigung sein Konzept in Abstimmung mit der Stadt umsetzen sollen. Die denkmalgeschützte Kaserne sollte zu einem eigenständigen, nachhaltigen Stadtviertel umgestaltet werden. Dem Investorenwettbewerb sollten stimmige architektonische Konzepte entspringen, die einen Mix aus attraktivem Wohnen, urbanem Grün, Arbeitsmöglichkeiten und Freizeitangeboten aufweisen und die Kaserne zu einem lebendigen und zukunftsfähigen Quartier machen sollten. Wie geht es nun mit der letzten großen, noch nicht umgenutzten militärischen Konversionsfläche in Zweibrücken weiter?
Beide Investoren wollten aussteigen
Wie die RHEINPFALZ aus Kreisen der an dem Wettbewerb Beteiligten erfahren hat, gab es eine Reihe von Interessenten, von denen am Ende zwei übrig blieben. Einer soll dann direkt bei der Besichtigung des Geländes und der Gebäude seinen Ausstieg aus dem Wettbewerb erklärt haben, der andere etwas später, weil ihm das Gesamtprojekt – die Entwicklung des kompletten, 4,5 Hektar großen Geländes, wie in den Wettbewerbsbedingungen beschrieben – doch eine Nummer zu groß erschien. Er habe allerdings durchblicken lassen, dass er sich eine sukzessive Entwicklung – also nach und nach – vorstellen kann. Dieser potenzielle Investor soll nun beabsichtigen, die alte Kaserne gemeinsam mit dem jetzigen Eigentümer zu entwickeln und dies mit der Bernd Hummel Immobilien GmbH abzustimmen.
Wie Clev in dem Schreiben vom Donnerstag weiter mitteilt, seien auch die Eigentümer keineswegs enttäuscht, dass es anders kam als gedacht. Im Gegenteil. „Der Wettbewerb war erfolgreich, er hat das gewünschte Ergebnis gebracht. Dafür bin ich der ZRW sehr dankbar“, wird der Eigentümer der Weißen Kaserne, Bernd Hummel, zitiert. „Aber diese Chance nun in Taten umzusetzen, wird noch eine Herausforderung. Da müssen wir an einem Strang ziehen“, so Hummel.
Erfahrene Investoren aus Rheinland-Pfalz
Sobald erste Ergebnisse der Gespräche mit den aus Rheinland-Pfalz stammenden Investoren, die derartige Objekte bereits öfter erfolgreich entwickelt haben, vorlägen, würde die Medien unterrichtet, so Clev. Er meint, dass dies bis Ende des Jahres möglich sein sollte.
Der Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza äußert sich so: „Wie ich schon in meiner Neujahrsansprache vor zwei Jahren dargelegt hatte, war ein Investorenwettbewerb für die Weiße Kaserne eine Vision, die ich verfolgen wollte. Umso mehr spielt es uns in die Karten, dass die Zukunftsregion Westpfalz die gleiche Idee hatte und gemeinsam mit der Familie Hummel auch auf den Weg bringen konnte.“ Deswegen habe die Stadt das Projekt vorbehaltlos unterstützt. Da sich in der Kaserne lange gar nichts bewegt hat, sei er froh, dass es nun die Chance gibt, das Gelände aus dem Dornröschenschlaf zu holen und zu entwickeln. Ob der Historie des Geländes sei er „vorsichtig optimistisch“, so Wosnitza.
Die Kommandantur ist ein Schmuckstück
Der Pirmasenser Bernd Hummel hatte die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Kaserne, die unter Denkmalschutz steht, 1996 gekauft und weckte mit ehrgeizigen Zielen hohe Erwartungen. „Der Baustil hat mich fasziniert, die Historie streichelt die Seele“, sagte Hummel damals, und: „Ich will die Kulturszene in Zweibrücken aufwerten“. Ein ökologisches Quartier war das Ziel. Die Kommandantur, deren Renovierung er 2008 abgeschlossen hatte und die komplett vermietet ist, ist bis heute der einzige Erfolg, den Hummel nach einem Vierteljahrhundert in der Kaserne vorzuweisen hat.