Zweibrücken
Ixheimer Omas sollen Vorbild für ganz Rheinland-Pfalz werden
Senioren – erst recht, wenn sie nicht mehr mobil sind – können in Zweibrücken seit 2019 das Sprachassistenz-Gerät Alexa nutzen, um sich über das DRK-Modellprojekt „Gemeinsam. Digital Zweibrücken“ von daheim aus mit Freunden und ihren Lieben zu unterhalten. In Bild und Ton. Gesteuert wird das Maschinchen über die Sprache. Man sagt das Sprüchlein: „Alexa, starte Rotes Kreuz!“, schon ertönt die Antwort: „Hallo, hier ist das Rote Kreuz.“ Nun äußern die Senioren ihren Wunsch – ebenfalls mündlich. Man sagt etwa: „Verbinde mich mit meiner Tochter“, oder man lässt sich direkt zum Arzt durchtelefonieren. Wie Hans Prager vom DRK erläutert, erzählt Alexa auf Wunsch ein Grimmsches Märchen oder den „Witz des Tages“ und erklärt Kochrezepte. Dem Cap-Markt in der Hallplatz-Galerie gibt man seine Einkaufs-Wunschliste durch – mit der Option, das Gewünschte aus dem Geschäft ins Haus liefern zu lassen. Alexa gibt Bescheid, dass heute das Enkelkind Geburtstag hat, und wie die lokalen Fußballer gespielt haben, weiß sie auch. Für all das brauchen die Nutzer nicht umständlich auf Tastaturen, Tablets oder Apps herumzufingern, sondern sie erledigen und hören alles bequem per Sprache.
2019 hatte der Rotkreuz-Kreisverband Zweibrücken zusammen mit dem Fraunhofer-Institut Kaiserslautern und der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz im Ixheimer Wohngebiet Breitwiesen das Programm gestartet – als Blaupause zum Nachahmen auch in anderen rheinland-pfälzischen Städten und Gemeinden. Am Donnerstag war die Mainzer Sozialministerin Dörte Schall (SPD) im Quartierstreff Breitwiesen zu Besuch, um sich vom DRK das Projekt erklären zu lassen. Rainer Zeimentz vom Vorstand der Entwicklungsagentur nutzte die Gelegenheit, um die Ministerin um Fördergelder vom Land zu bitten: „Die Erprobungsphase in Ixheim ist abgeschlossen. Das Programm ist kein Experiment mehr, es funktioniert. Ehrenamtler können darauf aufbauen und das Projekt überall im Land umsetzen. Aber wir als Entwicklungsagentur können das nicht ewig finanzieren. Deshalb brauchen wir Geld vom Land.“
Keine Angst vorm Amazon-Produkt
Alexa ist ein Produkt des vieldiskutierten Internet-Verkaufsmultis Amazon. Doch davon solle man sich nicht abschrecken lassen, versichert Zeimentz. „Ja, am Anfang sagten viele Angehörige, so ein Ding kommt bei der Oma nicht ins Haus.“ Doch zusammen mit dem Roten Kreuz habe man die Geräte, die bei „Gemeinsam. Digital“ zum Einsatz kommen, so programmiert, dass die Senioren weder mit unerwünschter Amazon-Verkaufswerbung belästigt würden noch dass jemand mit ihren persönlichen Daten Schindluder treiben könne.
In Ixheim wird das System aktuell von 36 Stammgästen des Quartierstreffs Breitwiesen genutzt. Ist beim Umgang mit der Technik mal etwas unklar, hilft Petra Zur weiter, die Ansprechpartnerin vom Roten Kreuz. „Sogar 85- und 93-Jährige sind begeistert“, erzählt sie. „Mit der Sprachsteuerung haben sie keine Probleme mehr. Eine unserer Omas hat das Gerät erst seit wenigen Wochen, und jetzt führt sie regelmäßig Bildtelefonate mit ihrer Tochter.“ Petra Zur plant, die beiden Zweibrücker Alexa-Kontaktgruppen aus den Breitwiesen und dem Wohngebiet Sechsmorgen miteinander zu verknüpfen. „So entstehen neue Freundschaften.“ DRK-Kreisgeschäftsführer Hans Prager ergänzt, man wolle das Projekt in Zweibrücken aufs gesamte Stadtgebiet ausweiten und hier bis zum Jahresende die Marke von 100 Nutzern knacken.