Zweibrücken Hitzewellen und Hochwasser: Wie Zweibrücken sich vorbereitet

Anne-Lorraine Ring, hier mit Rainer Lilischkis von ZW-Vernetzt, geht grünen Inseln im Stadtgebiet auf den Grund.
Anne-Lorraine Ring, hier mit Rainer Lilischkis von ZW-Vernetzt, geht grünen Inseln im Stadtgebiet auf den Grund.

Wie kann Zweibrücken auf zunehmendes Extremwetter wie Starkregen, Hochwasser und Hitzeperioden reagieren? Es gibt einen Plan, den der Stadtrat noch annehmen muss.

Mit der Biologin und Ökologin Anne-Lorraine Ring ist seit Ende 2023 im Zweibrücker Rathaus eine Klimaanpassungsmanagerin tätig. Ihre Aufgabe: Wenn der Klimawandel schon steigende Durchschnittstemperaturen und Hochwasser auslöst, dann muss in der Stadt etwas getan werden, um die Folgen zu mildern. Sprich, wir müssen lernen, mit dem Klimawandel zu leben – uns daran anzupassen. Was Zweibrücken hier tun kann, wird von Anne-Lorraine Ring untersucht. Das kann der Einbau schattiger Zonen auf den zentralen Plätzen sein, das Pflanzen weiterer Bäume oder die Begrünung von Dächern und Hausfassaden. Rings laufender Arbeitsvertrag im Rathaus, der zu 90 Prozent über ein Klimaschutz-Förderprogramm vom Bund finanziert wird, ist auf zwei Jahre befristet und läuft Ende November aus. Nun soll er um drei Jahre verlängert werden.

Anne-Lorraine Rings Tätigkeit ist Bestandteil eines öffentlich geförderten Programms zur Erstellung und Umsetzung eines Klimaanpassungskonzepts für Zweibrücken. Dieses wurde in den vergangenen beiden Jahren detailliert ausgearbeitet; es enthält zahlreiche Vorschläge und Hinweise, was sich in der Rosenstadt unternehmen lässt, um mit Klimawandel und Erderwärmung besser zurecht zu kommen.

Förderung für drei weitere Jahre beantragen

In seiner Sitzung am 1. Oktober wird der Stadtrat entscheiden müssen, ob das von Ring zusammen mit zwei Freiburger Ingenieurbüros erarbeitete Zweibrücker Klimaanpassungskonzept (KANK) angenommen wird und in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in die Tat umgesetzt werden soll. Am Dienstag riet der Bauausschuss dem Stadtrat, zum Konzept Ja zu sagen. Die Annahme des Konzepts ist auch Voraussetzung für die dreijährige Fortsetzung der Bundesförderung für den Arbeitsplatz der Klimaanpassungsmanagerin. Stimmt der Stadtrat nächste Woche zu, wird beim Bund die dreijährige Fortsetzung der Projektförderung bis 30. November 2028 beantragt.

Anne-Lorraine Ring und die Freiburger Büros haben für Zweibrücken einen Katalog von 23 Maßnahmen zur Klimaanpassung zusammengestellt – aufgeteilt in die sieben Handlungsfelder Stadt- und Raumplanung, Wasserwirtschaft, Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, Naturschutz, Biodiversität und Boden, Land- und Forstwirtschaft, Gesundheit sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Hitze-Alarmplan für Zweibrücken

Wie Ring erläutert, gehört Zweibrücken zu den ersten Städten im Bundesgebiet, die beim Erstellen ihres KANK zugleich eine „Hitze-Aktionsplanung“ mit konkretem Alarmplan entwickelt haben, der in der heißen Jahreszeit greifen soll. Der Plan umfasst drei Dringlichkeitsstufen. Künftig soll in Zweibrücken alljährlich vom 1. Mai bis Ende September automatisch Alarmstufe eins als Vorwarnstufe in Kraft treten. Damit wird die Bevölkerung daran erinnert, dass sie sich auf heiße Monate vorbereiten soll. Bei starker und extremer Wärmebelastung wird nach Hitzewarnung vom Deutschen Wetterdienst Alarmstufe zwei ausgerufen: Den Bürgern wird empfohlen, die Warn-App Nina zu installieren. Alarmstufe drei tritt in Kraft, wenn Rathausspitze und Katastrophenschutz eine akute Notlage feststellen. Für diesen Fall gibt es einen Alarm- und Einsatzplan, an dem die Hilfs- und Rettungsdienste sowie das Nardini-Klinikum beteiligt sind. Ebenfalls als Vorteil sieht es die Anpassungsmanagerin, dass die Stadt bereits seit Jahren über ein fertig ausgearbeitetes Starkregen- und Hochwasserkonzept verfügt.

Klimaanpassungsmanagerin Anne-Lorraine Ring und ihr Kollege, der Klimaschutzmanager Jonas Kirch.
Klimaanpassungsmanagerin Anne-Lorraine Ring und ihr Kollege, der Klimaschutzmanager Jonas Kirch.

Im Bauausschuss lobte Walter Rimbrecht (SPD) das Klimaanpassungskonzept als „Meilenstein für Zweibrücken“. Er verstehe aber nicht, dass jetzt einerseits die Begrünung von Fassaden gefordert und andererseits am Bahneinschnitt natürlich gewachsenes Gesträuch von der Betonwand geschnitten wird. Rimbrecht empfiehlt auch, Schottergärten in Neubaugebieten grundsätzlich zu verbieten. Thomas Eckerlein (CDU) warnte davor, das wichtige Klimaanpassungskonzept in der Schublade verschwinden zu lassen. Er regte an, dass Vertreter von Bauausschuss, Bauamt und anderen beteiligten Stellen sich alle sechs Monate treffen, um zu beraten, welche konkreten Schritte bereits umgesetzt wurden und welche noch nicht.

Was die Klimafachleute für Zweibrücken empfehlen

Durchlüftung und Luftaustausch: Luftschneisen in der Bebauung dienen dem Austausch von aufgeheizter Luft durch kühlere Umgebungsluft. Bestehende Luftschneisen sollten erhalten und neue bei Bauvorhaben mit eingeplant werden. In neuen Baugebieten sind Belüftungsachsen parallel zur vorherrschenden Windrichtung anzulegen.

Ans Klima angepasst bauen: Neubauten, die nach aktuellem Standard errichtet werden, heizen sich weniger auf. Fassaden- und Dachbegrünung mindern die Oberflächentemperatur. Eine Photovoltaik-Anlage kann die Dachbegrünung beschatten, was Verdunstung und Wasserbedarf mindert. Helle Gebäudeoberflächen und -fassaden erhitzen sich weniger als dunkle.

Grün- und Freiflächen: Begrünte Flächen heizen sich weniger stark auf als versiegelte. Parkplätze können mit Rasenpflaster oder -gitter versehen werden. Bäume geben Schatten. In Wohngebieten verbessern kleine Parks das Klima. Wiesen- und Blühflächen am Straßenrand fördern die Insektenvielfalt. Privatleute sollten grüne Gärten statt Schottergärten anlegen. An heißen Tagen sollten Trinkwasserbrunnen bereitstehen. Empfohlen werden Obst- und Nussbäume zum Pflücken im Stadtgebiet sowie Gärten und Hochbeete in Kitas und Schulen. Naturnahe Privatgärten sind zu fördern.

Prinzip Schwammstadt: Weil es immer öfter zu kurzen Starkregen und langen Trockenzeiten kommt, ist das Regenwasser vor Ort zu speichern. Etwa durch Versickern in wasserdurchlässigen Flächen wie Schotterrasen oder Rasenpflaster.

x