Zweibrücken
Ein Ritter besucht die Bipontina
Die Wurzeln von Robert A. Bels reichen weit in die Vergangenheit zurück: Der Ritter, ein gebürtiger Belgier, entstammt nach eigenen Angaben einer feudalen Adelsfamilie, deren Familiennamen ihren Ursprung in der flämischen Stadt „Balliol“ oder „Belle“ im Jahr 960 hatte. „Balliol“ wurde infolge der Annexion durch Frankreich im Jahr 1678 im Vertrag von Nijmegen zu „Bailleul“. Bekannt sind auch Familiennamen wie etwa „Bels“, „Belle“, „Bayles“. Die RHEINPFALZ hat sich mit dem Adligen aus Flandern, der seit 2011 in Zweibrücken lebt, unterhalten.
Namen verändern sich
„Unsere Familie hat sich von Flandern aus in ganz Europa ausgebreitet. Heute trifft man Bels in ganz Europa. Die Familiennamen wurden übernommen und entsprechend der Sprache und der Schreibweise der Länder, in denen sie sich niedergelassen haben, verändert. Sie sind vor allem in Flandern, Frankreich, Spanien, England und Schottland anzutreffen“, erzählt der 78-Jährige.
„Die Suche nach der Geschichte der Familiennamenvarianten unserer Abstammung, die in einer Vielzahl von Büchern in einer Vielzahl von Bibliotheken zu finden sind, ist eine sehr anstrengende, langwierige und kostspielige Arbeit“, stellt Bels fest. Seit seiner Jugend interessiere er sich für die Geschichte des Mittelalters und der alten Zivilisationen. Er habe jedoch keine Ausbildung zum Historiker genossen, betont Bels.
In die Geschichte der Menschheit vertieft
Bei seinen historischen Nachforschungen sei es sehr hilfreich, dass er „vollkommen polyglott ist“ und Latein, Französisch, Englisch, Deutsch, Russisch, Niederländisch und – als Dilettant – die Hieroglyphen des Ägyptischen Reiches gelernt habe. Seine Fremdsprachenkenntnisse halfen Bels nicht nur dabei, die Welt seiner Vorfahren zu entdecken, sondern kamen ihm auch in seiner beruflichen Laufbahn zugute. Von 1976 bis 2002 war Bels Attaché im Nato-Hauptquartier auf der Air Base Ramstein. Jetzt wohnt er in Zweibrücken.
Er habe sich in die Geschichte der Menschheit vertieft, um dann unweigerlich in die Geschichte seiner Familie einzutauchen, sagt Bels. Die Recherchen, die zu seinem „Essay on the Bels-Belle-Balliol Dynasty“ führten, dauerten mehr als 35 Jahre. Um den Spuren seiner adligen Herkunft nachzugehen, besuchte Bels unzählige Archive und Bibliotheken in ganz Westeuropa. Heute kommt er regelmäßig in die Bibliotheca Bipontina.
Großmeister des Ordo Balliolensis
Er interessiere sich jedoch nicht nur für die Geschichte seiner Dynastie, sondern auch für die der großen Dynastien von einst, mit denen die der „Bels-Belle-Balliol“ in Wechselwirkung standen. Seine Forschungsergebnisse hat Bels in zahlreichen Büchern auf Deutsch, Französisch und Englisch festgehalten.
Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Bels ist auch Musiker, Maler, Schriftsteller und Philosoph, wie er sagt. Und außerdem „Großmeister des Ordo Balliolensis (OB)“. Bei diesem Orden handelt es sich laut Bels um einen dynastischen Orden des traditionellen Rittertums, der 1986 unter der Schirmherrschaft des Templerordens gegründet und am 19. Mai 1991 im Ratssaal der nordfranzösischen Stadt Bailleul offiziell besiegelt wurde. Bels: „Der Ordo Balliolensis hat und wird niemals militärische, politische, religiöse, mystische, esoterische, dogmatische, folkloristische, sportliche, kommerzielle oder philanthropische Ziele verfolgen. Er unterhält ausgezeichnete Beziehungen zu anderen traditionellen Ritterorden. Die Zahl der Großmeister solcher Orden in Europa lässt sich an den Fingern einer Hand abzählen.“
Jeder kann Ritter werden
Seit einigen Jahren ist der Orden nicht mehr rein dynastisch, sondern steht auch Nichtmitgliedern der Dynastie offen. Die Aufnahmeregeln sind sehr streng, „da die Ritterschaft von Natur aus elitär ist, eine humanitäre und nicht nur finanzielle Elite“, sagt Bels. So könne im Prinzip jeder – auch Frauen – Ritter werden, wenn er oder sie die auferlegten Prüfungen besteht, die Sitten und Gebräuche respektiert, sich bemüht, die Traditionen im Alltag zu leben, und sich den großen Werten und Idealen der Ritterschaft verpflichtet, wie Ehre, Respekt, Brüderlichkeit und gegenseitige Hilfe getreu dem Motto „Auxilium et Concilium“ (lateinisch für „Hilfe und Rat“).