Zweibrücken
Amazon kündigt einen seiner modernsten Standorte Europas an
Ein Datum für die Aufnahme des Betriebs der Amazon-Halle auf dem Steitzhof vermochte Daniel Alexander Hollstein am Mittwochabend noch nicht zu nennen. „Im Moment konzentrieren wir uns auf die Bauarbeiten. Und mit denen liegen wir sehr gut im Zeitplan“, erläuterte der Geschäftsführer der eigens für die Anlage am Flughafen gegründeten Betriebsgesellschaft. Die Amazon Logistik Zweibrücken-Contwig GmbH, so Hollstein, werde von Anfang an vor Ort Gewerbesteuern zahlen. Als Gast einer Sitzung des Flughafen-Zweckverbandes Zef gab Hollstein Einblick in das südwestpfälzische Vorhaben des Internet-Versandriesen.
In diesen Wochen sei Amazon dabei, hier „einen unserer modernsten Standorte in Europa“ zu errichten. Auf 50.000 Quadratmetern Arbeitsfläche, was sieben Fußballfeldern entspreche, schaffe das Unternehmen ein „Robotics-Logistikzentrum“, in dem im ersten Betriebsjahr bis zu 1000 Beschäftigte tätig werden sollen. „Je nach Zunahme des Volumens steigt deren Anzahl später an“, so Hollstein. Gearbeitet werden soll im Drei-Schicht-System, über jeweils 24 Stunden an sechs Wochentagen. „An Sonn- und Feiertagen ruht der Betrieb“, ließ der Geschäftsführer wissen. Es sei nicht geplant, dass die Beschäftigten unter der Früh-, Spät- und Nachtschicht durchwechseln müssen. „Wir haben kein rotierendes System. Jeder behält seine Schicht.“
Tausende Transport-Roboter
Aktuell würden im Innern der 2023 errichteten Halle mit Stahlträgern zwei zusätzliche Zwischenetagen eingezogen. Installiert werde Fördertechnik mit rund 3600 Transport-Robotern, „die künftig etwa 80.000 mobile Regale bewegen“, so der Geschäftsführer. Denn die Versandlogistik werde hier nicht etwa über starre Regalreihen abgewickelt, die bis unter die Decke die Wände ausfüllen. „Stattdessen werden mobile Regaleinheiten von den Robotern direkt zu den Mitarbeitern gefahren.“ Am Standort Zweibrücken-Contwig würden die zu verschickenden Waren in Behältern eingelagert und versandfertig gemacht. „Deshalb überschreiten die Artikel, die hier bei uns verarbeitet werden, nicht die Größe von Postkisten.“
Um im Gebäudeinneren mehr Platz für Logistik, Lager- und Versandbereich zu schaffen, entstehe an der Halle derzeit für die Belegschaft ein Anbau mit Kantine, Büro- und Sozialräumen.
Lastwagen fahren die Ware vom Standort
Der gebürtige Hamburger Hollstein erklärte, dass Amazon in Deutschland drei unterschiedliche Arten von Hallen unterhalte. „In den Logistikzentren, so wie jetzt hier in Zweibrücken eines im Aufbau ist, werden die zu versendenden Waren verpackt und auf Lastwagen verladen. Die LKW bringen die Artikel in unsere Sortierzentren, die sie dann in die Verteilzentren weiterleiten. Von denen aus gelangen die einzelnen Sendungen zu den Endkunden an die Haustür.“ Dies bedeute, der Standort Zweibrücken-Contwig werde mit LKWs bedient – nicht mit Vans oder Lieferwagen. Auf Nachfrage von Oberbürgermeister Marold Wosnitza wies Hollstein in der Zef-Sitzung Spekulationen zurück, laut derer Amazon am Zweibrücker Flughafen womöglich „vorwiegend Fahrer-Jobs“ schaffen werde: Diese Mutmaßung war am vorigen Donnerstag im Verlauf der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion der vier OB-Kandidaten geäußert worden.
Mit 15,65 Euro liege bei Amazon das Einstiegsgehalt deutlich über dem Niveau des deutschen Mindestlohns von 13,90 Euro. „Ich kann Ihnen jetzt schon verraten, dass unser Einstiegslohn im September auf 16 Euro steigt“, gab Daniel Alexander Hollstein bekannt. Hatte das Unternehmen in einer ersten Anwerbephase seit Januar vor allem Jobs für Logistikfach- und Führungskräfte, Techniker, Abteilungs- und Teamleiter ausgeschrieben, wird in einer zweiten Rekrutierungswelle vorwiegend weniger qualifiziertes Personal für die Versandabteilung gesucht. Wann diese Ausschreibungsphase eingeleitet wird, konnte der Standortleiter am Mittwoch noch nicht sagen.
Auflagen für den Lieferverkehr
Bei der Zef-Zusammenkunft im Zweibrücker Rathaus berichtete Daniel Alexander Hollstein, dass Amazon in Deutschland seit dem Jahr 2014 mehr als 90 Milliarden Euro investiert habe. Bundesweit habe das Versandunternehmen an gut 100 Standorten mehr als 40.000 unbefristete Arbeitsplätze geschaffen. Als eine der neuesten Logistikhallen sei 2024 eine in Erfurt in Betrieb genommen worden. Ähnlich wie diese soll auch die Liegenschaft bei Zweibrücken ausgestaltet werden.
Diese wolle sich als „guter Nachbar“ bewähren, versprach der Geschäftsführer. Unter anderem werde Amazon den LKW-Fahrern verbieten, während der Ruhezeiten ihre Lastwagen auf Feld- oder Landwirtschaftswegen im Umfeld des Hallengeländes zu parken.
Allein in Rheinland-Pfalz so Hollstein abschließend, seien im Jahr 2025 mehr als 5,5 Millionen Artikel über Amazon verkauft worden. „Das entspricht zehn Produkten pro Minute.“