Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger Gemeinden, neue Strukturen: Evangelische Kirche im Bezirk Speyer vor Reform

Johanneskirche: Pfarrer Udo Müller (hier im Glockenturm) wechselt den Standort.
Johanneskirche: Pfarrer Udo Müller (hier im Glockenturm) wechselt den Standort.

Die evangelische Kirche steht vor großen Herausforderungen, die auch die Speyerer Bezirkssynode betreffen. Ab 1. Januar 2029 soll die Kirchenbezirksreform greifen.

Rund 90 Synodale aus Speyer und Teilen des Rhein-Pfalz-Kreises sind aufgerufen, folgenreiche Entscheidungen zu treffen. Unter dem Leitgedanken „Kirche mutig machen“ ist ein Prozess in Gang gekommen, der strukturelle und personelle Veränderungen nach sich zieht. Deutlich rückläufige Mitgliederzahlen und vakante Pfarrstellen machen dem Kirchenbezirk Speyer finanziell und im Hinblick auf künftige Aufgaben zu schaffen.

Udo Müller, Pfarrer der Johanneskirche in Speyer-West, wechselt zum 1. September ins Dekanat Landau, Andreas Buchholz, Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Waldsee-Otterstadt, geht Ende Juni in den Ruhestand. Die Stellenausschreibung für die Buchholz-Nachfolge war laut Dekan Arne Dembeck erfolglos, die Ausschreibung für Müllers Nachfolge ist noch nicht abgeschlossen. Derzeit gehören der evangelischen Kirche im Bezirk Speyer demnach 36.000 Gemeindemitglieder an. Nach der angestrebten Fusion mit Ludwigshafen, Germersheim und Frankenthal soll der neue Bezirk für rund 80.000 Mitglieder zuständig sein.

Neu- und Umverteilungen aller Arbeitsbereiche

„Der Ernstfall ist eingetreten“, erklärte Dembek angesichts der aktuellen Situation die Notwendigkeit, Kirche unverzüglich weiterzuentwickeln. „Es wird weniger Gemeinden und weniger Gebäude geben“, beschrieb Dembek die Zukunft der Protestanten im Kirchenbezirk. Demnach stehen Neu- und Umverteilungen aller Arbeitsbereiche an. Was die geplante Reduzierung der Dekanate von derzeit 15 auf vier betreffe, sei noch nicht alles abschließend geklärt, informierte Dembek die Bezirkssynode. „Klar ist, dass die neuen Kirchenbezirke zum 1. Januar 2029 arbeitsfähig sein müssen“, stellte er den Zeitplan vor.

Weniger Menschen und weniger Ressourcen brächten mit sich, Kirche neu zu denken, betonte er. Dazu gehöre auch ein professionellerer Umgang mit Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen sowie der Schritt, Diakonie künftig stärker einzubinden, sagte der Dekan. Zudem stünden Strategiegespräche über Kirchengebäude der Zukunft an. Auch eine Verkleinerung der Bezirkssynode stehe an. Um künftig bis zu 300 Mitglieder einer Bezirkssynode zu vermeiden, würde ein Wahlverfahren eingeführt, das nicht mehr jede Gemeinde berücksichtige.

Dem Plan, alle protestantischen Kindertageseinrichtungen unter einen gemeinsamen kirchlichen Träger zu stellen, stimmten die Synodalen mehrheitlich zu. „Wir können nicht weiterhin 20 Millionen Euro für Kitas ausgeben“, erklärte Jochen Wütscher, Geschäftsführer der protestantischen Gesamtkirchengemeinde. Demnach müssten künftig im Kita-Bereich zehn Millionen Euro eingespart werden. „Zehn Prozent Mitgliederschwund in den vergangenen drei Jahren geben keinen Raum für Luxusfragen“, erklärte Dekan Arne Dembeck die Lage.

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