Fragen und Antworten
Wasserqualität: Was ist dran an den schlechten Noten für den Steinhäuserwühlsee?
Worum geht es?
Die EU hat die Wasserqualität von 68 Badeseen in Rheinland-Pfalz bewertet. 59 wurden als „ausgezeichnet“ eingestuft. Dazu gehören die Speyerer Gewässer Binsfeldsee, Kuhuntersee, Sonnensee und Speyerlachsee. Fünf weitere Seen erhielten das Prädikat „gut“. Lediglich ein See wurde mit „ausreichend“ beurteilt: der durch Kiesabbau entstandene, rund 13 Hektar große Steinhäuserwühlsee, auch „Bonnetweiher“ genannt. Er befindet sich in Privatbesitz, ist von Campinggebieten umgeben und hat einen öffentlichen, aber kostenpflichtigen Badestrand.
Worauf beruht die Bewertung durch die EU?
Baden soll Spaß machen, nicht krank. Daher wird die Wasserqualität offizieller Badegewässer überwacht, vor allem in der Badesaison vom 1. Juni bis zum 31. August. Die Beprobung der Speyerer Seen erfolgt durch das Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises. Die Proben werden unter anderem mikrobiologisch, also hinsichtlich ihrer Belastung mit Krankheitserregern, untersucht. Das Landesamt für Umwelt (LfU) veröffentlicht die Ergebnisse. Entnommen werden die Proben demnach dort, wo sich die meisten Badegäste aufhalten. Die erste Beprobung dieses Jahres fand Mitte Mai statt, die zweite folgte Anfang Juni.
Warum kommt der Steinhäuserwühlsee so schlecht weg?
Die gegenwärtige EU-Benotung der Wasserqualität mit „ausreichend“ ist missverständlich, denn sie bezieht sich nicht auf die aktuell im See gemessenen Werte. Die diesjährigen Proben aus dem Steinhäuserwühlsee lieferten – wie die aus den anderen Speyerer Gewässern auch – bisher durchweg sehr gute Werte, wie das LfU auf Anfrage bestätigt. Der Knackpunkt ist der zeitliche Bezugsrahmen: Die EU betrachtet nicht allein die aktuellen Werte, sondern einen längeren Zeitraum und bildet aus den Ergebnissen der vergangenen vier Jahre einen Querschnitt.
In den vergangenen Jahren wurde die Wasserqualität im Steinhäuserwühlsee stets als mindestens „gut“, meist sogar als „ausgezeichnet“ beurteilt. Wie erklärt sich der Absturz?
Bei der Analyse der Wasserproben liegt der Fokus darauf, wie viele Keime das Seewasser enthält. Die wichtigsten Indikatoren sind Cyanobakterien (Blaualgen) sowie Fäkalbakterien wie Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Sie können Magen-Darm-Erkrankungen auslösen, zu Hautreizungen führen, aber auch zu schweren Infektionen. Wie das LfU erläutert, liegt der Grund in der gegenwärtig schlechteren Bewertung des Bonnetweiher-Wassers an hohen Keimwerten, die dort im Sommer 2025, vor allem im August, aufgetreten sind. Demnach betrug die Anzahl der intestinalen Enterokokken 683 koloniebildende Einheiten (KBE) auf 100 Milliliter (ml) Seewasser. Als „ausgezeichnet“ gilt laut der EU-Richtlinie für Badegewässer ein Wert unter 200 KBE/100 ml. Die Proben vom August 2025 wiesen also mehr als das Dreifache dieses Grenzwerts auf. Die Anzahl der Escherichia coli-Bakterien lag bei 1143 KBE/100 ml. „Ausgezeichnetes“ Seewasser darf laut EU aber nur maximal 500 KBE/100 ml enthalten.
Warum kam es zu der hohen Belastung durch Fäkalbakterien?
Das LfU verweist auf Rahmenbedingungen, die ein vermehrtes Auftreten von Fäkalkeimen und Blaualgen in Gewässern begünstigen. Dazu zählen Trockenheit und hohe Temperaturen. Auch starke Regenfälle tragen demnach zu einer erhöhten Anzahl dieser Bakterien bei, „da das Regenwasser Böden und meist auch Vogelkot in den See spült“. Auf diesem Weg gelangen auch größere Mengen an Nährstoffen in die Seen. Hohe Nährstoffkonzentrationen, vorrangig Phosphor und Nitrat, fördern laut LfU das massenhafte Auftreten von Cyanobakterien und Algen ebenfalls. In der Vergangenheit hatten der Mondsee und besonders der Speyerlachsee mit Blaualgen-Blüten zu kämpfen.
Wo kommen die Fäkalbakterien her?
Aus dem Darm von Menschen, Nutztieren und Wildtieren. Sie alle kommen als Quelle in Betracht, vor allem aber Wasservögel. Diese seien ein zunehmendes Ärgernis, sagt Horst Marschlich. Er betreibt seit vielen Jahren den Badestrand an der Ostseite des Gewässers und sorgt sich um die Wasserqualität. Er schätzt den Gänsebestand am Steinhäuserwühlsee auf „mehr als 100 Tiere“. Gänsekot könne ebenso wie die Fischfütterung durch Angler zu einer unerwünschten Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) führen. Marschlich sieht Handlungsbedarf: „Wir dürfen nicht zuschauen, bis es zu spät ist.“ Dennoch seien in den vergangenen vier Jahren, auf die sich die EU bezieht, die Messwerte stets in Ordnung und der See sei nie gesperrt gewesen. Der Strandbetreiber hält das EU-Urteil, das auf alten Daten basiert, für irreführend, weil es Badegäste verunsichere. Ein LfU-Sprecher räumt ein: „Die Einstufung spiegelt nicht die aktuelle Situation wider.“
Und wie ist die aktuelle Qualität des Wassers im Bonnetweiher?
„Sehr gut“, sagt das LfU. Die Messwerte vom Mai lägen bei den Fäkalbakterien unter 15 KBE/100 ml. Auch „hinsichtlich der chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit“ des Seewassers hegt die Behörde keine Bedenken. Die Sichttiefe habe zuletzt mehr als zwei Meter betragen, ein erhöhter Gehalt an Algen sei nicht festzustellen. Das Baden im See sei uneingeschränkt möglich. Eine Einschätzung, die das städtische Umweltamt teilt: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen der Stadt Speyer weder vom Gesundheitsamt noch vom LfU Daten vor, die ein Einschreiten erforderlich machen würden.“
Spielen ältere Verschmutzungen noch eine Rolle?
Bis zum Beginn der Grundwassersanierung 2016 wies der Steinhäuserwühlsee zum Teil hohe Belastungen mit krebserregendem Vinylchlorid (VC) auf, das mit dem Grundwasserstrom vom früheren Siemens-Gelände im Industriegebiet West in den See gelangte. Zeitweise galt ein Badeverbot. Seither jedoch bewegt sich der VC-Wert unterhalb der Bestimmungsgrenze. Der Bau der Kanalisation ab dem Jahr 2011 hat die Belastung des Seewassers mit Fäkalbakterien stark verringert.
Im Netz
Daten zur Wasserqualität aller rheinland-pfälzischen Badegewässer finden sich unter www.badeseen.rlp.de
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