Speyer Badeverbot im Steinhäuserwühlsee

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Große Unsicherheit herrscht derzeit rund um den Steinhäuserwühlsee. Seit voriger Woche gilt ein Badeverbot, weil die Belastung des Badegewässers mit möglicherweise krebserregend wirkendem Vinylchlorid erhöht ist. Wie lange gilt es, wird alles noch schlimmer oder ist es nur ein Sturm im Wasserglas? Es wird viel spekuliert.

„Frühestens heute Nachmittag, vielleicht auch erst morgen“ rechnet die Stadtverwaltung mit neuen Messwerten, wie ihr Sprecher Matthias Nowack auf Anfrage sagt. Seit Dienstag gilt das Badeverbot, weil in den oberflächennahen Schichten die Vinylchlorid-Belastung mit 1,8 Mikrogramm pro Liter den von den Behörden festgelegten „Vorsorgewert für Badende“ von 1,5 überschritten hatte. Am Donnerstag wurde erneut gemessen. „Schwer zu sagen, was weiter passiert“, sagt Nowack. Ein Betretungsverbot für den Uferbereich, über das in Speyer schon spekuliert wird, erwartet er jedoch nicht. Für Wolf Bonnet wären weitergehende Vorsichtsmaßnahmen völlig unverständlich: „Ich halte das Baden im See für unbedenklich“, sagt der 75-jährige Teileigentümer. Seit sieben Jahrzehnten ist das Ufer des vor zwei Jahren fertig ausgebaggerten Sees in Familienbesitz, seinen Bruder sowie zwei weitere Privateigentümer gibt es laut Wolf Bonnet darüber hinaus. Sie betreiben Bade- und Campingplätze sowie einen öffentlichen Badestrand, für sie spielen Natur- und Wasserqualität auch eine wirtschaftliche Rolle. Lange habe die 1998 bekannt gewordene Belastung, die von einem Grundwasserschaden herrührt (siehe „Zur Sache“), niemanden gestört. In diesem Jahr ist die Verunsicherung nach Medienberichten allerdings groß. „Manche fragen kritisch nach, andere sagen, es mache ihnen nix aus“, so Bonnet. Er habe mit ungefähr 200 Pächtern zu tun. Die Plätze würden jeweils für zwölf Monate verpachtet und seien sehr gefragt. Momentan deute nichts auf vermehrte Kündigungen hin, „aber das wird sich im nächsten Jahr zeigen – je nach dem, wie sich die Werte entwickeln“, so der Eigentümer. Er hat eine Erklärung für die aktuelle Erhöhung: Der hohe Rheinpegel sorge für vermehrtes Druckwasser. Das verändere die Strömungsverhältnisse. „Der Wasserstand hier war drei Wochen lang um 50 Zentimeter höher als sonst.“ Aus Bonnets Sicht ist der Vorsorgewert mit 1,5 Mikrogramm pro Liter tief angesetzt. Weit höhere Werte seien einst zur Auestraße hin gemessen worden, wo Einschränkungen für Kleingärtner gelten. Bonnet setzt voll und ganz auf Normalisierung: „Das wird in ein, zwei Jahren nicht mehr interessant sein.“ Er hält sich aber wie andere Anrainer auch offen, vom Verursacher Regress zu fordern, falls er Schaden erleidet. Die Stadt geht laut Pressesprecher Nowack davon aus, „dass es bei den Messwerten weiter Schwankungen geben wird“. Zumindest für die am Steinhäuserwühlsee sowie dem damit verbundenen Wammsee stark vertretenen Angler gebe es bislang Entwarnung: „Es liegt eine fachliche Stellungnahme vor, nach der sich der Schadstoff in den Fischen nicht anreichert.“ Der Wammsee sei nicht als Badegewässer ausgewiesen, daher gelte dort auch kein Badeverbot. Die Vinylchlorid-Werte seien in ihm „deutlich niedriger“, es werde nun aber auch dort öfter kontrolliert. Kritik gibt es an der Informationspolitik zum Badeverbot: „Wir haben Befürchtungen, aber man erfährt ja nichts Offizielles“, sagt eine Frau, die einen Platz am Wammsee gepachtet hat. Vom Steinhäuserwühlsee hat sich eine Camperin besorgt bei der RHEINPFALZ gemeldet: „Es sind nur Gerüchte im Umlauf. Bei uns am Campingplatz habe ich keinen Aushang gefunden.“ Nowack erwähnt Schilder vor allem im Bereich des Badestrandes. „Wir können ja nicht das ganze Ufer tapezieren.“

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