Fragen und Antworten
Was steckt hinter dem Wachstum der Stadtverwaltung?
Wie hat sich der Mitarbeiterstand der Stadtverwaltung Speyer in den vergangenen Jahren entwickelt?
Diese Frage sei gar nicht so einfach zu beantworten, so eine Sprecherin der Verwaltung. Die Auswertung benötigte eine gewisse Zeit, dann berichtete die Behörde von einem Wachstum von 1134 Mitarbeitern im Jahr 2019 auf 1208 im Jahr 2025. Das beziehe sich auf die Anzahl an Köpfen und berücksichtige nicht, ob Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit tätig sind. Umgerechnet auf sogenannte Vollzeitäquivalente (VZÄ) gab es demnach in dieser Zeit einen Zuwachs von 965 auf 1022. Die Stadt spricht von einem „deutlichen Personalzuwachs“, der aber nicht linear verlaufe und durch „Sondereffekte sowie strukturelle Veränderungen“ beeinflusst werde. Das zeigt sich schon bei den VZÄ, die nach den Zahlen der Stadt die stärksten Zuwächse 2020 und 2021 erfuhren (auf 1166 und 1196). Danach schwankten die Werte über 1041, 925 und 979 und erreichten 1022 im vergangenen Jahr. Für 2026 sind knapp 20 weitere Stellen eingeplant worden.
Welches sind die Ursachen dafür?
Zum Höchstwert im Jahr 2021 könnte die Corona-Krise beigetragen haben, als die Stadt nach eigenen Angaben zusätzlich zwölf Personen für ihr Impfzentrum einstellte. Eine größere Rolle für den Zuwachs über die Jahre spielten jedoch zusätzliche oder veränderte Aufgabenbereiche. Als Beispiele werden genannt, dass zuvor freiberuflich tätige Musiklehrkräfte zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wurden (plus 14 Stellen), dass die zuvor rein ehrenamtlich strukturierte Feuerwehr über mehrere Jahre hinweg durch hauptamtliche Kräfte ergänzt wurde (plus 45) oder dass mit der Landeserstaufnahmeeinrichtung auch der Bedarf an städtischen Mitarbeitern stieg (plus 12). Außerdem sei die Kinderbetreuung ausgebaut worden mit der neuen Kita Seekätzchen und der erweiterten Kita Regenbogen. „Neben dem pädagogischen Personal entstanden hier zusätzliche Bedarfe in der Gebäudewirtschaft, beispielsweise für Hausmeister- und Reinigungskräfte“, erklärt die Stadt. Die Verwaltung hat zudem auf politischen Beschluss freiwillig die Überwachung des fließenden Verkehrs mit entsprechendem Personalbedarf übernommen. Zudem habe sie die neuen Bereiche Betriebliches Gesundheitsmanagement und Innere Organisation ausgebaut sowie früher extern vergebene Dienstleistungen unter anderem in der Gebäudewirtschaft und -reinigung zurückgeholt. Deutlich gewachsen sei der Bereich EDV und Schul-IT mit 23 neuen Stellen und die Digitale Verwaltung (plus 7).
Welche unterschiedlichen Kenngrößen gibt es?
Neben den Vollzeitäquivalenten und der Mitarbeiteranzahl gibt es noch die im Stellenplan – einem Teil des jährlichen Haushaltsplans der Stadt – vorgesehenen Stellen. Diese haben sich von 895,42 im Jahr 2019 auf 1094,54 (2025) erhöhlt. Dabei handle es sich nur um die „dauerhaft vorgesehen Stellen“, erklärt die Verwaltung. Die Zahlen der Buchhaltung, auf deren Grundlage etwa die VZÄ ausgewiesen würden, stellten hingegen die tatsäche Anzahl an Mitarbeitern dar, wozu auch Aushilfen sowie geringfügig oder befristet Beschäftigte gehörten. Um das Zahlenspiel abzurunden, können auch noch die Personal- und Versorgungskosten verglichen werden, bei denen neben der Beschäftigtenanzahl auch jährliche Tariferhöhungen eine Rolle spielen. Sie sind laut Haushaltsplan von 54,9 Millionen Euro (Ergebnis 2019) auf 88 Millionen Euro (Plan 2026) gestiegen. Ein vergleichsweise geringer ausgewiesener Wert für 2025 hatte mit einem Berechnungsfehler zu tun gehabt.
Hat die Stadt Speyer auch das Problem der Ludwigshafener Verwaltung mit hunderten unbesetzter Stellen?
Auch in der Nachbarstadt gilt: Es wird mit unterschiedlichen Summen argumentiert. Bei einer Bestandsaufnahme, die kürzlich Schlagzeilen machte, war zunächst von rund 1000 unbesetzten bei gut 3700 Stellen die Rede, später von 500. Zur Begründung wurde unter anderem der Fachkräftemangel herangezogen. In Speyer sieht das anders aus: Die Stadtverwaltung hat derzeit nach eigenen Angaben „nahezu alle der 1113 Planstellen besetzt“. Zum letzten Stichtag 30. Juni 2025 habe es 62 unbesetzte Stellen gegeben, davon aber 24, die erst kurz zuvor zur Ausschreibung freigegeben worden seien. „Ein weiterer Teil der rechnerisch unbesetzten Stellen ergibt sich daraus, dass Mitarbeitende ihre regelmäßige Arbeitszeit aus persönlichen Gründen reduziert haben, beispielsweise zur Kinderbetreuung oder zur Pflege von Angehörigen“, so die Sprecherin. Auf diese Konstellation entfielen rund 15 der 62 unbesetzten Stellen. Auch die in den vergangenen Jahren gestiegene Personalfluktuation sorge für Übergangszeiten, in denen jemand fehle. Insgesamt gebe es derzeit aber keine Stellen, die trotz mehrfacher Ausschreibung nicht besetzt werden könnten.
Hat die Verwaltung ein Problem mit vielen Krankheitstagen?
Der Durchschnitt liegt über den für alle Arbeitnehmer in Deutschland, der vom Statistischen Bundesamt für 2024 mit 14,8 angegeben wird (wobei Krankenkassen zum Teil auch höhere Werte für ihre Mitglieder angeben). Die Stadt Speyer weist in den meisten Jahren um die 25 krankheitsbedingte Pro-Kopf-Fehltage aus (2020: 24,98; 2021: 25,06; 2022: 32,71; 2023: 25,97; 2024: 25,29; 2025: 25,91). Das sei auf Kalendertage bezogen, nicht nur auf Arbeitstage, so eine Sprecherin. Im Jahr des erhöhten Werts 2022 ist bundesweit die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingeführt worden. Der Landesrechnungshof hatte in seiner letzten Prüfung der Stadt Speyer auf einen hohen Krankenstand im Bereich Stadtgrün hingewiesen (49 Tage).