Speyer
Vermisste Brücke: Wie geht es weiter mit dem Schipka-Pass?
Die Emotionen kochten hoch in den sozialen Netzwerken. „Was ist denn nun mit dem Schipka-Pass?“, postete ein Speyerer unlängst auf Facebook, nebst Foto eines zugewucherten und verwilderten Aufgangs. Woraufhin sich eine rege Diskussion über den Zustand der zwar funktionslosen, aber unschönen Rampen entspann – und darüber, ob das wahlweise „hässliche Teil“ oder „gute Stück“ jemals wiederkehren wird an seinen angestammten Ort als Verbindung zwischen Burgstraße und Bahnhofstraße.
Über die Ästhetik der auch als Schipka-Pass bekannten Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1890 mag es verschiedene Auffassungen geben, die Bedeutung für Fußgänger und Radfahrer als Übergang über die Gleise war enorm. Zwar existieren in einigen Hundert Metern Entfernung mit der Schneckennudelbrücke am Hauptbahnhof und der Brücke in der Oberen Langgasse nördlich wie südlich weitere Querungen der Bahnanlagen. Doch für die Bewohner der im Westen angrenzenden Straßen und für viele Schulkinder war der Viadukt eine bequeme Möglichkeit, sicher zum Bahnhof zu gelangen.
Stahlkonstruktion nicht mehr tragfest
Diese Sicherheit aber war nicht mehr gewährleistet, nachdem immer größere Schäden an der rund 15 Tonnen schweren Konstruktion entdeckt worden waren. Die Stadt entschloss sich daher, den Viadukt zu zerlegen, abzubauen, an anderer Stelle zu sanieren und dann wieder an den alten Standort zurückzubefördern. Im März 2021 war es soweit. Aber aus den anfangs angedachten wenigen Wochen wurden Monate, weil beständig mehr Bauteile ihren bedenklichen Zustand offenbarten und hätten ausgetauscht werden müssen. Die Kosten für die Instandsetzung der vom Denkmalschutz als „Kulturdenkmal von hohem ingenieurbaugeschichtlichen und städtebaulichen Stellenwert“ eingestuften Brücke schätzte man nach eingehender Untersuchung auf 3,5 Millionen Euro.
Neuere Zahlen gibt es noch nicht, die würden voraussichtlich erst in der ersten Jahreshälfte 2023 vorliegen, so die Stadt. Was ein Ersatzbauwerk kosten würde, sei ebenfalls noch nicht geklärt – auch wenn ein solches womöglich wirtschaftlicher wäre. „Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit ist aufgrund des denkmalgeschützten Bauwerkes nicht in herkömmlicher Weise zu beantworten und stellt einen Sonderfall dar“, lässt die Verwaltung dazu verlauten. In früheren Debatten städtischer Gremien war angeklungen, dass man sich damit anfreunden könnte, die betagte Brücke – trotz der Einwände von Denkmalschutz und Bürgern – durch einen Neubau zu ersetzen.
Stadt plant weiter mit Erhalt des Bauwerks
„Eine Vorentscheidung ist bisher noch nicht gefallen“, so die Stadt. Man arbeite vielmehr weiter an einem Konzept für eine Instandsetzung, weil es noch immer Ziel sei, die Brücke zu erhalten. Auch darüber wolle man in der ersten Jahreshälfte informieren. Zugleich weist die Stadt darauf hin, dass alles etwas schneller gehen könnte, wenn nicht der Fachkräftemangel der Verwaltung „schwer zu schaffen“ machen würde. Gerade im Bereich des Ingenieurwesens seien derzeit „mehrere Stellen vakant, was das Vorantreiben einiger Projekte massiv erschwert“.
Derweil lagert der Viadukt auf einem Gelände an der Heinkelstraße und rostet vor sich hin. Zumindest, was die verwilderten Aufgänge angeht, hält die Verwaltung eine tröstende Nachricht bereit. Die würden „über die Wintermonate wieder freigeschnitten“.