Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Schipka-Pass: 15 Tonnen wirken federleicht am Kran

Herausgehoben: Einsatz in der Nacht auf Mittwoch mit viel Technik und Personal.
Herausgehoben: Einsatz in der Nacht auf Mittwoch mit viel Technik und Personal.

Der Schipka-Pass, der die Burgstraße mit der Bahnhofstraße verbindet, ist altersbedingt massiv mitgenommen. Die Fußgängerbrücke aus dem Jahr 1890 wird nun erneuert. Zuvor musste sie abgebaut werden: Am Mittwoch schwebte ihr letztes Einzelteil auf die Ladefläche eines Transporters und wurde zum Sanierungspunkt gebracht.

„Es ist alles sehr gut gelaufen. Die erste Hälfte der Brücke ist am vorgesehenen Lagerort“, konnte Florian Benner von der städtischen Tiefbauabteilung am Mittwochvormittag vermelden. Um 21 Uhr am Vorabend hatten sich Mitarbeiter einer Plankstadter Fachfirma vor Ort eingefunden. Nach einer letzten Einweisung ging’s an die Praxis. Um 22.30 Uhr hing das erste Teil in der Luft. Die Vorarbeiten waren bereits am Dienstagmittag gelaufen.

„Der Kran musste aufgebaut und mit Gegengewichten versehen werden, damit er der Belastung standhält“, so Benner. Orangefarbene Tragegurte wurden am Viadukt befestigt, grüne Traversen wurden angebracht. „Das ist alles nicht schwierig, aber es braucht eben seine Zeit“, erklärte Benner, weshalb die Vorbereitungen weit vor dem eigentlichen Einsatz beginnen mussten.

Motorisierter Geleitschutz

Sieben Begleit-Lkw für Material hatten ebenfalls Position auf dem an die Gleise angrenzenden Gelände an der Burgstraße bezogen. „Im Optimalfall geht es schnell“, erwartete Florian Benner wenige Stunden vor der nächtlichen Aktion im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Hoffnung sei nicht unberechtigt, denn mit dem ausführenden Unternehmen hatte die Stadt Fachkenntnis bezüglich Kranarbeiten und Schwerlasttransporte eingekauft, betonte er.

Allzu oft komme es nicht vor, dass eine komplette Brücke zur Sanierung abgebaut wird, so der Ingenieur. „Die Schneckennudel haben wir vor Ort bearbeitet“, erinnerte er an die Aufwertung des zweiten Gleisübergangs in unmittelbarer Nachbarschaft. Dieser aber ist komplett aus Beton – und das ist der wesentliche Unterschied zum Schipka-Pass.

„Wenn wir die Arbeiten hier vor Ort hätten umsetzen wollen, hätten wir die Brücke so einpacken müssen, dass bei der Bearbeitung der Oberfläche nichts in die Umwelt gelangt“, betonte Benner. Gefährlich sei das Material zwar nicht, dennoch sollen die Partikel nicht beim Arbeiten verwirbelt werden. Die Teile werden deshalb in die Heinkelstraße im Speyerer Süden gefahren. „Dort wird ein Zelt um die Brückenteile aufgebaut und eine Schwarz-Weiß-Anlage zur Dekontamination installiert“, kündigte der Tiefbau-Spezialist an. Diejenigen, die die Sanierung vollziehen, werden in kompletter Schutzmontur arbeiten.

Kompromiss mit den Nieten

Rund 60 Meter lang ist der Schipka-Pass, der auch „Viadukt“ genannt wird. „Das längste Teil ist 24 Meter“, so Benner. Mit den fast 15 Tonnen schwebte es dennoch scheinbar federleicht am Kran. Mittels Tieflader und Polizeieskorte wurden die Brückenelemente über die Iggelheimer Straße, die B9 und die B39 in die Heinkelstraße gebracht. Dort steht morgen nochmals ein Gespräch mit dem Prüfstatiker und dem Denkmalschutz an. „Die Brücke soll erhalten werden, wie sie ist. Aber es gibt einiges, was ersetzt werden muss“, gab Benner zu bedenken. Allen voran müsse ein Kompromiss für den Umgang mit den Nieten gefunden werden, die bis jetzt die Brückenteile verbunden haben. Das Ensemble ist denkmalgeschützt. Es ist älter als die Bahnbrücken in der Oberen Langgasse (1939) und die „Schneckennudel“ von 1981.

An der Technik des Übergangs ist laut Benner bisweilen nichts Größeres zu beachten. „Wir machen einen neuen Handlauf mit integrierter Beleuchtung“, erläuterte er. Die alten Lampen am Schipka-Pass sollen dafür weichen. Bis die Sanierung der Einzelteile beginnt, werden aller Voraussicht nach noch zwei, drei Wochen ins Land ziehen. Bis Ende September wird der Anblick des 130 Jahre alten Übergangs fehlen. Dann soll er wieder einschweben.

Vorbereitung: Schweißarbeiten an der historischen Brücke.
Vorbereitung: Schweißarbeiten an der historischen Brücke.
Schwebebalken: Der Abtransport beginnt.
Schwebebalken: Der Abtransport beginnt.
Tagsüber: vorbereitete Arbeitsspur von der Bahnhofstraße aus.
Tagsüber: vorbereitete Arbeitsspur von der Bahnhofstraße aus.
Schweres Gerät: Kräne warten auf den nächsten Einsatz.
Schweres Gerät: Kräne warten auf den nächsten Einsatz.
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