Speyer
Städtepartnerschaften: Wichtige Freundschaften in schwierigen Zeiten
Der traditionelle Neujahrsempfang für die Freunde der Speyerer Städtepartnerschaften stand ganz im Zeichen des Dankes an jene Ehrenamtlichen, die mit großem persönlichem Engagement den Austausch mit den Partnerstädten lebendig halten. In Anwesenheit der kompletten Stadtspitze und kurz vor der anstehenden Landtagswahl zeigten auch zahlreiche Repräsentanten aus den im Stadtrat vertretenen politischen Parteien Flagge für Europa und die internationale Partnerschaftsarbeit.
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und die für die Partnerschaften zuständige Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) würdigten in ihren Redebeiträgen das große Engagement und die ausdauernde Arbeit in den Freundeskreisen – getragen von Neugier, Beharrlichkeit und dem festen Glauben an die Verständigung über Grenzen hinweg. „Städtepartnerschaften sind kein Beiwerk kommunaler Arbeit, sondern Haltung und bewusste Entscheidung für Demokratie, Toleranz, internationalen Austausch und den Frieden“, so die Oberbürgermeisterin. Sie betonte damit die politische Dimension der Partnerschaftsarbeit und bezeichnete sich selbst mehrfach als „Kind Europas“.
Federführend gestaltet wurde der Empfang von den Freundeskreisen Chartres und Kursk. Musikalisch setzte Josefina Witzke aus der Musikschule der Stadt Speyer Akzente am Flügel und mit ihrem Gesang. Der Abend stand spürbar im Zeichen einer Weltlage, die viele Gewissheiten erschüttert. Kriege, politische Spannungen und ein schwindender Glaube an demokratische Stabilität prägen die Nachrichten. Gerade vor diesem Hintergrund wurde in den Redebeiträgen immer wieder betont, wie wichtig persönliche Begegnungen, kultureller Austausch und zivilgesellschaftliche Kontakte – über alle Grenzen hinweg – bleiben.
Das Beispiel der russischen Partnerstadt Kursk zeigt, was Partnerschaftsarbeit kann, wenn offizielle Begegnungen und Austauschprogramme nicht mehr möglich sind. Für die Kursk-Freunde gilt auch weiterhin, die vorhandenen Gesprächskanäle offenzuhalten und den kulturellen Austausch zu pflegen. In einem emotionalen Redebeitrag sprach sich Elena Rausch, Vorsitzende des Freundeskreises Kursk – sie ist in Kursk aufgewachsen und lebt seit 19 Jahren in Deutschland –, für die Fortführung der fast vier Jahrzehnte existierenden Kontakte nach Kursk aus. Man müsse auf die Mittel setzen, die verfügbar sind: per Telefon, Messenger-Dienst oder auch per Video-Call.
Heike Rünzler, Vorsitzende des Freundeskreises Chartres, warb für eine Verjüngung der etablierten Austauschformate und will die Partnerschaften auch innerhalb der Stadtgesellschaft aufgewertet wissen. Denn Städtepartnerschaften schafften Räume, in denen Menschen einander nicht als politische Akteure begegnen, sondern als Nachbarn, Gastgeberinnen und Freunde. Was einst als Versöhnungsprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg begann, müsse heute neu gedacht werden. Partnerschaften könnten Jugendbegegnungen, kulturelle Projekte, Schulkooperationen und gegenseitige Unterstützung ermöglichen. Sie leisteten einen Beitrag, der sich nicht in Zahlen messen lasse, wohl aber Vertrauen zwischen Menschen und den Städten schaffe. Sie seien keine nostalgische Tradition, sondern in unsicheren Zeiten als nachhaltige und dauerhafte Form internationaler Verständigung wichtiger denn je.
