Speyer
Partnerschaft Speyer-Kursk: Trotz Krisenzeiten im Gespräch bleiben
Elena Rausch ist Vorstandsmitglied des Freundeskreises Speyer-Kursk. Sie lebt seit 17 Jahren in Deutschland, aber die Situation in ihrer Heimatstadt Kursk lässt ihr keine Ruhe. Schließlich leben noch viele Familienangehörige und Freunde dort. Auch wenn es zwischen Kursk und Speyer derzeit keine offiziellen Begegnungen gibt, reist sie einmal im Jahr in die alte Heimat, um Familie und Freunde zu sehen, zuletzt im August 2024. Das geschieht mittlerweile auf Umwegen, da es keine Direktflüge nach Moskau gibt. Aber der jährliche Besuch in Kursk ist aus ihrer Sicht ein Muss.
Bemerkenswert ist für sie nach wie vor die Gastfreundschaft, mit der sie in Kursk von Freunden empfangen wird, wenn sie nach Russland reist. „Egal, wann man kommt und welche Freunde man mitbringt, auch in Zeiten des Ukraine-Krieges freut man sich dort über die Besuche aus Speyer, oft mit Tränen in den Augen“, sagt Rausch. Viele Kursker bedauern, dass es die Kontakte zwischen den Städten derzeit nicht gibt. Negative Kommentare über Deutschland oder Speyer habe sie bei keinem ihrer Besuche in den letzten Jahren vernommen. Die über Jahrzehnte gewachsenen persönlichen Kontakte werden hier wie dort schmerzlich vermisst.
Menschen sind vorsichtig geworden
Der Krieg hat Kursk längst erreicht. Häufiger Luft- und Drohnen-Alarm gehören zum Alltag der Bewohner in der russischen Partnerstadt, seit die Region an der Grenze zur Ukraine in das Kriegsgeschehen hineingezogen wurde. An einer ganzen Reihe von Häusern sind auch in Kursk zerborstene Fenster oder Einschläge zu sehen. Und die Menschen in der Partnerstadt sind vorsichtiger geworden, wenn sie auf die Straße gehen. Aber man hat sich mit der schwierigen Situation arrangiert, sagt Rausch.
Die Versorgungslage in den Supermärkten sei nach wie vor normal und der eigene Garten mit Obst- und Gemüseanbau spielt in Russland ohnehin eine gewichtige Rolle. Was man immer mehr spüre, ist ein großer Zusammenhalt in der Region. Hilfsbereitschaft und ehrenamtliches Engagement hätten an Bedeutung gewonnen. Viele Kursker hätten mit ihren Privatfahrzeugen bei der Evakuierung bedrohter Zivilisten im Grenzgebiet um Sudscha mitgeholfen, Notunterkünfte in Kursk organisiert, oder humanitäre Hilfe in Form von Lebensmittel-, Kleidungs- und Medikamentenspenden geleistet.
Nicht nur Elena Rausch, auch viele andere Mitglieder des Speyerer Freundeskreises halten an den Kontakten mit Kursk fest – telefonisch, per Videochat und per Mail – so gut es geht. Es gibt Verbindungen auf der privaten Ebene mit Familien und Freunden. Beide Freundeskreise in Kursk und in Speyer sind nach wie vor in ihren Städten aktiv und tauschen sich über das Internet aus, obwohl die Städtefreundschaft offiziell ruht. Im Speyerer Freundeskreis ist man stolz auf die zum Teil schon 35 Jahre bestehenden Beziehungen und Freundschaften mit Menschen in Kursk.
Ukraine-Krieg wird enden
Die Kursk-Freunde verstehen diese Kontakte als Beitrag zur Völkerverständigung und als Botschaft des Friedens auf einer ganz persönlichen Ebene. „So bestürzend die Situation derzeit ist, sie darf nicht dazu führen, dass die deutsch-russischen Kontakte grundsätzlich in Frage gestellt werden“, formulieren Roland Kern und Dieter Urban, ebenfalls Vorstandsmitglieder im Speyerer Freundeskreis. Gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, im Gespräch zu bleiben und die Kontakte zu halten. Schon einmal, mit der Öffnung der früheren Sowjetunion in den frühen 1990er-Jahren, nach dem Ende des Kalten Krieges, hatte die Städtefreundschaft wesentlich dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und neue Kontakte zu entwickeln. Der Ukraine-Krieg wird irgendwann zu Ende sein, und dann könnten diese Verbindungen erneut von großer Bedeutung sein. Davon sind die Mitglieder des Speyerer Freundeskreises überzeugt. Die Stadtspitze in Speyer sieht das ganz ähnlich. Eine formelle Aufkündigung der Städtepartnerschaft mit Kursk war nie im Gespräch. Erst kürzlich sind die Partnerschaftsschilder am Museumsbuckel erneuert worden.
Es ist also keine Überraschung, dass sich die Kursk-Freunde am Weihnachtsmarkt der Partnerstädte im Historischen Rathaus beteiligen. Am vierten Adventswochenende, Samstag, 21. Dezember, 11 bis 18 Uhr, planen sie eine Verkaufsausstellung mit Bildern des bekannten Kursker Malers Leonid Rudnjew im Erdgeschoss des Rathauses. Der ehemalige Professor der Kursker Universität ist in Russland eine Größe und für seine typischen, in russisch-impressionistischem Stil gehaltenen Landschaftsbilder bekannt. Der Erlös kommt dem hochbetagten Maler in Kursk und dem Speyerer Freundeskreis zugute. Bei einem Gläschen russischem Sekt werden die Kursk-Freunde von ihren derzeitigen Kontakten in die russische Partnerstadt berichten können.