Speyer
Speyerer Wald ist „keinesfalls verloren“
In diesem Monat läuft das Forsteinrichtungswerk für den Speyerer Stadtwald aus – eine Nachfolge muss her. Das Dokument legt fest, wie der Wald auf zehn Jahre zu bewirtschaften ist. Auf seiner Grundlage entstehen jährliche Wirtschaftspläne. Neben den Ergebnissen einer Inventur fließen Ziele ein, die der Waldbesitzer vorgibt, in diesem Fall die Stadt. „Es geht dann auch um Besonderheiten, die möglicherweise zu beachten sind, in Speyer etwa die Binnendünen und die FFH-Schutzgebiete“, erklärt Christopher Skala. Der Leiter des Forstamts Pfälzer Rheinauen (Bellheim) ist der Vorgesetzte des Speyerer Revierförsters, für den er nach dem Abschied von Amtsinhaber Simon Henrich nach Kaiserslautern zum 1. Oktober einen Nachfolger präsentieren will. Er kennt den Richtungsstreit um den Speyerer Wald.
Die Ziele, die für das Einrichtungswerk vorgegeben werden, hätten längst beschlossen sein sollen. Die Entscheidung im Stadtrat wurde jedoch verschoben, nachdem der städtische Entwurf auf Widerstand stieß: Fünf Fraktionen – SPD, Grüne, UfS, Freie Wähler und Linke – legten ein Alternativkonzept vor. Drei Seiten umfasst deren „Waldkonzept“, noch eine Seite mehr als das Leitbild „Speyerer Modell“ von städtischer Seite. „Es gibt auch viele Gemeinsamkeiten“, sagt Forstamtschef Skala über die beiden Papiere. Als der Gegenentwurf auf den Tisch kam, seien er und sein Team dennoch überrascht gewesen. Ihre inhaltliche Expertise stecke im städtischen Konzept, zu dem sein Amt befragt worden sei.
Waldbesitzer gibt Ziele vor
Landesforsten ist mit der fachlichen Leitung des Speyerer Reviers betraut. „Wir richten uns nach den Zielen der Waldbesitzenden“, betont Skala. Insofern sei es durchaus entscheidend, wie diese formuliert sind. Bei der Holzernte heißt es im städtischen Konzept recht allgemein, dass der sogenannte Hiebssatz unter dem errechneten Holzzuwachs liegen muss. Wenn schon Bäume entnommen werden müssen, dürfe das nur „aus Gründen der Waldentwicklung, nicht der Holzproduktion“ erfolgen. Im Gegenentwurf wird ein bestimmter Gesamtholzvorrat als Bedingung hinzugefügt, um tätig werden zu dürfen. Für alte Rotbuchen, Stiel- und Traubeneichen soll ein Einschlagsstopp verhängt werden.
Ein anderer Unterschied betrifft die Verkehrssicherung: Bevor ein Baum zur Gefahrenverhinderung fallen darf, müsste den fünf Fraktionen zufolge jeweils ein Baumkontrolleur einbezogen werden. Aus Sicht Skalas ist das nicht erforderlich, denn auch die Förster liefen die betroffenen Strecken ab und könnten selbst entscheiden. Skala will auf keinen Fall, dass sich die Fronten weiter verhärten. Er berichtet von einer Suche nach Kompromissen. Umweltdezernentin Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) wolle zudem eine Arbeitsgruppe zu dem Thema einberufen. Den Zeitplan für die nächsten Schritte kenne er noch nicht, sagt Skala.
Werterhalt steht im Gesetz
Landesforsten werde mit jedem Konzept umzugehen wissen, so der Experte. Der Werterhalt des Waldes, der gesetzlich vorgeschrieben sei, sei jedoch nicht immer garantiert. Gar nicht in den Bestand eingreifen zu dürfen, sehe er als überflüssige Beschränkung, sagt Skala. Das könnte sich etwa in Kleinstandorten auswirken, die einer besonderen Behandlung bedürften. Er wünsche sich Vertrauen und „die Möglichkeit von Handlungsoptionen“. Die fünf Fraktionen hätten es zwar nicht explizit formuliert, aber im Prinzip zielten sie auf eine sogenannte Stilllegung des gesamten Stadtwalds ab. Die Vorgabe von 350 Kubikmeter Gesamtholzvorrat pro Hektar sei auf absehbare Zeit für den Speyerer Forlenwald als größte bewirtschaftete Fläche „unter den gegebenen klimatischen und waldstrukturellen Ausgangsbedingungen utopisch“.
Der Speyerer Stadtwald sei für Landesforsten ein interessantes Betätigungsfeld, sagt Skala. „Er ist im Wandel und in kritischem Zustand, wie eigentlich überall in der Oberrheinebene.“ Aber er sei „keinesfalls verloren“. Zwar machten insbesondere Hitzeperioden im Sommer alten Kiefern außerhalb des Auwalds das Leben schwer. Andererseits biete eine reichhaltige Naturverjüngung Chancen: „Das Potenzial ist somit größer als anderswo.“ In der Queichniederung, etwa bei Bellheim und Lustadt, gebe es problematischere Standorte, sagt der Amtsleiter. Er hoffe auf einen partnerschaftlichen Einsatz für den Speyerer Wald. Dass es ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gebe und eben die unterschiedlichen Entwürfe, sehe er durchaus positiv: „Es spricht für das große Interesse der Speyerer an ihrem Wald.“

