Speyer
Kritik: Stadt geht beim Wald nicht weit genug
Wie in früheren Jahren soll es nicht mehr laufen, dafür gibt es schon lange eine Mehrheit im Stadtrat: Es sei teilweise zu viel Holz eingeschlagen worden auf den rund 1000 Hektar, über die die Stadt verfügen kann. Im „Speyerer Modell“, das als „Nachhaltigkeitsstrategie für den Stadt- und Bürgerhospitalwald“ verkauft wird, steht als Ziel etwa die „Reduzierung des Hiebssatzes auf ein Niveau kleiner des Zuwachses“. Auch zahlreiche weitere Maßnahmen sind in den neun Punkten mit 43 Unterpunkten angeführt.
Vor der Sitzung des städtischen Ausschusses für Umwelt, Forsten, Nachhaltigkeit und Klimaschutz am Donnerstag, 26. Juni (17 Uhr, Stadtratssitzungssaal), in der das Modell beraten wird, kommt nun eine neue Liste mit 19 Punkten hinzu. Fünf Ratsfraktionen haben sich in bislang einmaliger Konstellation für einen Antrag zusammengeschlossen: UfS, Freie Wähler, Linke, SPD und Grüne legen ein „Waldkonzept“ vor, das sie ebenfalls als „Nachhaltigkeitsstrategie“ betiteln.
Fraktionen unzufrieden
In der Begründung schwingt Kritik am Entwurf der städtischen Umweltabteilung mit. Deren Modell werde der Herausforderung, den Wald in all seinen Funktionen zu erhalten, „nicht gerecht“. Genannt werden die Stichworte Klima, Wasser- und Bodenschutz, Freizeit, Erholung und Bildung. Zudem sei eine ökonomische Bewirtschaftung des Forstes nicht möglich, da der Holzvorrat zu gering sei. „Der Versuch der Integration der Vorschläge der einzelnen Fraktionen war ebenfalls nicht zielführend“, so ein weiterer Grund für das Konzept, das – gemessen an den Stadtratssitzen – bei der entscheidenden Ratssitzung am Donnerstag, 3. Juli (17 Uhr) eine Mehrheit erhalten könnte.
Zum städtischen Entwurf hatte es zahlreiche „Eingaben“ der Fraktionen gegeben – zwei von der SPD, drei von der CDU, 14 von den Grünen, 20 von der UfS und eine von der Linken. Die Fraktionen waren mit dem Verlauf der vorbereitenden Sitzungen zum Teil nicht zufrieden. Die Stadtverwaltung verweist in ihrer Würdigung der Eingaben darauf, dass vieles davon schon berücksichtigt sei. Im Hinblick auf ein mehrfach gefordertes „genaueres Konzept“ betont sie, dass das im Nachhinein über das Forsteinrichtungswerk für die Jahre 2025 bis 2035 geschehe.
Darauf wollen die fünf Fraktionen nicht vertrauen. Die städtischen Formulierungen seien vielfach „zu allgemein“, weswegen nun „Konkretisierungen“ vorgeschlagen würden, erklärt auf Anfrage Rosemarie Keller-Mehlem (UfS) die Initiative. „Wir wollen auch einen stärkeren Aspekt auf den Wald als Ökosystem gelegt wissen.“ Der Waldzustand bereite den Kommunalpolitikern große Sorgen. Sie seien überzeugt, mit den konkreten Schritten in ihrem Antrag das Beste für den Walderhalt als übergeordnetes Ziel zu tun. „Der Status der Ökosystemleistung unseres Waldes darf nicht weiter verschlechtert werden, sondern soll sich kontinuierlich verbessern. Ziel ist ein naturnaher Wald mit ausreichend Vorrat an mindestens 150- bis 200-jährigen einheimischen Bäumen“, so Keller-Mehlem.
Schutz für alte Eichen
In einem Punkt wird auch eine konkrete Zahl genannt: Holzproduktion solle demnach – von wenigen Ausnahmen abgesehen – erst ab einem Gesamtholzvorrat von 350 Kubikmeter pro Hektar erlaubt sein. Für Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche ab einem Bestandsalter von 80 Jahren würde demnach ein Einschlagsstopp verhängt. Der Einsatz mechanisierter Erntesysteme würde komplett eingestellt. Die an dem Antrag beteiligten Freien Wähler gehen in einem eigenen Antrag noch weiter: Der „massiv geschädigte Speyerer Wald soll sich durch 20 Jahre ohne weitere Fällungen erholen können“, heißt es darin.
Die Stadtverwaltung, bei der die Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) den Umweltbereich verantwortet, hält sich zugute, mit ihrem „Speyerer Modell“ das Nötige zu tun, um die besonderen Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels zu stemmen und „den Wald im Interesse der nächsten Generationen nachhaltig zu behandeln“. Der städtische Auwald ist schon länger aus der regulären Bewirtschaftung genommen und soll sich durch möglichst wenige Eingriffe natürlich entwickeln können.