Speyer
Postgalerie-Podest: Vorwürfe zurückgewiesen und Kritik geerntet
„Wir weisen den Vorwurf des Überbauens entschieden zurück“, so Erwe-Sprecher Jörg Bretschneider. Die Ausführung des Podests, das als Freisitz für das künftige Lokal „Wilma Wunder“ dienen soll, sei ausführlich mit der Verwaltung abgesprochen worden. Das betreffe neben der Größe das Material und die Farben. Es sei „entsprechend der Baugenehmigung in exakter Weise errichtet“ worden. Die Maße für die gut 60 Quadratmeter große, zwölf Meter lange, an der einen Seite 5 Meter und an der anderen 5,85 Meter breite Konstruktion seien an den Hersteller der Bauteile übermittelt worden, der diese „zentimetergenau und maschinell“ gefertigt habe.
Die Stadt hingegen hat am Montag nach einer Kontrolle geurteilt, dass das Podest 20 Zentimeter zu weit in den Postplatz hineinrage und Korrekturen nötig seien. Erwe habe seinen Protest dagegen im Rathaus schon hinterlegt, betont Bretschneider. Jetzt müsse darüber gesprochen werden. Was der Galerie-Betreiber eingesteht, sind 2,5 Zentimeter über das abgesprochene Maß hinaus: Soweit habe das Podest von der denkmalgeschützten Sandstein-Fassade abgerückt werden müssen, um diese gegen mögliche Vibrationen zu schützen.
Gestaltung noch nicht fertig
Die Gestaltung der temporären Konstruktion sei noch nicht fertig, so der Postgalerie-Sprecher. Wenn es an den Mieter übergeben werde, werde dieser für den Feinschliff mit Möblierung und womöglich auch Begrünung sorgen. Diese hatten die Freien Wähler gefordert, die sich am Montag ebenso wie die Speyerer Wählergruppe kritisch zu Wort gemeldet hatten.
Am Dienstag legten FDP und CDU nach. Der Freisitz sei „opulent und in Art und Weise mehr als schändlich und dem Ort alles andere als gerecht“, so Mike Oehlmann, Fraktionschef der Liberalen, in einer Stellungnahme. Er verbindet damit Kritik an der städtischen Vorgehensweise bei der Postplatz-Neugestaltung. Seine Fraktion sehe das Vorhaben „aktuell als gescheitert an“ und verlange Aufklärung zu den „mittlerweile zahlreich eingetretenen Fehlentwicklungen“, zu denen sie auch die Unterschutzstellung des Brezelhäuschens zähle.
CDU kritisiert „Fehlgriff“
Bei der CDU sieht Stadtverbandschefin Sylvia Holzhäuser in dem Podest „nicht nur einen städtebaulichen Fehlgriff, sondern auch ein Zeichen für den erschreckenden Mangel an vorausschauender Planung und Bürgernähe in unserer Stadtverwaltung“. Es enge den öffentlichen Raum unnötig ein und gefährde die Sicherheit. Die CDU fordert Aufklärung. Ihr Landtagsmitglied Michael Wagner („mir hat es förmlich die Sprache verschlagen“) will die Position der Landesdenkmalpflege dazu abfragen. Die Stadt hat die Genehmigung für den Freisitz – eigentlich sogar in Stein – schon länger auf Basis eines städtebaulichen Vertrags mit Erwe erteilt.