Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Freisitz vor der Postgalerie: So kann es nicht bleiben

Verkehrsraum eingeschränkt: Podest vor der Postgalerie.
Verkehrsraum eingeschränkt: Podest vor der Postgalerie.

Seit wenigen Tagen ist das Podest vor der Postgalerie fertig, das als Freisitz für den neuen Gastronomiebetrieb „Wilma Wunder“ dienen soll. Es ist nicht die einzige Veränderung am Einkaufs- und Dienstleistungszentrum – aber eine, die auf Anhieb für Kritik sorgt. Die Stadt lässt auf Anfrage durchblicken, dass sie auf Veränderungen pochen wird.

Grundlage des Bauprojekts ist ein städtebaulicher Vertrag zwischen Galeriebetreiber Erwe (Frankfurt) und der Stadt: Demnach darf der Investor den Gebäudezugang vom Postplatz aus umgestalten – unter anderem mit einem erhöhten Freisitz für den gastronomischen Mieter, für den auch mehrere Fenster an der historischen Fassade verändert worden sind. Vor Kurzem hatte die Stadtverwaltung noch gelobt, dass der Betreiber ihr entgegenkomme und bis zum Beschluss über die Postplatz-Umgestaltung nur ein temporäres Podest erstelle. Nun steht dieses als Metall- und Kunststoff-Konstruktion – und die Verwaltung stimmt in den Chor der Kritiker ein.

Die Unzufriedenheit mit der Gestaltung ist nicht nur in den sozialen Netzwerken spürbar, sondern hat bereits die Politik erreicht. Dass das Podest bis an die Straße auf dem Postplatz rage, werde besonders für Rollstuhlfahrer zur Gefahr, so die Speyerer Wählergruppe in einer Pressemitteilung: „Sie sind gezwungen, auf die stark befahrene Straße auszuweichen – ein Risiko, das angesichts des regen Bus- und Lieferverkehrs in diesem Bereich nicht hinnehmbar ist.“ Vorsitzender Marc Vidmayer: „Mit diesem Podest wurde eine gefährliche Engstelle geschaffen, die den öffentlichen Raum unnötig einschränkt.“ Er fordert ein Eingreifen der Verwaltung.

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„Städtebaulich misslungen“

Auch die Freien Wähler haben sich geäußert: Die Konstruktion sei nicht nur „städtebaulich misslungen“, sondern enge auch den Postplatz zu sehr ein. Vorsitzender Claus Ableiter kritisiert die städtische Erlaubnis und fordert ein zumindest optisches Nachbessern mit Begrünung. Die Stadt hat am Montag ihre Baukontrolleure losgeschickt und Verstöße festgestellt: Die Terrasse entspreche in ihrer Ausführung nicht den genehmigten Abmessungen, informiert Pressesprecherin Janine Friedmann auf Anfrage. „Konkret ragt sie um 20 Zentimeter über die zulässige Begrenzung in den Gehbereich zum Postplatz hinaus. Zusätzlich weichen die Maße der Stufen von den genehmigten Vorgaben ab.“ Die genehmigten Maße seien jedoch verbindlich und somit Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Betreiber Erwe weist den Vorwurf zurück: Es sei gemäß der Genehmigung gebaut worden.

Das Lokal „Wilma Wunder“, das die Terrasse nutzen wird und sich früheren Angaben zufolge für 15 Jahre auf 900 Quadratmetern eingemietet hat, plant derzeit seine Eröffnung Mitte März, so ein Sprecher der Mutterkonzerns Enchilada. Eine Betriebsleitung sei schon gefunden, weitere Mitarbeiter für Küche, Service und Bar würden noch gesucht. Der Einzug war zuerst schon für 2024 angekündigt worden, verzögert sich aber wegen des noch laufenden Umbaus. Auch beim ebenfalls angekündigten Fitnessstudio im Obergeschoss – Betreiber bisher ungenannt – verzögert sich der Betriebsstart. „Die Vorbereitungen für die Übergabe laufen weiter, einige technische Themen zum Brandschutz mussten noch geklärt und vorbereitet werden“, so ein Erwe-Sprecher. Nach Übergabe der Fläche im Rohbauzustand könne der Mieter baulich tätig werden.

Auszüge stehen bevor

Ein weiterer bis dato nicht genannter Mieter werde seine Räume Anfang Februar 2025 übergeben bekommen. Im Januar will zudem die Sparkasse Vorderpfalz ihr Ausweich-Quartier in der Galerie eröffnen. Zwei neue „Baustellen“ für die Vermieter ergeben sich zum Jahresende: Dem Sprecher zufolge schließt die Bestseller Group mit Jack+ Jones sowie Vero Moda ihre Läden. „Die Mietflächen werden mit dem daneben liegenden leerstehenden Shop zusammengezogen.“

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