Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei: Betrüger drücken die richtigen Knöpfe

Aufklärungsarbeit am Altpörtel (von links): Michael Lerch, Alexander Thomas und Tanja Olf.
Aufklärungsarbeit am Altpörtel (von links): Michael Lerch, Alexander Thomas und Tanja Olf.

Telefonbetrüger haben immer wieder Erfolg. 200.000 Euro Schaden meldet die Polizei für die Vorderpfalz im Juni. Allein eine fünfstellige Summe kam in einem Speyerer Fall weg. Ermittler erklären, wie es zu so etwas kommen kann.

Es ist Auftakt der „Sommertour“, die sich die Polizeiliche Prävention für die kommenden Wochen vorgenommen hat. 15 Orte sollen bereist werden. Michael Lerch, Leiter der für die gesamte Region zuständigen Einheit des Ludwigshafener Polizeipräsidiums, steht am Mittwoch zusammen mit Tanja Olf und Alexander Thomes am Altpörtel Rede und Antwort. Die Resonanz sei gut. Man erkläre fragenden Passanten auch geduldig, wie sie zur Post kommen oder welche Folgen ihnen bei Verkehrsdelikten drohen. Die meisten Fragen drehten sich jedoch tatsächlich um die vielen Betrugsfälle.

Tagtäglich rufen Betrüger meist ältere Bürger an, geben sich fälschlicherweise als Polizisten oder Enkel aus und versuchen mit immer neuen Maschen an Geld zu kommen. Der Trick mit dem angeblichen Verwandten, der eine größere Summe braucht, wird seit Jahren praktiziert. Der falsche Polizeibeamte, der den Angerufenen rät, Geld oder Wertsachen von der Bank zu holen, um sie vermeintlich in Sicherheit zu bringen, ist ebenso eine Abwandlung davon wie der „Schockanruf“. Dabei wird behauptet, ein Verwandter habe einen Unfall gehabt und benötige dringend Geld, um als Verursacher nicht ins Gefängnis zu müssen oder als Opfer ein lebenswichtiges, neuartiges Medikament etwa aus der Schweiz erhalten zu können. Teilweise sei auch erzählt worden, die Arznei sei gegen eine Corona-Infektion erforderlich, sagt Lerch.

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„Alles gelogen“

„Alles gelogen“, warnt die Polizei. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, so die Devise des Fachbereichsleiters. Es werde viel informiert, aber offenbar noch nicht genug. Auch deshalb sei die Sommertour gestartet worden. Lerch hat Erkenntnisse, warum immer wieder Betrüger durchkommen: „Die Anrufer sind sehr geschickt.“ Sie machten den ganzen Tag nichts anderes und versuchten, „die richtigen Knöpfe zu drücken, damit ihnen die Opfer glauben“. Die Storys würden stetig verfeinert.

Es gebe aber Gemeinsamkeiten, die stutzig machen müssten, so Lerch. Auffällig sei bei den Anrufen immer die Eile: Es müsse alles ganz schnell gehen, damit die Opfer nicht genauer nachdenken könnten und vor Ort teilweise bereits wartende Komplizen das Geld abholen könnten. Deshalb häuften sich die Anrufe oft an einem Tag an bestimmten Orten. Die Polizei habe dann schon auf Lautsprecher- und auf Radio-Durchsagen gesetzt, um zu warnen.

Falle schnappt trotz Warnung zu

Auffällig sei, dass die Betroffenen in vielen Fällen durchaus Warnungen vor Telefonbetrügern vernommen hätten und letztlich doch in die Falle tappten, so der Sachbereichsleiter. Das habe auch mit der „realistischen Kulisse“ zu tun, für die Betrüger sorgten: Im Hintergrund sei dann so etwas wie Polizeifunk zu hören, oder die weinerliche Stimme des Anrufers klinge so überzeugend, dass manche alle Zweifel über Bord werfen. Eine Frau habe ihm berichtet, schon 20.000 Euro für den Enkel zugesagt zu haben und erst dann „aufgewacht“ zu sein, als auch noch Schmuck und Gold gefordert wurden. „In einem Schockmoment ist teilweise rationales Denken nicht möglich“, erklärt das Lerch.

Er und seine Kollegen geben auf der Sommertour auf allen Interessenten Broschüren mit, in denen die Tipps, misstrauisch zu sein, in allen Varianten stehen. Vieles klingt so selbstverständlich wie „Übergeben Sie niemals Geld und Wertsachen an unbekannte Personen“ – und ist es offenbar doch nicht. „Wir gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus“, sagt Lerch. Längst nicht jeder Betrugsversuch werde gemeldet, und aus Scham auch nicht jeder Vollzug. Dagegen helfe die Bitte, stets die Polizei zu verständigen, und eben viel Information, so der Hauptkommissar: „Wir wollen ansprechbar sein.“

Termine

Nächste Stationen der „Sommertour“ der Polizeilichen Prävention am Donnerstag, 21. Juli, in Waldsee vor dem Wasgau-Markt und am Donnerstag, 28. Juli, in Dudenhofen vor der Sparkasse, jeweils von 10 bis 14 Uhr.

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