Speyer
Nach Explosion: Gutachter darf nicht ins Gebäude
Von den zwei Arbeitern, die sich zum Zeitpunkt der Explosion am 25. August im ehemaligen Stoffhaus Speyer aufgehalten hatten, konnte einer das Krankenhaus wieder verlassen, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt, Hubert Ströber, auf RHEINPFALZ-Anfrage. Der zweite der beiden Männer müsse weiterhin im Krankenhaus behandelt werden. Bei dem Unglück waren vier Personen verletzt worden, drei schwer und eine leicht. Unter den Verletzten waren auch zwei Personen, die sich zum Zeitpunkt der Explosion vor dem Gebäude in der Wormser Straße aufhielten.
Das Gebäude gilt seit der Explosion als einsturzgefährdet, so war dort bereits der Keller eingestürzt. Das Technische Hilfswerk (THW) hatte das Haus zunächst provisorisch abgestützt. Ursprünglich sollte ein Gutachter in der Woche nach dem Unglück in das Haus, um Details zur Unglücksursache herauszufinden. Unter anderem muss die Frage geklärt werden, ob es sich um eine Erdgas-Explosion gehandelt hat oder ob ein anderer Stoff im Spiel war. Wie Ströber nun mitteilt, hat der hinzugezogene Statiker bislang aber keine Freigabe erteilt. Das Haus sei nach wie vor einsturzgefährdet, das Gutachten habe folglich nicht erstellt werden können. Weitere Abstützmaßnahmen seien erforderlich.
Laut Stadtsprecherin Lisa Eschenbach wartet auch noch eine Fachfirma aus Speyer auf ihren Einsatz, um mit vorherigen Aufräumarbeiten die Arbeit von Polizei und Gutachter erst zu ermöglichen. „Dies ist derzeit nicht möglich, da die Decke über dem Kellergeschoss nicht standsicher ist“, so Eschenbach. Die Standfestigkeit des Vorder- und Hintergebäudes sei nicht gefährdet. Erst am Montag, 12. September, – fast drei Wochen nach der Explosion – soll laut Ströber ein neuer Versuch vom Gutachter gestartet werden, das Gebäude zu inspizieren. Dennoch kann Ströber eine erste Aussage zur möglichen Schadenshöhe geben: „Der Schaden wird vorsichtig auf 500.000 Euro geschätzt.“ Die Summe könne aber auch höher ausfallen.
Shaoyun-Inhaber: Noch keine Infos erhalten
Das ehemalige Stoffhaus, das seit dem Jahr 2019 leersteht, wurde in diesem Jahr umfangreich renoviert. Die Stadt hatte als Eigentümerin der Immobilie für diese Arbeiten 1,8 Millionen Euro eingeplant, die von der städtischen Waisenhausstiftung getragen werden sollten. Als neuen Mieter hatte die Stadt den Kosmetikhersteller Shaoyun vorgesehen, der sein Geschäft derzeit noch im Kornmarkt betreibt und seit zwei Jahren auf der Suche nach einem größeren Standort ist. Für November war der Einzug geplant. „Wir wissen derzeit nicht, wie es weitergeht“, sagt Inhaber Daniel Laschkari. Man habe bislang noch keine weiteren Informationen erhalten. Die Existenz seines Geschäfts hänge davon ab. „Das Projekt ist noch zu retten“, sagt Lisa Eschenbach und ergänzt: „aber nicht mehr im geplanten Zeitrahmen.“ Man müsse zunächst die Ermittlungen abwarten.