Waldsee MGV Concordia: 40 Jahre Feste, Visionen, Beharrlichkeit
Wenn Reinhard Spindler (69) eine Veranstaltung für den Männergesangsverein Concordia organisiert hat, wurde nicht nur im Dorf darüber gesprochen, sondern über dessen Grenzen hinaus. Fast 40 Jahre lang prägte Spindler den Verein als Vorsitzender. Doch im April 2025 verabschiedete er sich, für ihn untypisch, sang- und klanglos.
Meisterstück mit 40 Chören
Die Liebe zum MGV Concordia liegt bei den Spindlers in der Familie. Großvater und Vater waren im Chor, der fünf Jahre ältere Bruder Stefan, der inzwischen seit mehr als 50 Jahren Dirigent des Chores ist, auch, und Reinhard wurde im Alter von 15 Jahren konsequenterweise „mitgeschleift“, wie er es ausdrückt. Das war 1971. Schon bald hat er mit angepackt, wenn es Feste zu organisieren galt, egal ob Weihnachtsfeiern, buntes Faschingstreiben oder Sommernachtsfest – „der Spindler war da“, erzählt er. „Mir hat niemand was sagen müssen, was gemacht wird, ich hab’s gesehen“. Seine berufliche Erfahrung als Elektriker kam ihm dabei ebenso zugute wie seine Kreativität und Beharrlichkeit. So verwirklichte er seine Visionen, die oft in schlaflosen Nächten entstanden. Sein Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht“.
Ein Höhepunkt seiner frühen Organisationstätigkeit war 1986 das 125-jährige Bestehen des Vereins. Als „technischer Direktor“ inszenierte er ein viertägiges Fest in der Rheinauenhalle, das bis heute als Meisterstück gilt. „Wir hatten 40 Gastchöre und 2000 Besucher“, berichtet er stolz. „Ich habe mit zwei Kilometern Verlängerungskabel 100.000 Watt Energie in die Rheinauenhalle gebracht“. Das Bühnenbild, die Silhouette von Waldsee, die heute die Wand hinter der Bühne der Sommerfesthalle ziert, ist auf seinen Entwurf hin gemacht worden. Es sei ein perfektes Fest gewesen, schwärmt er heute noch.
1996 wurde Reinhard Spindler zum Vorsitzenden des MGV Concordia gewählt. Im Jahr darauf organisierte er eine Veranstaltung zur 50-jährigen Wiedergründung des Vereins. „Das war so ein Kracher, dass ich vor mir selbst erstarrt bin“, blickt er zurück. Er räumt ein, dass Bescheidenheit nicht zu seinen Tugenden gehört. Kreativität und Durchsetzungskraft dafür umso mehr.
Es folgten mehrere Open-Air-Konzerte vor großen Kulissen, ein Kirchenkonzert, bei dem die Kirche farblich illuminiert wurde, ein Vereinsjubiläum mit extra konstruierter Konzertmuschel, außergewöhnliche Kerweveranstaltungen – immer gemäß Spindlers Motto: „Das Auge hört mit“.
In der Region war der MGV Concordia durch seine Halloween-Veranstaltungen bekannt, bei denen sich Spindler kreativ austoben konnte. Ihm war wichtig, das, was möglich ist, auch auszureizen. Er wusste, wen er fragen musste, und vor allem, dass die Helfer voll hinter ihm standen.
Doch in den vergangenen Jahren begann die Harmonie zu bröckeln. Spindler beschreibt es so: „Das Gefühl, der richtige Mann am richtigen Ort zu sein, war weg“. Seine Art zu führen – von ihm selbst als „demokratische Diktatur“ bezeichnet – stieß zunehmend auf Widerstand. Diskussionen und Einmischungen bei der Organisation von Veranstaltungen waren für ihn nicht hinnehmbar.
Konzert mit Showband
Diesen Rücktritt hat er bewusst nicht angekündigt, auch wenn der Entschluss nicht spontan war: „Wenn ich es angekündigt hätte, hätte es eh keiner ernst genommen.“ Das hatte er vor Jahren schließlich schon einige Male versucht. Er hat dem Vorstand allerdings detaillierte Aufzeichnungen hinterlassen, was bei der Vorbereitung verschiedener Veranstaltungen zu tun ist. „Und sie können mich jederzeit fragen.“ Jetzt findet er es auch ganz schön, einfach nur zum Singen zur Concordia zu kommen, denn die im Schnitt 62 Concordia-Termine pro Jahr hätten ihn als Vorstand schon beansprucht.
Ganz ohne Organisation kann er aber doch nicht: Gemeinsam mit seinem Schulfreund Helmut Schöpf vom ASV-Förderverein plant er bereits ein neues Konzert. Am Freitag, 18. April, bringen sie die Showband Barbed Wire in die Sommerfesthalle – natürlich nach Spindlers Handschrift.