Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Concordia-Open-Air: Viel Zuspruch vor besonderer Kulisse

Mit Lichteffekten untermalt: Das Concordia-Open-Air fand auf dem Parkplatz an der katholischen Kirche in Waldsee statt.
Mit Lichteffekten untermalt: Das Concordia-Open-Air fand auf dem Parkplatz an der katholischen Kirche in Waldsee statt.

Seit 50 Jahren ist Stefan Spindler Dirigent des Männergesangvereins Concordia in Waldsee. Das wurde mit einem Open-Air-Konzert am Samstagabend auf dem Parkplatz an der Altriper Straße gefeiert. Dabei wurde deutlich, dass für Spindler noch lange nicht Schluss ist.

Die Kulisse war eindrucksvoll. Die festen Mauern der katholischen Pfarrkirche St. Martin stabilisierten als Blickfang im Hintergrund die Freiluftbühne, die genug Platz für alle Mitwirkenden bot. Der zweite Fels in der Brandung – Chorleiter Stefan Spindler – kehrte dem Publikum tätigkeitsbedingt den Rücken zu.

Selbiges musste sich zunächst in Geduld üben, denn bevor die ersten Töne erklangen, musste getan werden, was zwei Männer tun mussten. Hans Hofmann, Kreischorverbandsvorsitzender der südlichen Rhein-Pfalz, und Wolf-Rüdiger Schreiweis, Präsident des Deutschen Chorverbands, ehrten Spindler für 50-jähriges Dirigententum. Worte mussten vorerst genügen, Urkunde und Nadel waren vergessen worden.

Spindler nahm es mit einem Schmunzeln und den Blumengruß der Singgruppe im Obst- und Gartenbauverein, die er bis 2016 leitete, gerne an. Er wollte nach einer halben Stunde Laudatio loslegen, das war nicht zu übersehen. Schließlich hatte er sich mächtig reingekniet, um mit den Concordianern aus 50 Jahren die besten Titel zum Konzert beizusteuern.

Großes Repertoire an Liedern

„Es war schwierig, aus der langen Zeit ein unterhaltsames Programm zusammenzustellen“, verriet sein Bruder Reinhard – Vorsitzender und Mit-Moderator – den Gästen. Gut 400 hatten auf den Klappstühlen Platz genommen. Sie durchlebten eine Reise durch fünf Musikjahrzehnte und damit durch das Concordia-Liedbuch.

Humor, Freundschaft, Liebe, Wein und Persönlichkeit steckten als Schlagworte im Repertoire. Konkret in Titeln ausgedrückt hieß das, dass der Bogen von einer munteren „Hochzeit der Frösche“ – staccatohaft-witziges Gequake inklusive – bis zum Reinhard Mey-Klassiker „Über den Wolken“ und dem unvergessenen Sinatra-Song „My way“ gespannt wurde. Letztgenannter sangen die Männer in der deutschen Version des verstorbenen Entertainers Harald Juhnke. Der Titel „So war mein Leben“ passe ebenso gut wie der englische zu seinem Wesen, warf Dirigent Spindler ein. Von einem Milleniumhit sprach sein Bruder, als der Chor zum Nabucco-Klassiker „Überall auf der Welt“ ansetzte. Der Einstieg ins monumentale Werk klappte präzise, die Melodie breitete sich über dem Publikum aus.

Grand Malör macht mit

So besonders wie das Dirigenten-Jubiläum war die Programmgestaltung an sich. Wegbegleiter und Musiker waren eingeladen, um den MGV Concordia zu ergänzen. Ein großer Moment für den Chor: das Zusammenspiel mit der Pfälzer Kultband Grand Malör bei Titeln wie „Butterfly“ oder „An Tagen wie diesen“. Spindler setzte zudem auf Bindungen, die ihn schon sein Leben lang begleiten.

Er kam bereits als Kind ins Haus des Musikerehepaars Kronibus in der tiefen Westpfalz, lernte dort Harald als begnadeten Pianisten kennen. Mit seiner Frau Ekaterina trat dieser in Waldsee auf, ein hörenswertes Doppel in Sopran und Bass-Bariton, das mit Wiener Schmäh und ungarischem Feuer überzeugte.

Die Singfrauen der TG sind Spindlers zweite Herzensangelegenheit, denn auch sie leitet er seit 1996. Schlager namhafter Frauen und Männer brachten die zum Jubiläum mit und wiederum steckte eine Botschaft darin. „Ich liebe das Leben“ (Vicky Leandros) war für Spindler wie maßgeschneidert. Schließlich krönte der Chorleiter seine Gästeliste mit dem Mainzer Hofsänger Stefan Zier. Er packte die Zuhörermenge mit starker Stimme, die durch Christoph Claus am Klavier eine perfekte Basis erhielt. Ohnehin bewies Claus als Klavierbegleiter des Abends die Händchen für den passenden Tastenschlag zur richtigen Zeit.

Bilder Spindlers auf Großleinwand untermalten das Konzert optisch und zeigten die Entwicklung eines Mannes, der sich die außergewöhnliche Hommage im 50. Jahr seines Engagements redlich verdient hatte.

x