Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Halsbandsittiche: Warum sich der Paradiesvogel in Speyer wohlfühlt

Schräger Vogel: Unter den grünen Halsbandsittichen in Speyer befindet sich auch mindestens einer, der immerzu blau ist.
Schräger Vogel: Unter den grünen Halsbandsittichen in Speyer befindet sich auch mindestens einer, der immerzu blau ist.

Die Population von Halsbandsittichen in der Stadt und auch im Umland wird immer größer. Bedroht die zugewanderte Papageienart mittlerweile den Bestand heimischer Vögel? Ornithologen haben dazu eine klare Meinung.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Halsbandsittichs ist Afrika südlich der Sahara und Asien. Die in Europa inzwischen wildlebenden Vertreter der auch nach Alexander dem Großen als „Kleiner Alexandersittich“ bezeichneten Art stammen nach gegenwärtigem Forschungsstand aus Nordindien. In Deutschland sind Halsbandsittiche in größerer Anzahl erstmals 1969 in Köln aufgetaucht, bald darauf auch in anderen Städten am Rhein, darunter Ludwigshafen. Wie viele davon ihre Besitzer ausgesetzt haben und wie viele von selbst entkommen sind, ist unklar. In der Pfalz haben sie sich stark ausgebreitet.

Bei der Wintervogelzählung des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) hat es der Papagei im Januar in Speyer mit 63 Nennungen sogar unter die häufigsten Vögel in Gärten und Parks der Stadt gebracht. Die allermeisten der lautstark kreischenden Vögel, die in „freier Wildbahn“ leben, sind zwar grün, aber eben nicht alle.

Gezüchtet werden Halsbandsittiche außer in Grün auch in den Farben Blau, Gelb, Grau und Weiß. Der Speyerer Lothar Hensel hat an einer Futterstelle auf dem städtischen Friedhof einen einzelnen blauen Halsbandsittich erspäht. Am Samstag, 17. Februar, sei „der Blaue“ angeflogen gekommen und habe sich am Futter bedient. Davor habe er einen so ungewöhnlich gefiederten Vertreter der Speyerer Halsbandsittiche erst ein Mal beobachtet, sagt Hensel: „Das war im vergangenen Jahr, als er mit einem halben Dutzend normaler Grüner über meinen Kopf hinweg flog.“

Ein Blauer unter vielen Grünen

„Der Blaue hat einen grünen Partner oder eine grüne Partnerin“, hat Hensel bemerkt. Da keiner der beiden Sittiche das für Männchen charakteristische schwarz-rote Halsband trage, sei die Geschlechterverteilung unklar. Zumal diese Gefiederfärbung bei den Männchen erst nach zwei bis drei Jahren voll ausgeprägt sei.

Jakob Bonifart, 15-jähriger Schüler und bereits einer der besten Kenner der hiesigen Vogelwelt, hat ebenfalls schon mal einen einzelnen blauen Halsbandsittich in der Stadt gesehen. „Das war vor Corona im Domgarten. Ich denke, dass derart gefärbte Halsbandsittiche aus der Haltung eines Züchters entkommen sind“, sagt er.

Rund 300 Halsbandsittiche in der Stadt

Bonifart schätzt die Anzahl der wildlebenden Papageien in der Stadt auf mindestens 300. „Ich kenne drei Schlafplätze der Halsbandsittiche: den Friedhof, den benachbarten Bereich von Drogeriemarkt und Autohaus Neubeck sowie das Bahnhofsgebiet“, zählt der Jugendliche auf. Die geselligen Vögel ziehen tagsüber in kleineren Gruppen auf Nahrungssuche umher. Als Vegetarier fressen sie vor allem Pflanzensamen und Früchte. Um die Größe der Population zu bestimmen, muss man die Halsbandsittiche an ihren Schlafplätzen zählen, „dort kommen sie in größeren Gruppen zusammen“, weiß Bonifart.

Thomas Dolich, in Hanhofen aufgewachsener Vogelexperte bei der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor), kennt die bevorzugten Brutstätten der Halsbandsittiche. „Sie beziehen große Baumhöhlen, die sie teilweise noch selbst ausbauen“, sagt er. „Vormieter“ beziehungsweise „Vorbesitzer“ dieser Höhlen sind andere große Vögel wie Spechte oder Eulen.

Gefahr für heimische Vogelwelt?

In den vergangenen Jahren haben sich die Halsbandsittiche von den Städten aufs Umland ausgebreitet“, hat Dolich festgestellt. „Sie brüten in hohen Pappeln im Bereich der Harthausener Ganerb. Auch in Otterstadt habe ich schon öfter Halsbandsittiche gesehen – und seit einigen Jahren kommen sie regelmäßig an mein Vogelfutterhaus in meinem Garten in Neuhofen“, erklärt der Fachmann.

Sind die Papageien eine Gefahr für die heimische Tierwelt? „Nein“, meint Dolich: „Bisher haben wir nicht beobachtet, dass Halsbandsittiche anderen Arten in wesentlichem Umfang Bruthöhlen wegnehmen. Und für die Einfluglöcher unserer Nistkästen im Hanhofener Wald sind sie zu groß.“ Mögliche Schäden an Obstkulturen hält er bisher für eher gering. Im Zweifelsfall könne der Einsatz eines Vogelschutznetzes helfen.

Stellt sich die Frage, ob Albrecht Dürer an die Vorliebe der Papageien für Äpfel dachte, als er anno 1504 einen Halsbandsittich in seinem Gemälde „Sündenfall“ neben Adam und Eva quasi als Paradiesvogel darstellte.

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