Ludwigshafen
Halsbandsittiche sind in vielen Teilen der Pfalz unterwegs
In Deutschland wurden die ersten in Freiheit lebenden Halsbandsittiche in Köln gesichtet. Von dort aus breiteten sich die Tiere in den vergangenen sechs Jahrzehnten rasant aus. Klaus Eisele vom ornithologischen Arbeitskreis der Volkshochschule Ludwigshafen erzählt, dass einige der Vögel aus einer privaten Zucht in Wiesbaden entwischten und sich von dort aus munter vermehrten.
Ein paar Zahlen zur Verbreitung gibt es: 2019 wurden in Ludwigshafen 3750, in Speyer 486 und in Worms 1218 Halsbandsittiche gezählt, sagt Detlef Franz , Mainzer Experte für die Vogelart. „Eingeschlossen von Bergketten bietet die oberrheinische Tiefebene der Papageienart einen guten Lebensraum“, so Franz. Normalerweise siedelten sich die Sittiche nicht so weit nördlich an, aber die geografischen Gegebenheiten schafften hier eine Ausnahme. In der Pfalz sei es wärmer als im Rest des Landes, und der Frühling komme früher: „Darauf sind die Halsbandsittiche angewiesen, denn sie brüten schon ab März.“
Gutes Futterangebot in den Städten
Am wohlsten fühlen sich die Halsbandsittiche in Städten, da sind sich die beiden Fachleute einig. Die Vögel nisten in Gärten, Parkanlagen und Friedhöfen mit altem Baumbestand. Unterwegs sind sie immer in Schwärmen. „Das dient ihrem Schutz“, sagt Eisele, der die Sittiche seit Jahren in Ludwigshafen beobachtet. Seiner Erfahrung nach bieten die Städte den Exoten reichlich Futter: Blüten, Knospen, Früchte und Körner. Nur Jungvögel bekommen Insekten.
Dass sich die Tiere auch im Pfälzerwald verbreiten könnten, hält Eisele für relativ unwahrscheinlich. „Die Wälder haben kein so breites Nahrungsangebot wie städtische Parks“, so Eisele. Außerdem sei es in Städten wärmer als im ländlichen Raum, die vielen Straßen und Gebäude speicherten die Sonnenwärme länger.
Viel Literatur zur Art
Die schlanken hellgrünen Vögel mit dem langen Schwanz und dem roten Schnabel gelten hierzulande als eine potenziell invasive Art. Damit sind Neozoen – also Tierarten, die sich erst in den letzten 500 Jahren hier angesiedelt haben – gemeint, deren Verbreitung sich negativ auf heimische Arten auswirken könnte. Detlev Franz findet, dass das für den Halsbandsittich nicht gilt. Er hält den Begriff für unpassend. „Das ist, als würde man einen Neuwagen als potenziellen Unfallwagen anpreisen“, sagt er. Entweder sei eine Art invasiv oder sie sei es nicht. Er verweist auf die große Anzahl an Literatur, die es inzwischen zu dieser Vogelart hier in Europa gibt. Im Vergleich zu anderen Vogelarten werde kein Mehraufwand bei der Beobachtung der Vögel betrieben. Und Streitigkeiten mit anderen Vogelarten gebe es auch unter heimischen Vögeln. Laut Franz besteht auch beim Nisten kein Konkurrenzkampf. Die Sittiche seien mit einer Brutzeit von März bis April früher dran als viele heimische Vogelarten. Halsbandsittiche sind wie Spechte, Dohlen, Meisen, Stare und Hohltauben Höhlenbrüter.
Schäden in Hauswänden
Für Ärger sorgt das zum Beispiel in Frankenthal. Dort nisten die Vögel auch in Hauswänden. Dabei richten die ungebetenen Gäste zuweilen erheblichen Schaden an. Schimmel, Wasserschäden oder Wärmeverlust sind die Folgen. Die Halsbandsittiche setzen hierbei aber offenbar die Arbeit von Spechten fort, die im Dämmmaterial Käfer und Würmer vermuten. Die Sittiche höhlen die Löcher dann nur noch aus.
Handwerker raten Hausbesitzern, bei Bruthöhlen in der eigenen Hauswand schnell zu handeln. Es genügt offenbar nicht, das Loch nur zu verschließen. Vor der verschlossenen Höhle müsse ein Nistkasten angebracht werden. Sonst hackten die Tiere einfach ein neues Loch in die Wand.