Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Margarete Boiselle-Vogler wird 104: Was sie vermisst

Hocherfreut bei ihrer Ehrung in Reihen der Speyerer DLRG: Margarete Boiselle-Vogler (vorne, links).
Hocherfreut bei ihrer Ehrung in Reihen der Speyerer DLRG: Margarete Boiselle-Vogler (vorne, links).

Am Freitag feiert die bekannte Speyerer Unternehmerin und langjährige Politikerin Margarete Boiselle-Vogler ihren 104. Geburtstag. Sie interessiert sich sehr für „ihre“ Stadt.

„Die vergessen mich nicht“, hat Margarete Boiselle-Vogler der RHEINPFALZ vor einem Jahr mit Verweis auf ihre vielen Vereinsmitgliedschaften in Speyer berichtet. Und auch in den Wochen und Monaten vor ihrem 104. Geburtstag hat die inzwischen zweitälteste Speyererin einiges dafür getan, dass das so bleibt. Nach wie vor ist die Seniorin an der Domstadt interessiert und – wenn sie nicht selbst vor Ort sein kann – „mit dem Kopf dabei“, wie es ihre Tochter Gabriele Boiselle ausdrückt. „Es ist ihr wichtig, mit den Leuten, die sie im Leben begleitet haben, in Verbindung zu bleiben“, betont sie. „Das ist für sie die Essenz des Lebens.“

Mit Hilfe der Tochter und im Rollstuhl ist Boiselle-Vogler trotz körperlicher Einschränkungen auch weiterhin mobil. Als die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) feierlich ihren neuen Mannschaftstransportwagen in Betrieb nahm, war die Jubilarin im Binsfeld dabei. Sie wurde gleich noch für ihre 65-jährige DLRG-Mitgliedschaft ausgezeichnet, kündigte ihre Vorfreude auf die 70-Jahre-Ehrung an und wurde von den Aktiven für ein Gruppenfoto in die Mitte genommen.

„Bei Hochzeiten und Beerdigungen“ komme ihre Mutter nach Möglichkeit ebenfalls persönlich vorbei, sagt die Tochter. Als der bekannte Speyerer Journalist Werner Hill kürzlich im Alter von 100 Jahren zu Grabe getragen wurde, erwies Boiselle-Vogler ihm auf dem Speyerer Friedhof die letzte Ehre. Verwandte in Mußbach würden Mutter und Tochter regelmäßig gemeinsam besuchen.

Freundin persönlicher Kontakte

Von 1964 bis 2014 – also noch mit über 90 – gehörte Boiselle-Vogler der SPD-Fraktion im Stadtrat an. Sie steht im Jahr der Oberbürgermeisterwahl hinter Amtsinhaberin Stefanie Seiler (SPD). Die Jüngere hatte Boiselle-Vogler einst als ihr politisches Vorbild bezeichnet. Dabei beneide die 104-Jährige ihre Nachfolger in der Verantwortung nicht, wie Tochter Gabriele Boiselle betont: „Sie ist froh, in Zeiten Politik gemacht zu haben, als noch nicht alles über Social Media lief und als die persönlichen Kontakte noch mehr zählten.“ Präsent und interessiert am direkten Austausch hatte sich die 1922 in Speyer geborene Tochter eines Landwirts und Kiesfabrikanten auch im Berufsleben stets gezeigt. Das Kieswerk Vogler führte sie bis ins hohe Alter.

Der über Jahrzehnte begeisterten Sportlerin, einst fast Olympiakandidatin in der Leichtathletik, war es ihrer Tochter zufolge stets ein Herzensanliegen, für Speyer tätig zu sein. „Sie hätte auch in die Bundespolitik gehen können, hat sich aber dagegen entschieden.“ Umso enttäuschter sei sie, nicht zur Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt ernannt worden zu sein. „Das wäre ihr mehr wert gewesen als die Willy-Brandt-Medaille und die Freiherr-vom-Stein-Plakette oder das Bundesverdienstkreuz, die sie erhalten hat“, sagt die Tochter. Es gab Initiativen, aber offenbar keine politische Mehrheit für Boiselle-Voglers Ehrenbürgerwürde. Sie sei „übergangen worden“, so der Eindruck ihrer Tochter. „Es ist das Einzige, was sie vermisst in ihrem Leben.“

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