Speyer
Politiker, Fasnachter, Journalist, Jahrhundertmann: Werner Hill verstorben
Er blicke auf ein erfülltes Leben zurück – dessen war sich Werner Hill im RHEINPFALZ-Gespräch anlässlich seines 100. Geburtstags sehr bewusst. Bis zuletzt war er geistig topfit. Umso mehr bedauerte er, dass der Körper nicht mehr so wollte. Charmant und verschmitzt erzählte er Anekdoten aus vielen Jahrzehnten an vorderster Front im Berufs- und Stadtleben. Der in Kaiserslautern geborene und in Grünstadt aufgewachsene Werner Hill war von 1952 bis 1970 als Redakteur bei der RHEINPFALZ in Speyer und Ludwigshafen tätig, danach bis 1980 als Chefredakteur der Speyerer „Tagespost“ und bis zum Ruhestand als Leiter des DPA-Büros Mannheim.
Dem Beruf, der für ihn stets auch Berufung war, blieb auch danach als Mitarbeiter der RHEINPFALZ treu. Er publizierte in weiteren Medien und war auch als Büttenredner ein Chronist des Speyerer Stadtgeschehens. Bei der Speyerer Karnevalgesellschaft (SKG) prägte er närrische Paraderollen wie die des scharfzüngigen Römers „Spirus Serpentenius“, übernahm aber auch 30 Jahre lang als Präsident Verantwortung in erster Reihe. Für seinen Berufsstand engagierte sich Hill unter anderem im Deutschen Journalistenverband, führte zeitweise dessen rheinland-pfälzische Sektion, gehörte dem Bundesvorstand an und wirkte auch als Sprecher des deutschen Presserates an bedeutender Stelle. Gedankt wurde dem längst zum echten „Schbeyermer“ gewordenen Hill etwa mit der Ehrennadel der Stadt und dem Bundesverdienstkreuz.
Politisch engagiert
Dass sich Hill auch als Stadtrat der Speyerer Wählergruppe (SWG) engagierte, sorgte für Kontroversen, von denen er auch als 100-Jähriger gerne erzählte. Längst konnte er milde lächeln über damalige Schlagzeilen wie „Herr Hill, treten Sie zurück“ in der RHEINPFALZ. Dieser war er 1970 beruflich untreu geworden und fand sich nach seinem Wechsel zurück nach Speyer zur „Tagespost“ in der heute nur schwer denkbaren Situation wieder, dass der Berichterstatter auch zum Gegenstand der Berichterstattung wurde. Der Verdacht: Er könnte sozusagen mit Insider-Informationen der Konkurrenz den Rang ablaufen. Die Doppelfunktion endete, und die hitzige Debatte verkannte, dass Hills Vernetzung weit über das Mandat hinausreichte. Der von 1949 bis 1969 amtierende Oberbürgermeister Paulus Skopp (SPD) habe ihn etwa gerne am Wochenende angerufen, um über die politische Lage und Hills kritische Zeitungskommentare zu diskutieren. „Wir haben immer fair gestritten“, erinnerte sich der 100-Jährige.
„Ich bin heute noch stolz auf Speyer“, sagte Hill, der erst mit 98 Jahren die eigene Wohnung mit dem geliebten Garten verlassen musste und ins Marthaheim gezogen ist. Um die Unterstützung seiner großen Familie mit zuletzt vier Kindern, fünf Enkeln und vier Urenkeln war er umso glücklicher, als er für diese in den bewegten 1960er- bis 1980er-Jahren nicht immer so viel Zeit hatte wie erwünscht. Am Samstag ist der gläubige Katholik Werner Hill verstorben. Wenn er am Montag, 11. Mai, 13 Uhr, auf dem Speyerer Friedhof zu Grabe getragen wird, werden sich viele Bekannte gerne an den beliebten Speyerer erinnern, der eine Ära mitgeprägt hat.
Würdigung von Verband
Würdigungen kamen unter anderem vom rheinland-pfälzischen Journalistenverband, dem er mehr als 74 Jahre angehörte. Hills Einsatz für qualitätvollen Journalismus und auch für die Kolleginnen und Kollegen blieben unvergessen, so die Gewerkschaft.
Hills Beerdigung findet am Montag, 11. Mai, 13 Uhr, auf dem Friedhof in Speyer statt.