Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mann + Hummel: Mitarbeiter-Frust nach Betriebsversammlung

Mann + Hummel-Standort: Noch wehen die Flaggen in der Brunckstraße.
Mann + Hummel-Standort: Noch wehen die Flaggen in der Brunckstraße.

Nüchtern verkündet in eilig einberufenen Treffen: Der Schock über die Schließungspläne für Mann + Hummel in Speyer sitzt in der Belegschaft tief. Es formiert sich Widerstand.

„Wir fordern die Firma Mann + Hummel auf, die Entscheidung rückgängig zu machen und mit uns eine Zukunftsvereinbarung zu verhandeln“, sagt Wladislaw Wolter. Der Politische Sekretär ist innerhalb der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal für das Speyerer Filterwerk zuständig und auch knapp eine Woche nach der Information über die geplante Standortschließung bis Ende 2028 noch entsetzt über die Vorgehensweise des Managements. Eine Betriebsversammlung am Dienstag habe das gezeigt, was schon vermutet wurde: „Die Entscheidung ist nicht aufgrund von roten Zahlen erfolgt, sondern aus reiner Profitmaximierung.“

Die Arbeitnehmerseite will mit der Ludwigsburger Geschäftsführung darüber verhandeln, welche Maßnahmen nötig wären, um das Werk mit rund 600 Mitarbeitern zu retten. Es müssten Alternativen besprochen werden. „Das könnte vieles sein, auch Investitionen, auch Abstriche“, so der Gewerkschafter. Wie der Arbeitgeber vorgegangen sei, spotte jedoch jeder Beschreibung. Der Betriebsrat sei laut Gesetz vollumfänglich zu infomieren – nach Lesart der IG Metall schon in der Planungsphase. Die Geschäftsführung sei jedoch der Meinung, sie könne jetzt erst damit beginnen. „Absolut inakzeptabel, wir verurteilen das aufs Schärfste“, so Wolter.

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Die Gewerkschaft war am Dienstag in der Betriebsversammlung mit 450 Teilnehmern vertreten. Dabei sei klar geworden, dass in der Brunckstraße eine komplette Standortschließung geplant ist. Sie habe sich auch schon mit Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und der städtischen Wirtschaftsförderung ausgetauscht und von einer „wie gelähmten“ Belegschaft berichten müssen. Er spüre Rückhalt für das, was kommen werde, wenn keine Bereitschaft zur Zukunftsvereinbarung bestünde, so Wolter: „Es wird Widerstand geben.“ Dafür liefen schon Vorbereitungen mit Wirtschaftsberatern und Juristen. Mann + Hummel hatte seine Entscheidung mit einer „strategischen Weiterentwicklung des europäischen Produktionsnetzwerks“ begründet.

„Wie eine Heuschrecke“

Bei der Betriebsversammlung gab es Pfiffe für die Verantwortlichen. Ein Mitarbeiter, der dabei war, ist frustriert: „Alles so surreal. Ein Management ohne Liebe zu den Wurzeln, das wie eine Heuschrecke die Wüste hinterlässt, um zur nächsten saftigen Plantage zu fliegen aus reiner Profitgier.“ Er hätte nie gedacht, dass er so etwas über „seine“ Firma sagen muss, betont der Mann, der seit vielen Jahren in der Produktion von Mann + Hummel in Speyer tätig ist. In die Enttäuschung mischen sich Zukunftssorgen bei dem Vater schulpflichtiger Kinder mit Hauskredit. Er werde künftig wohl Abstriche machen müssen. „Ich war zufrieden“, sagt der Pfälzer über seine Arbeit. Seit Donnerstag sei alles anders.

Eine Delegation der Geschäftsführung sei schon morgens um 7 Uhr im Werk gewesen, habe zunächst Führungskräfte über die geplante Schließung informiert, die dann bis zum frühen Nachmittag ihre jeweiligen Teams ins Bild gesetzt hätten. Sein eigener Vorgesetzter habe seither mit seinen Mitarbeitern nicht über deren Sorgen nicht gesprochen, sondern auf „Business as usual“ geschaltet. Leitungspersonal aus Speyer habe Chancen auf neue Jobs an anderen Standorten, die Leute aus der Produktion müssten wohl gehen: Gerade in den Tagen der Krise werde eine „Zweiklassengesellschaft“ erkennbar.

Gespräche vermisst

„Es sind viele Fragen offen, aber Antworten gibt es nur wenige“, sagt der Mitarbeiter. „Die Geschäftsführung will nichts sagen, der Betriebsrat kann nichts sagen“, so seine Beobachtung. Seine drängendste Frage bleibe die nach dem Warum. Er wisse: „Die Zahlen waren gut und die Auftragsbücher voll.“ Die Speyerer Belegschaft sei gerade kürzlich für ihre Leistungen gelobt, Fremdfirmen seien für Investitionen in den Standort bestellt worden. Dass über Alternativen zur Schließung nicht einmal vorab gesprochen worden sei, wolle nicht in seinen Kopf: „Viele Mitarbeiter hätten sicher Kürzungen oder Ähnliches in Kauf genommen als Gegenleistung für weitere Beschäftigung.“

Die Unmutsäußerungen bei der Betriebsversammlung seien eine Quittung dafür gewesen. Etliche Mitarbeiter ließen in Redebeiträgen Dampf ab und bekamen Fragen beantwortet, bis die Auskunftgeber beschieden hätten, die Fragerunde sei vorüber. Gerade bei der zentralen Frage, wie lange die Pläne für Speyer schon festgestanden hätten, seien die Manager ins Schwimmen geraten, so die Beobachtung des Teilnehmers.

Gewerkschaft will kämpfen

Gewerkschaftsvertreter Wolter unterstreicht den spürbaren Ärger, der sich auch in sozialen Netzwerken Bahn bricht. Es gehe um 81 Jahre Standort-Geschichte und um Existenzen. Die IG Metall sei nun mit dem Betriebsrat in engem Austausch, um mögliche Szenarien für den Standort zu entwickeln. „Ziel ist eine Vereinbarung, die eine Zukunft für Speyer sichert“, so Wolter. Das Motto laute: „Zukunft durch Widerstand!“ Birgit Mohme, Erste Bevollmächtigte der IG Metall in der Vorderpfalz, betont: „Bereits innerhalb weniger Tage haben mehrere Belegschaften aus der Region ihre volle Solidarität zugesagt.“

Die Firmenleitung von Mann + Hummel will den Verlauf der Betriebsversammlung auf Anfrage nicht kommentieren. Es habe sich um eine „interne Veranstaltung“ gehandelt, so Sprecherin Lisa Schiffgens. „Unser Fokus gilt den Mitarbeitern, die in einer schwierigen Situation sind“, betont sie. Das Unternehmen habe nichts verzögert, sondern sei nun nach der Mitteilung zur beabsichtigten Schließung in die sogenannte Informationsphase eingetreten. „Genauso war das angekündigt“, erklärt Schiffgens.

Der Betriebsrat werde in nächster Zeit Einsicht in die Planungsunterlagen bekommen, auf deren Grundlage dann über weitere Schritte verhandelt werde. Wann Ergebnisse daraus vorliegen, sei offen. Es handle sich angesichts der Komplexität aber eher um eine Frage von Monaten als von Wochen, sagt die Sprecherin. „Zunächst müssen Verhandlungsteams gebildet und viele Parteien beteiligt werden.“ Die Frage, ob auch eine Rücknahme der Schließungsabsicht ein Ergebnis sein könnte, könne sie nicht beantworten.

Filter aus dem Hause Mann + Hummel: Produktion künftig in anderen Werken geplant.
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