Speyer Gewerkschafter zu Mann + Hummel: Wirtschaftsraum geschwächt
„Strukturwandel darf nicht bedeuten, dass profitable Unternehmen Standorte dichtmachen und Beschäftigte die Rechnung zahlen.“ So kommentiert Yves Geiger, Vorsitzender des Stadtverbands Speyer im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), in einer Stellungnahme die angekündigte Schließung des Speyerer Filterwerks von Mann + Hummel bis Ende 2028. Von der vorigen Donnerstag verkündeten Entscheidung des Ludwigsburger Unternehmens wären 600 Arbeitsplätze betroffen.
Geiger sieht durch den Fall grundsätzliche Fragen nach unternehmerischer Verantwortung in Zeiten des industriellen Wandels aufgeworfen. Er verweist auf die lange Geschichte des Standorts, der auf die 1946 in der Domstadt angesiedelte Firma Filap zurückgeht. „Über Jahrzehnte hinweg haben oft mehrere Generationen von Familien bei Mann + Hummel in Speyer gearbeitet.“ Damit sei das Werk nicht nur ein Produktionsstandort, sondern „ein Teil der industriellen Identität der Stadt Speyer“.
Die geplante Schließung schwächt laut DGB „den gesamten Wirtschaftsraum Vorderpfalz nachhaltig“. Dieser habe auch mit Verlagerungen bei der BASF oder der Werksschließung von Ardagh Glass in Germersheim zu kämpfen. Bei Mann + Hummel fielen tariflich abgesicherte Industriearbeit und auch künftig gut ausgebildete Fachkräfte weg. „Der Standort war über Jahrzehnte Gewerbesteuerzahler, Ausbildungsbetrieb, stabilisierender Faktor für den regionalen Mittelstand, ein wichtiger Baustein der wirtschaftlichen Infrastruktur Speyers“, so Geiger. Der Stadtverband fordere deshalb im weiteren Verfahren eine „echte Beteiligung von Betriebsrat und Gewerkschaften“, die Prüfung aller Alternativen zur Schließung und eine aktive Industrie- und Standortpolitik.