Speyer
600 Arbeitsplätze betroffen: Mann + Hummel will Speyerer Werk schließen
Es gehe um eine „Produktionsverlagerung aus Speyer“, teilte das Unternehmen mit Zentrale in Ludwigsburg am Donnerstagnachmittag mit. Zuvor hatte in der Brunckstraße eine Mitarbeiterversammlung stattgefunden, in der über die Entscheidung informiert wurde. „Die Produktion und damit verbundene Logistikaktivitäten von Filtrationsprodukten sollen schrittweise an andere Werke der Mann + Hummel-Gruppe verlagert und die Produktion in Speyer damit eingestellt werden“, heißt es.
Am Standort Speyer seien aktuell 600 Beschäftigte für das baden-württembergische Unternehmen tätig, davon 400 in der Produktion sowie in produktionsnahen Tätigkeiten. Das sind in der Summe gut 100 weniger als in früheren Jahren. Das Unternehmen kündigt „unverzüglich“ Gespräche mit dem Betriebsrat an. Darin solle es unter anderem um einen möglichen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter gehen. „Ziel ist es, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern tragfähige und sozialverträgliche Lösungen zu erarbeiten.“
Lob für Mitarbeiter
Der Standort Speyer habe über viele Jahre hinweg wesentlich zum Erfolg von Mann + Hummel beigetragen. Die Leistungen der Mitarbeiter verdienten größten Respekt und hätten mit der geplanten Schließung nichts zu tun. Die Entscheidung basiere auf dem „Ergebnis einer strategischen Weiterentwicklung des europäischen Produktionsnetzwerks“. Weltweit ist das Familienunternehmen an mehr als 80 Standorten vertreten; in Deutschland gibt es neben Speyer acht weitere Mann + Hummel-Einheiten. Die gesamte Mitarbeiteranzahl lag 2024 bei 21.200, der Umsatz bei 4,5 Milliarden Euro.
Die Firmengründung datiert 1941, die des Speyerer Zweiges 1945. Der pfälzische Standort ist aus dem Vorgängerunternehmen Filap („Filter- und Apparatebau“) hervorgegangen. Dieses war 1952 nach Speyer umgesiedelt, weil am bisherigen Standort in Westfalen Arbeitskräfte fehlten. Produziert wurde zunächst in der Unteren Langgasse. 1965 war die Fläche an der Brunckstraße bezogen worden, 1980 die Eingliederung in die Muttergesellschaft Mann + Hummel erfolgt.
Wachstumspläne beerdigt
Noch 2022 hatte das Unternehmen von Plänen für ein Wachstum des Speyerer Standorts berichtet und diesen als „wichtigen Teil unserer Industriestrategie“ bezeichnet. Die Speyerer Produktionspalette war traditionell nicht so konjunkturabhängig wie die in anderen Mann + Hummel-Werken mit Automobil-Kunden. In der Domstadt hergestellt werden vor allem Luft-, Öl- und Luftentölelemente für den Maschinenbau, die Landwirtschaft, Bauwirtschaft sowie Schifffahrt.
Das Unternehmen begründet seine Entscheidung mit der Notwendigkeit von wettbewerbsfähigen Kosten. „Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen in Europa spürbar: Das wirtschaftliche Wachstum bleibt schwach, Energie- und Arbeitskosten sind hoch und globale Handelsbedingungen – etwa durch Zölle und geopolitische Unsicherheiten – erhöhen den Kosten- und Planungsdruck entlang der Lieferketten.“ Deshalb müssten die Produktionsstrukturen regelmäßig überprüft.
Bei der Verlagerung gehe es darum, das Produktionsvolumen „stärker auf bestehende Standorte zu bündeln und Skaleneffekte sowie Investitionen in automatisierte Produktionsprozesse effizienter zu nutzen“. Das stärke die Wettbewerbsfähigkeit, so das Kalkül. Die Schließung in Speyer, zu der noch Prüfungen liefen und die deshalb als „möglich“ bezeichnet wird, solle in einem mehrjährigen Prozess erfolgen und sich bis spätestens Ende 2028 erstrecken. Zur Zukunft des Geländes gibt es noch keine Angaben.