Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mühlturmstraße: Warum die Sperrung des Bahnübergangs völlig aus dem Ruder lief

Endspurt: Der Bahnübergang in der Mühlturmstraße soll Ende Juli offen sein. Derzeit werden Schranken und Signalmasten montiert.
Endspurt: Der Bahnübergang in der Mühlturmstraße soll Ende Juli offen sein. Derzeit werden Schranken und Signalmasten montiert.

Seit einem Jahr ist der Bahnübergang in der Mühlturmstraße dicht. Jetzt zeichnet sich ein Ende der Misere ab: Die Deutsche Bahn ist zuversichtlich, dass sich die Schranken zum 31. Juli wieder heben – sofern es keine böse Überraschungen gibt.

Am Bahnübergang in der Mühlturmstraße herrscht reger Betrieb: Arbeiter montieren die neuen Schranken, auch die Masten für die Lichtzeichen sind schon aufgestellt. Signaltechnik wird installiert. Laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn müssen noch Zäune, Geländer und Fahrbahn-Markierungen angebracht werden, auch der Fußweg zum Häuschen mit der Schalttechnik fehlt noch. Dann aber wäre die Querung betriebsbereit. „Die Eröffnung ist weiterhin zum 31. Juli vorgesehen“, so die Bahn. Aus Unternehmenskreisen ist zu vernehmen, man sei sehr zuversichtlich, den Termin halten zu können.

Demnach rechnen die Verantwortlichen nicht mehr mit bösen Überraschungen. Denn solche hatten dazu geführt, dass sich die Modernisierung des Bahnübergangs von Monat zu Monat verzögerte.

Dass die Bahnübergänge in Speyer überhaupt umgebaut wurden, liegt am Projekt „Digitale Schiene Deutschland“, bei dem die Bahn unter anderem seit April 2021 die Stellwerks-, Signal- und Bahnübergangstechnik auf der Strecke von Wörth über Germersheim nach Speyer auf den neuesten Stand gebracht hat. Der Bund fördert die Modernisierung als Teil des sogenannten Schnellläuferprogramms. Von der Digitalisierung der teilweise noch mechanischen Steuerungstechnik verspricht sich die Bahn mehr Zuverlässigkeit und weniger Instandhaltungsaufwand, so dass es zu weniger Beeinträchtigungen im Zugverkehr kommt.

Schon früh der Wurm drin

Doch was bei anderen Bahnübergängen in Speyer wie in der Alten Schwegenheimer Straße, in der Wormser Landstraße oder in der Schützenstraße weitgehend planmäßig abgelaufen ist, stand in der Mühlturmstraße offenbar unter keinem guten Stern. Wie die Bahn einräumt, war ihr etwa der genaue unterirdische Verlauf des in diesem Bereich kanalisierten und eingedolten Speyerbachs vor Beginn der Arbeiten nicht bekannt.

Was dazu führte, dass bei Baggerarbeiten der Betondeckel des Gewässers nachhaltig beschädigt wurde. In der Folge ruhten die Arbeiten zunächst, bis der Schaden begutachtet war. Danach wurde umgeplant. Neuberechnungen waren erforderlich, ebenso größere Betonarbeiten, denn schließlich soll die neue Abdeckung des Kanals einen Zug auch tragen. Danach härtete der Beton wochenlang aus, was zu weiteren Verschiebungen im Zeitplan führte, die wiederum zwischen Bahn, Bauunternehmen und Stadt abgestimmt werden mussten.

Einzelhändler bemerken Umsatzverluste

Weil sich die Arbeiten auf diese Weise immer weiter in die Länge zogen, wandte sich Andreas Linn, Inhaber des benachbarten, gleichnamigen Schuhhauses, an den CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Steiniger. Dieser sollte sich in der Berliner Bahnzentrale für eine Beschleunigung des Prozesses einsetzen, was dem Vernehmen nach darin mündete, dass sich Vertreter des Eisenbahnbundesamtes vor Ort über die Situation informierten. Zudem musste die Baustelle nach Angaben der Bahn Ende 2022 aufwendig gesichert werden, weil immer wieder Menschen die Absperrungen missachtet und widerrechtlich die Gleisanlagen überquert hatten.

Unterdessen wurde die Geduld der ansässigen Einzelhändler auf eine harte Probe gestellt. „Wir wurden immer wieder vertröstet. Aber wir erleiden durch die Sperrung einen spürbaren Umsatzverlust“, sagt Andreas Linn. Infolge der Baustelle sei sein Geschäft „abgehängt“, beklagt der Unternehmer. Die Kundenfrequenz sei deutlich gesunken, es fehle eben der Durchgangsverkehr aus dem Speyerer Westen in Richtung Innenstadt. Noch dazu kämen „rund 80 Prozent der Kunden mit dem Auto“, sagt Linn.

Für viele Kunden bedeute der Umweg über die Schützenstraße oder die Obere Langgasse eine Erschwernis, bekräftigt Fabian Löffler vom Weinkontor Schwarz. Auch er verzeichnet deutlich weniger Laufkundschaft und damit einhergehende Umsatzeinbußen. „Das läuft nach dem Motto: aus dem Auge, aus dem Sinn“, berichtet Löffler. Selbst Stammkunden müssten ab und an mal an einem Laden vorbeifahren, damit er ihnen im Gedächtnis bleibe, meint Löffler: „Natürlich kommen viele gezielt, andere nutzen unseren Lieferservice. Dennoch merken wir den Rückgang.“ Nun hofft er darauf, dass die Mühlturmstraße tatsächlich Ende Juli durchgängig befahrbar ist. Kollege Linn ist da noch skeptisch: „Ich glaube das erst, wenn sich die Schranke hebt.“

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