Speyer
Gute Aussichten für Viadukt
„Die Sanierung wird gefördert, ein Ersatzneubau nicht“, erklärte Florian Benner vom städtischen Tiefbauamt im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion am Mittwochabend. Nachdem das Land bereits im Jahr 2021 zwei Millionen Euro an Fördermitteln bewilligt hatte, muss die Stadt noch 2,4 Millionen Euro für die Sanierung aufbringen. Ein Ersatzneubau hingegen würde 5,8 Millionen Euro kosten und hätte keine Aussicht auf Zuschüsse des Landes.
„Das hätten wir nie so eingeschätzt“, räumte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) eine zuvor allzu optimistische Bewertung der Brückenschäden ein. Demnach erfordern vorhandener Loch- und Flächenfraß, Walz- und Konstruktionsfehler, irreparable plastische Verformungen, Rostschäden und die notwendige komplette Erneuerung der Querträger sowie Bodenbeläge massive Instandsetzungsarbeiten des sogenannten Schipka-Passes, der den Stadtbereich Burgfeld südlich des Hauptbahnhofs seit 1891 mit der Innenstadt verbindet.
Als Denkmal eingestuft
Bereits 2003 sei die Brücke mit Start der S-Bahn und der damit verbundenen Elektrifizierung der Strecke erhöht worden, berichtete Benner über umfangreiche Veränderungen beziehungsweise Modernisierungen der Querung, die viele Fußgänger und Radfahrer benutzt hatten. 2018 war sie von der Landesdenkmalpflege als Kulturdenkmal mit hohem ingenieurbaugeschichtlichem und städtebaulichem Stellenwert eingestuft worden.
Nach eingehenden Beratungen mit der Denkmalpflege habe die Behörde vor einem Monat ihr Einverständnis zur Instandsetzung der Brücke gegeben, sagte Benner. Der Viadukt soll demnach nach Abschluss der vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen weitere 30 Jahre überdauern. „Es gibt einen bestehenden Bauvertragspartner“, sagte Benner, demnach könnten die Arbeiten im kommenden Jahr aufgenommen und nach etwa zehn Monaten bereits im Spätjahr 2024 auch abgeschlossen werden.
Verzögerungen und Mehrkosten
Ursprünglich hatte der Stadtrat im Oktober 2020 beschlossen, den maroden Schipka-Pass im Frühjahr 2021 abzubauen, auf einer Freifläche im Industriegebiet Heinkelstraße wieder instandzusetzen und im Herbst des gleichen Jahres erneut am alten Standort zu montieren. Alles in allem sollte das rund zwei Millionen Euro kosten und nur wenige Monate dauern. Massive Schäden an der Stahlkonstruktion, die im Zuge der näheren Untersuchungen entdeckt wurden, sorgten für deutliche Verzögerungen, Mehrkosten und den Verbleib der Brückenteile im Industriegebiet bis heute.
Ein Instandhaltungskonzept liegt zwischenzeitlich vor. „Es kann nicht alle Mängel beheben“, erklärte Benner den Ausschuss-Mitgliedern: „Hierzu wäre es erforderlich, die Brücke komplett zu zerlegen.“ Dennoch sei mit den jetzt vorgesehenen Maßnahmen eine Rest-Lebensdauer des Viadukts von rund drei Jahrzehnten gewährleistet.
Die Entscheidung des Stadtrats über die Instandsetzung des Viadukts ist Voraussetzung dafür, entsprechende finanzielle Mittel in den städtischen Haushalt des kommenden Jahres einzustellen. Bei einem Ortstermin Mitte bis Ende Juni will die Stadt über die geplanten Sanierungsarbeiten informieren.