Speyer Gestapo-Spitzel enttarnt Speyerer

Im Lenhart 35: Vor dem früheren Wohnhaus der Familie werden fünf Stolpersteine verlegt.
Im Lenhart 35: Vor dem früheren Wohnhaus der Familie werden fünf Stolpersteine verlegt.

Jakob und Emma Schultheis sind die Gründer der Widerstandsgruppe „Speyerer Kameradschaft“. Von Herbst 1942 bis zu seiner Verhaftung im April 1944 leistete das Ehepaar aktiven Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Gemeinsam mit ihrer Tochter Emma Matuszewski, deren Ehemann Stanislaw Matuszewski, dem aus Berghausen stammenden Wilhelm Kreutz und mit den Waldseern Stanislaus Peplinski und Elise Rohr (geborene Tremmel) bildeten sie die Basis der Gruppe. Sie unterstützten durch Sach- und Geldspenden die Familie des bekannten Kommunisten Ernst Thälmann, außerdem übersetzten sie Nachrichten fremdsprachiger Radiosender und organisierten die Weitergabe von Informationen an polnische und sowjetische Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiter in der Region Speyer. Sie druckten regimekritische Flugblätter auf der Hühnerfarm von Fritz Jost und verhalfen polnischen Verfolgten zur Flucht in die Schweiz. Wer genau alles dem Kreis der „Speyerer Kameradschaft“ zuzurechnen ist, ist nicht vollständig geklärt. Viele agierten anonym im Hintergrund, sodass vermutlich auch nicht allen Mitgliedern bekannt war, wer genau der Gruppe angehörte. Klar ist, dass das Ehepaar Schultheis über viele Kontakte aus ihrer Zeit bei der SPD und bei der KPD verfügte und so Mitstreiter gezielt ansprechen konnte. Jakob Schultheis wurde am 4. September 1891 in Speyer geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und dem Frontkämpferehrenkreuz ausgezeichnet. Der gelernte Malermeister mit eigenem Betrieb heiratete im Mai 1914 die aus Altlußheim stammende Emma Schweikert. Gemeinsam hatten sie zwei Kinder. Ihr Sohn Ewald Schultheis fiel 1943 als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Die Tochter Emma heiratete den Unteroffizier Stanislaw Matuszewski. Während einer Reise besuchte das Ehepaar Schultheis seinen alten Parteigenossen Georg Blohorn und lernte so Rosa Thälmann und ihre Tochter Irma Vester kennen. Durch die beiden Frauen erfuhr das Ehepaar, dass Thälmann in Haft lebte und die Frauen nicht abgesichert waren. So keimte die Idee auf, die Familie Thälmann zu unterstützen. Die Basis für die „Speyerer Kameradschaft“ war gelegt. Emma Schultheis übernahm in der Gruppe eine wichtige Rolle. Sie traf sich regelmäßig mit Rosa Thälmann und übergab ihr die Spenden. Am 16. April 1944 wurde sie bei einer dieser Übergaben verhaftet. Ein eingesetzter Gestapo-Spitzel im engeren Kreis der Familie Thälmann deckte die Verbindung zu den Schultheis’ auf. Dies zog Razzien und Verhaftungen nach sich. Jakob und Emma Schultheis sowie Mitstreitern wurde ab dem 9. Februar 1945 der Prozess in Potsdam gemacht. Tochter Emma war hochschwanger, als man sie in der Isolierzelle des Speyerer Stiftungskrankenhauses inhaftierte. Ihre Tochter kam dort am 29. Juni 1944 zu Welt. Beide blieben bis zur Befreiung durch die Amerikaner im März 1945 in Haft. Der Urteilsspruch gegen die Mitglieder der „Speyerer Kameradschaft“ fiel am 19. März 1945. Jakob Schultheis und Stanislaus Peplinski wurden an diesem Tag im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. Emma Schultheis wurde zu zwei Jahren Zuchthaus und Ehrverlust verurteilt. Nach ihrer Befreiung durch die sowjetische Armee barg sie die Urne mit der Asche ihres Gatten und brachte sie mit nach Speyer. Er bekam dort im September 1945 ein Ehrenbegräbnis. Emma Schultheis starb 1978 in Speyer. Nach ihrer Urteilsverkündung bekam Emma Schultheis die Gelegenheit, sich zu äußern. Sie sagte: „Zum Urteil meines Mannes muss ich sagen, mein Mann ist kein Verbrecher. Mein Mann ist ein Ehrenmann und wird als Ehrenmann weiterleben.“ Am Freitag in einer Woche werden in Speyer Im Lehnart 35 Stolpersteine für die Widerstandskämpfer Jakob und Emma Schultheis, Emma Matuszewski, Stanislaw Matuszewski und für Ursula Matuszewski verlegt. Die Teilnehmer begeben sich nach dem ersten Termin um 15 Uhr in der Schraudolphstraße dorthin. Die Autorin Sabrina Albers arbeitet in der Verwaltung des Historischen Museums, schreibt Kurzgeschichten, ist Mitherausgeberin des Literaturmagazins „Kettenhund“ und Mitinitiatorin der Stolpersteine in Speyer. Kontakt www.stolpersteine-speyer.com —Spendenkonto: Stadt Speyer, Iban DE20 5455 0010 0000 0015 86; Kennwort: „Stolpersteine“.

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