Meinung am Montag RHEINPFALZ Plus Artikel Geothermie: Urteil zum Bundeshaushalt wirkt sich auf Speyerer Kraftwerk-Pläne aus

Bohrstelle für Geothermie-Kraftwerk: mögliches Vorbild für Speyer.
Bohrstelle für Geothermie-Kraftwerk: mögliches Vorbild für Speyer.

Auf 100 Millionen Euro werden die Kosten für das Geothermie-Projekt der Stadtwerke Speyer und Schifferstadt geschätzt. Jörg Uhde bereitet es als Geschäftsführer von deren gemeinsamer Geopfalz GmbH & Co. KG vor. Im Interview mit Patrick Seiler sagt er, warum noch nicht feststeht, wo nach Erdwärme gebohrt wird.

Herr Uhde, Sie sind seit einem Jahr für das gemeinsame Geothermie-Projekt der Stadtwerke Speyer und Schifferstadt zuständig und sind die Vorbereitungen mit straffem Zeitplan angegangen. Sind Sie so weit gekommen, wie Sie wollten?
Nahezu. Aktuell starten wir die Erstellung des erforderlichen Reservoirmodells mit etwas Zeitverzug. Das hat damit zu tun, dass wir dafür Fachleute von möglichst hoher Qualität Kompetenz brauchen. Inzwischen liegen aber mehrere Angebote vor, und wir können in den nächsten Tagen entscheiden, wer den Zuschlag erhält. Die geologischen Modelle, um die es geht, werden zur entscheidenden Grundlage für die Festlegung unserer Betriebspläne und Bohrziele und die dafür zu stellenden Betriebspläne. Weil mit der ersten Bohrung das größte Risiko für ein 100-Millionen-Euro-Projekt wie das unsere verbunden ist, brauchen wir eine möglichst saubere Planungsgrundlage mit bestmöglicher Qualität. Ich gehe davon aus, dass wir im zweiten Halbjahr 2024 mitteilen können, welche geologischen Formationen von welchen Bohrstellen aus erschlossen werden.

Ihr Aufsuchungsgebiet reicht von Speyer bis Neuhofen und im Westen bis Böhl-Iggelheim, und Sie haben auch schon geologische Daten erworben. Ist daraus schon eine Tendenz in der Standortfrage für ein Geothermie-Kraftwerk abzuleiten?
Nein, noch haben wir nicht die Informationen, um zu sagen, ob wir näher zum Rhein hin oder eher bei Schifferstadt bohren werden. Ich werde oft nach dem Standort gefragt, aber es fehlen noch Grundlagen, um dazu etwas konkretes zu sagen. Wir planen in diesem Jahr zwei Informationsveranstaltungen, eine im April im Schifferstadt und eine im Spätherbst in Speyer. Bei der ersten wird es schwerpunktmäßig um erste geologische Ergebnisse, die Planung und die Fördersituation gehen, bei der zweiten wahrscheinlich auch um den potenziellen Standort.

Setzt Speyerer Geothermie-Pläne um: Jörg Uhde
Setzt Speyerer Geothermie-Pläne um: Jörg Uhde

Fördermittel ist ein gutes Stichwort. Das von den zwei Stadtwerken getragene Unternehmen Geopfalz werde öffentliche Mittel im Umfang von 40 Prozent der Investitionskosten anstreben, haben Sie voriges Jahr gesagt. Sind die schon gesichert?
Wir haben uns darum 2023 sehr intensiv bemüht und waren auch sehr erfolgreich unterwegs – bis zum sagenhaften Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November zum Bundeshaushalt. Damit wurden Ausgaben für Klimaschutzprojekte gestoppt, die schon fest eingeplant waren. Für uns heißt das, dass wir die erforderliche Bundesförderung für effiziente Wärmenetze noch nicht beantragen konnten. Schon fertig ist unser weiterer Antrag für das Energieforschungsprogramm zur angewandten Energieforschung, bei dessen Bearbeitung nun auch Stillstand eingetreten ist. Aber ich bin derzeit nicht in Sorge, dass die Finanzierung bröckelt. Ich bin optimistisch, dass es nach Klärung der Haushaltsfragen ab Februar grünes Licht gibt. Gerade an unserem Forschungsprojekt zusammen mit führenden Hochschulen gibt es ein großes Interesse, weil wir damit einen Geothermie-Betrieb mit einer Seismizität unterhalb der Wahrnehmungsschwelle von Menschen dauerhaft sicherstellen wollen. Absehbar ist jedoch, dass wir nochmals streng auf die Kosten blicken müssen.

Kann der Zeitverzug, den Sie erwähnt haben, problematisch werden?
Ich denke nicht. Wir sind im Vergleich zu anderen Geothermie-Projekten immer noch außergewöhnlich schnell und effizient – und das mit einem Zwei-Leute-Team. Je nachdem, was der Markt hergibt, soll in diesem Jahr ein Geowissenschaftler oder Bohringenieur dazukommen. Wir haben zwar nicht alle selbstgesteckten Ziele erreicht, aber diese waren auch sehr ambitioniert. Unsere ganz großen Ziele – Stromerzeugung aus Geothermie ab 2028 und Wärmeabkopplung ab 2029 – halte ich nach wie vor für sicher erreichbar.

Sind Sie auch schon mit den potenziell betroffenen Gemeinden in Kontakt? Da geht es ja nicht nur um Speyer und Schifferstadt …
Ja, wir kommen regelmäßig in die politischen Gremien dieser Rhein-Pfalz-Kreis-Gemeinden und sehen ein sehr gutes Einvernehmen. Wir halten auf Anfrage auch gerne Vorträge über unser Projekt. Das Interesse daran ist grundsätzlich hoch, und ich glaube sagen zu können, dass Geothermie in unserer Region viel positiver wahrgenommen wird als noch vor einigen Jahren. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir das Projekt sehr sachlich erklären und dass die Stadtwerke als Akteure aus dem kommunalen Umfeld dahinterstehen: Wir betreiben Daseinsvorsorge vor Ort unter energiepolitischen Zielsetzungen.

Höre ich da heraus, dass auch Ihre persönliche Bilanz nach einem Jahr im neuen Job positiv ausfällt?
Definitiv. Ich bin ein glücklicher Mensch mit einer erfüllenden Aufgabe. Mein Kollege Richard Hoffmann und ich brennen für die Geothermie. Wir kommen schnell voran. Das schöne Arbeitsumfeld und die sehr gute Akzeptanz unserer Arbeit in der Bevölkerung tragen sicher dazu bei, dass wir eine hohe Arbeitsbelastung auf uns nehmen können.

Zur Person

Jörg Uhde (67), ist gebürtiger Niedersachse, Bergbau-Ingenieur und 2023 vom Betreiber des Geothermie-Kraftwerks Insheim nach Speyer gewechselt.

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