Vorderpfalz
Frauenhäusern fehlen Plätze
Die Situation in den Frauenhäusern ist überall dieselbe: In den vergangenen Jahren bitten mehr Frauen um Schutz, als es Plätze gibt, sodass Menschen abgewiesen werden müssen. „Wir versuchen dann aber immer, für die betroffene Frau eine andere Möglichkeit zu finden, sie zum Beispiel an ein anderes Frauenhaus weiterzuvermitteln“, sagt das Frauenhaus-Team aus Ludwigshafen. Es hat Platz für 13 Frauen und deren Kinder. Im Jahr werden zwischen 50 und 70 Personen aufgenommen. Pro Monat gebe es im Schnitt zwischen 20 und 30 Anfragen, manchmal auch mehr als 60, berichtet das Team. Von starken Schwankungen bei der Nachfrage spricht auch das Frauenhaus-Team in Frankenthal. Zum Jahresende an Weihnachten wendeten sich immer mehr Frauen an die soziale Einrichtung.
Alle Frauen eint, dass sie in ihrem Zuhause von körperlicher und/oder psychischer Gewalt bedroht sind oder diese bereits erfahren haben. Es gehe ebenso um Stalking, Zwangsprostitution und Zwangsverheiratung. Die Frauen hätten durch ihre Erlebnisse häufig auch Probleme in anderen Bereichen, haben zum Beispiel psychische Probleme oder Schulden. In den meisten Fällen seien Kinder, entweder direkt oder indirekt, betroffen. Durch diese Erfahrungen entwickelten viele Mädchen und Jungen gravierende Auffälligkeiten und beträchtliche Entwicklungsstörungen. „Betroffene Kinder tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, später selbst Gewalt auszuüben oder erneut zu erfahren“, sagt Julia Urbansky, die im Frauenhaus in Speyer als Sozialarbeiterin tätig ist.
Dort gibt es aktuell fünf Plätze. Die räumliche Situation sei sehr beengt, berichtet das Frauenhaus-Team, das in diesem Sommer jedoch ein neues Gebäude beziehen kann. Darin werden dann sieben sogenannte „Family places“, also kleine Appartements, zur Verfügung stehen, damit sich die Schutzsuchenden besser zurückziehen können. In den Frauenhäusern hat jede Frau ihr eigenes Zimmer, Küche und Toilette müssen geteilt werden. Das sei nicht immer einfach, heißt es aus dem Frauenhaus in Frankenthal, in dem es sechs Familienplätze gibt. Anderseits empfänden es manche Frauen als angenehm, leicht mit anderen Gewaltbetroffenen in Kontakt zu kommen und sich austauschen zu können. Diese Erfahrung hat das Team in Ludwigshafen gemacht.
Hohe Nachfrage, wenig Zeit
Hinter allen drei Frauenhäusern stehen ein Trägerverein und damit auch Ehrenamtliche, die sich für das Wohl von anderen Menschen in ihrer Freizeit engagieren. Das Angebot reicht von kostenlosen Beratungsgesprächen bis hin zur Aufnahme im Frauenhaus. In Speyer berichtet das Team, dass die Nachfrage nach Beratungen immens gestiegen sei. „Wir beraten unter anderem mehr Frauen mit hohem Bildungshintergrund sowie immer mehr ältere Frauen und Seniorinnen.“
Aufgrund der sehr hohen Nachfrage und dem gleichzeitigen Zeitmangel seien fast ausschließlich einmalige Kurz- und Krisenberatungen möglich. Dem Team ist bewusst, dass diese nicht nachhaltig und wirksam seien. Es fordert daher dringend, das Hilfsnetzwerk auszubauen – mit flächendeckenden Gewaltschutzzentren, Schwerpunktangeboten für ältere Frauen und Frauen mit Behinderung, für Paare und von Gewalt betroffene Kinder. Das sehe die „Istanbulkonvention“ vor – ein „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ aus dem Jahr 2011. Der Bund, das Land und die Städte müssten sich dem Thema weiter öffnen, fordert das Frauenhaus-Team aus Speyer.
Auf Spenden und Bußgelder angewiesen
Alle Frauenhäuser werden durch den Bund, das Land und die Kommunen finanziert. Diese Finanzierung sei allerdings seit Jahren nicht kostendeckend, sodass alle Frauenhäuser auf Spenden und Bußgelder angewiesen sind. Bei den Bußgeldern handelt es sich um von Gerichten verhängte Geldstrafen, die Verurteilte an das Frauenhaus zahlen müssen.
Ein weiteres Problem ist, dass bezahlbarer Wohnraum knapp ist und die Frauenhausbewohnerinnen dadurch immer länger in der Unterkunft leben, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Vor einigen Jahren blieben sie zwischen drei und sechs Monaten, heute wohnten sie bis zu einem Jahr und länger im Frauenhaus, heißt es aus Ludwigshafen. Abhilfe soll das Modellprojekt „Second Stage“ leisten, bei dem Frauenhaus-Trägervereine Wohnungen anmieten, in denen sich Frauen auf ein selbstständiges Leben vorbereiten können. Das Frauenhaus in Frankenthal nimmt seit März dieses Jahres an dem erst einmal auf neun Monate angelegten Projekt teil, das mit 55.000 Euro vom Land gefördert wird. Seit Beginn dieses Monats leben zwei ehemalige Frauenhausbewohnerinnen in einer solchen Übergangswohnung. Sie haben nun eine Meldeadresse, ohne dass ersichtlich wird, dass sie aus dem Frauenhaus kommen und können sich auf die Suche nach einer eigenen Wohnung machen.