Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Förster mahnt: „Die Waldbrandgefahr ist hoch“

Gefahr steigt: Im Jahr 2019 brannte zwischen Speyer und Dudenhofen nahe des Hundesportvereins ein Stück Wald.
Gefahr steigt: Im Jahr 2019 brannte zwischen Speyer und Dudenhofen nahe des Hundesportvereins ein Stück Wald.

In Speyers Wäldern herrscht Dürre. Das schädigt die Bäume und erhöht die Waldbrandgefahr. Feuerwehr und Förster sind besorgt. Denn der Sommer kommt erst noch.

„Der Regen war nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Simon Henrich: „Der ist schon fast wieder verdunstet.“ Der Speyerer Revierförster, seit Oktober 2023 zuständig für die rund 700 Hektar Stadt- und 300 Hektar Bürgerhospitalwald, lässt keinen Zweifel daran, dass die kurze Dusche von oben Mitte der Woche nicht der Rede wert gewesen ist. Zumindest nicht im Vergleich zu der Dimension an Niederschlag, die notwendig wäre, um die besorgniserregende Situation in den Wäldern rund um die Domstadt zu verbessern. Denn dort herrscht Dürre.

„Der Oberboden ist bis in rund 25 Zentimeter Tiefe stark ausgetrocknet“, hat Henrich festgestellt. Darunter sehe es etwas besser aus, der Bereich zehre offenbar noch von den Regenfällen des vergangenen Jahres. Doch nahe der Oberfläche darbt die Natur, denn in den zurückliegenden Monaten habe es „deutlich weniger geregnet als im langjährigen Mittel“, erläutert Henrich. Damit hat sich der Trend zur zunehmenden Trockenheit, der in der Region bereits seit Jahren zu beobachten ist, nochmals verstärkt. Die Folgen sind durchaus dramatisch, denn viele althergebrachte Baumarten wie Kiefern oder auch Buchen vertragen den Wassermangel nicht und sterben ab.

„Wir haben immer mehr Totholz im Wald“, bilanziert Henrich. Ökologisch sei dies sinnvoll, weil abgestorbene Bäume Lebensräume für zahlreiche Tierarten darstellten. Doch in puncto Sicherheit sei die wachsende Ansammlung von Totholz auch ein Problem: Unter anderem steige die Brandgefahr, gerade in Zeiten zu geringer Niederschläge: „Das Material auf dem Waldboden, das Holz und das Laub, sind knochentrocken.“ Da genüge unter Umständen ein Funke, um ein Feuer zu entfachen, das sich leicht ausbreiten könne, mahnt Henrich: „Die Waldbrandgefahr ist hoch.“ Vor allem die Kiefernbestände mit ihrem Harz könnten wirken wie Brandbeschleuniger.

Waldbrand-Index immer im Blick

Speyers Feuerwehrchef Peter Eymann ist sich der Gefahrenlage bewusst, und das nicht erst seit dem ersten Vegetationsbrand zu Wochenbeginn, als nah der B9-Abfahrt Speyer-Nord zwei Dutzend Quadratmeter Wald in Flammen standen. „Die Trockenheit ist da, und sie wird bestimmt noch schlimmer. Wir haben ja noch nicht mal Sommer“, sagt der städtische Brand- und Katastrophenschutzinspekteur. Er hat daher stets die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes im Blick, der seinen jeweils fünfstufigen Gefahrenindex für Waldbrände und für Graslandfeuer täglich aktualisiert. Nach der kurzen Regenphase sind beide Indizes für Speyer auf den Wert eins gesunken. Es genügen aber schon wenige warme Tage, um das Brandrisiko wieder klettern zu lassen.

„Durch den Klimawandel bekommen wir zunehmend die Situation, wie sie vor Jahren noch in weiter südlichen Ländern herrschte“, berichtet Eymann. Speyer komme dabei zugute, dass seine Wälder durch ausgebaute Wege gut erschlossen seien. Auch habe man bei Einsätzen nicht wie im Pfälzerwald mit topographischen Herausforderungen zu kämpfen. Gleichwohl stelle sich im Ernstfall die Aufgabe, rasch genügend Löschwasser bereitzustellen. Dabei stütze sich die Speyerer Feuerwehr auf die Hilfe der Wehren aus dem Umland, denen man im Gegenzug ebenfalls unter die Arme greife: „Der Wald ist ein gemeinsames Thema.“ Hilfreich sei, dass die neuen Polizeihubschrauber größere Wasserbehälter transportieren könnten. Womöglich werde man eines Tages ähnlich wie in Frankreich oder an der Haardt in Bad Dürkheim bereits befüllte Wassertanks im Wald platzieren müssen.

Jedes Jahr etliche Vegetationsbrände

„Ausgewachsene Waldbrände waren bei uns glücklicherweise bisher noch kein Thema. Aber wir registrieren jedes Jahr eine Vielzahl kleinerer Vegetationsfeuer“, schildert Eymann. Ein Schwerpunkt sei dabei der Bereich um die Angelgewässer und Badeseen. Was zeige, dass in der Regel der Mensch Auslöser dieser Art Brände sei – durch Lagerfeuer, durch Grillen oder durch Torheit wie dem Zünden von Feuerwerk, das im Juli 2023 ein Getreidefeld im Speyerer Süden in Rauch aufgehen ließ.

Häufige Ursache für Brände in der Natur: achtlos weggeworfene Zigarettenkippen.
Häufige Ursache für Brände in der Natur: achtlos weggeworfene Zigarettenkippen.

Waldbesucher sollten daher ein paar Regeln beherzigen, sagt Eymann: „Kein offenes Feuer, wo es nicht erlaubt ist. Zigarettenkippen nicht einfach in die Natur schnippen. Das Auto nicht auf trockener Vegetation abstellen, weil die sich an heißen Fahrzeugteilen entzünden kann.“ Nicht zu vergessen: „Keine Wege zuparken.“ Denn dann komme die Feuerwehr unter Umständen nicht zum Brandherd durch. Wolle man einen Brand im Wald melden, so solle man seine genaue Position durchgeben, „sonst suchen wir uns einen Wolf“. Die Feuerwehr empfehle dafür die „Hilfe im Wald“-App, die den exakten Standort des Anrufers ermittle.

Förster Henrich indes hofft, der wachsenden Waldbrandgefahr mit forstwirtschaftlichen Methoden entgegentreten zu können. Etwa damit, den Wald mit mehr Laubbäumen zu durchmischen. Die kämen nämlich nicht nur mit der Trockenheit besser zurecht. Sie würden auch nicht so einfach Feuer fangen.

Im Netz

www.feuerwehr-speyer.org/vegetationsbraende/

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