Speyer
Stadtwald: Warum Kiefern und Buchen weichen müssen
Wer mit Simon Henrich im nördlichen Speyerer Stadtwald unterwegs ist, dem kann die von Helmut Kohl in anderem Zusammenhang geprägte Redensart „Gnade der späten Geburt“ in den Sinn kommen. Denn junge und gesunde Bäume nahe von Straßen oder Gleisen haben die Säge (noch) nicht zu fürchten. Es sind ganz überwiegend ältere, große Bäume, die der Förster vor allem in den Sommermonaten mit einem roten X und einer Nummer markiert hat: „Diese Bäume werden in den nächsten Wochen gefällt, weil sie krank oder bereits abgestorben sind und nahe an Straßen, Schienen oder Gebäuden stehen.“
„40 Kilometer an öffentlichen Verkehrswegen haben wir im Bereich des Stadtwaldes“, so Henrich, der seit Oktober 2023 Revierleiter ist. Im Sommer habe er diese Strecke erstmals buchstäblich erfahren und erlaufen, um die Bäume ausfindig zu machen, die Verkehrsteilnehmern gefährlich werden können. Etwa entlang der B9 unweit der A61 hat Henrich mehrere Kiefern und Buchen zur Fällung vorgesehen. „Einige sind bereits abgestorben und könnten umstürzen, andere sind dabei, abzusterben, auch wenn sie teilweise noch einige grüne Nadeln im Kronenbereich haben.“
Beim Land angestellt
Doch nicht nur an Straßen grenzt der Stadtwald an, auch an die Bahnstrecke Richtung Schifferstadt und an Wohn- sowie Gewerbebauten reicht er nahe heran. „Auch dort gilt die Verkehrssicherungspflicht des Waldbesitzers“, unterstreicht Henrich. Der Förster ist zwar beim Land angestellt, aber er pflegt den Wald im Eigentum der Stadt in deren Auftrag; inklusive des Bürgerhospitalwaldes bei Böhl-Iggelheim sind das rund 1000 Hektar.
Die Forstwirte Michael Wittmann, Rainer Baumann und Andreas Weiter unterstützen Henrich bei der Bewirtschaftung des Stadtwaldes. Die Umsetzung der Verkehrssicherung obliegt jedoch einer externen Firma, wie der Förster informiert: „Wir sind dafür nicht ausgestattet.“ So brauche es für Fällungen an öffentlichen Verkehrswegen neben mobilen Ampelanlagen und Verkehrsschildern auch genügend Personal. „Die Firma beginnt in den nächsten Wochen mit ihrer Arbeit. Ich hoffe, es ist noch im Dezember soweit“, sagt er. Dann sei mit zeitweisen – oft halbseitigen – Straßensperrungen zu rechnen. Immer dann, wenn eine Fällung ansteht.
Akute Gefahren beseitigen
An Waldwegen gilt die Verkehrssicherungspflicht nicht, sagt Henrich. „Die Wege gehören zum Wald. Und in ihm müssen Besucher mit waldtypischen Gefahren rechnen.“ Dazu zählt er Äste, die abbrechen, und Bäume, die umstürzen. „Entdecke ich eine akute Gefährdung, dann wird diese von uns so schnell wie möglich beseitigt.“ Solche Fälle erledigen dann die Forstwirte. Sie beseitigen auch bei Sturm auf Wege gestürzte Bäume.
Vereinzelt legen die Forstwirte auch abgestorbene Bäume im Bestand um, insbesondere Kiefern, weil diese unvermittelt umstürzen und dann die Waldarbeiter gefährden und zudem andere – gesunde – Gehölze beschädigen könnten. Um insbesondere solche gefährlichen Kiefern in größerer Anzahl zu fällen, reiche jedoch die Zeit nicht aus, betont Henrich. „Wir bräuchten noch zwei, drei weitere Waldarbeiter im Revier.“ Vor allem die Bekämpfung invasiver Neophyten erfordere viel Zeit – und wäre mit mehr Personal besser als bisher zu leisten. Das sieht auch die zuständige Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) so. Konkrete Pläne für eine Aufstockung des Personals sind bislang aber nicht bekannt.
Biotopbäume in Gruppen
Vor wenigen Wochen hat der Förster damit begonnen, sogenannte Biotopbaum-Gruppen im Stadtwald zu markieren. „Je drei Hektar Fläche soll es eine solche Gruppe von 15 ökologisch besonders wertvollen Bäumen geben“, erklärt er. Zum einen setze er damit eine Landesvorgabe um, zum anderen sei die Bestimmung von Biotopbäumen eine Forderung des Bundesprojekts „Klimaangepasstes Waldmanagement“. Die Stadt Speyer hat sich jüngst erfolgreich um eine Förderung durch den Bund bemüht.
Beim Ortstermin präsentiert Henrich als Beispiel für eine solche Gruppe eine stattliche Buche mit teils brüchigen Ästen, die von mehr als einem Dutzend jüngeren Eichen, Buchen und Ahornen umstanden ist. „Ich wähle in der Regel eine Mischung älterer und jüngerer Bäume verschiedener Arten aus“, erklärt er. Diese biete Nahrung für Insekten und andere Tiere des Waldes wie Vögel. Die Fällung großer Bäume zur Verkehrssicherung biete auch ökologische Vorteile, so Henrich: „Dadurch wird es am Waldrand lichter, wovon krautige Pflanzen und Sträucher wie das Pfaffenhütchen profitieren. Diesen bieten wiederum Nahrung für Insekten.“
Eine reguläre Holzernte habe er für diesen Winter nicht geplant, so Henrich. Die Bäume, die zur Verkehrssicherung fallen müssten, würden zum einen Teil als Totholz im Wald verbleiben und zum anderen Teil als Brennholz, Industrie- oder Sägeholz verkauft. „Brennholz kann aber nicht mehr neu bestellt werden“, so Henrich. „Die Frist dafür ist abgelaufen.“