Speyer
Feuersbrunst im Weizenfeld: Anwohner berichten von panischer Angst
Asche und verkohlte Halme – das ist übrig von mehr als zwei Hektar Winterweizen, die auf einem Feld im Speyerer Süden in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadtteil Vogelgesang reiften. Tonnenweise Getreide – einfach in Rauch aufgegangen. Auf rund 5000 Euro schätzt Wolfgang Sohn grob den wirtschaftlichen Verlust für seinen Betrieb. Der Ärger des Speyerer Landwirts ist umso größer, weil der Acker eigentlich schon abgeerntet gewesen wäre, als er am Samstagnachmittag auf einmal in Brand geriet. Doch Sohns Mähdrescher streikte, weshalb das Feuer schneller war.
Noch heute hat Andreas Kirschenlohr wackelige Knie, wenn er an diesen Tag zurückdenkt. „Die Flammen waren höher als unser alter Baumbestand, vielleicht 16 oder 17 Meter“, sagt der Inhaber der gleichnamigen Staudengärtnerei am Rand des Baugebiets Vogelgesang. Entlang seines 100 Meter langen Geländes habe eine Flammenwand gestanden: „Das war wirklich irre.“
Weil das Feuer bis auf wenige Meter an seinen Betrieb heranrückte, packte den Gärtnermeister „panische Angst“, dass die Flammen auf sein Hab und Gut überspringen könnten. „Da wäre nichts mehr stehengeblieben, keine Kulturen und keine Gebäude“, ist Kirschenlohr überzeugt. Seine Frau habe bereits Katze und Notfall-Rucksack geschnappt, er selbst schaltete in seiner Hilflosigkeit die Beregnung ein. Gerade, als das Feuer überzugreifen drohte, drehte jedoch der Wind und schob die Flammen weg von der Bebauung gen Feldflur. „Das war Rettung in letzter Sekunde“, sagt Kirschenlohr: „Zum Glück war Feierabend. Mit Kunden auf dem Gelände hätte es eine Panik gegeben.“
Wind spielt entscheidende Rolle
Auch Wolfgang Sohn hatte Glück im Unglück: Sein Gehöft ist nicht weit entfernt. Leicht hätten die Flammen es erreichen können, hätte der Wind sie in dieser Richtung weiter angefacht. „Der Wind hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf Vegetationsbrände“, sagt Peter Eymann. Der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur der Stadt war am Samstag als einer der 34 Angehörigen der Speyerer Feuerwehr im Einsatz, um die Feuersbrunst unter Kontrolle zu bringen. Auch er berichtet von meterhohen Flammenwänden, die glücklicherweise vom auf West drehenden Wind tiefer ins Weizenfeld gedrückt wurden.
Um die angrenzenden Anwesen zu schützen, habe die Feuerwehr dort mit der Brandbekämpfung angesetzt. „Danach haben wir die Flammen nach und nach mit Wasser gelöscht“, berichtet Eymann, der Verständnis dafür hat, dass die Anwohner mit Schläuchen und Regnern zur Selbsthilfe schritten – wenn auch angesichts der Dimension des Brandes mit kaum Aussicht auf Erfolg. „Sehr gut war, dass sie uns eingewiesen haben, als wir mit angekommen sind“, sagt Eymann. Das habe den Einsatz erleichtert. Mit ausgerückt war der Katastrophenschutz, der die Wehrleute ständig mit Wasser versorgte – mit Trinkwasser. Denn bei Hitze und Flammen in einem Schutzanzug zu stecken, sei herausfordernd.
Flammen rasen durch trockenen Bewuchs
Ebenso herausfordernd sei das Löschen eines solchen Flächenbrandes. Gerate dieser außer Kontrolle, hätte man in sicherer Entfernung mit Hilfe von Landwirten und deren Gerät eine Schneise im Boden ziehen müssen, um die Feuerwand zu stoppen, sagt Eymann. So ein Szenario drohe bei sich häufenden Dürremonaten künftig öfter.
„Die Flammen können mehrere Meter in der Sekunde zurücklegen“, erläutert der Feuerwehrchef die Tücke eines Vegetationsbrandes. Funkenflug könne zudem in größerem Abstand zum eigentlichen Feuer weitere Brände entfachen, wenn Boden und Bewuchs so trocken seien wie aktuell.
Ein Problem seien die Glutnester im Untergrund, aus denen heraus immer wieder aufs Neue Brände aufflackern könnten. „Am Samstag mussten wir eine Stunde lang nachlöschen, um das auszuschließen.“ Dabei wurden die Ränder des abgebrannten Feldes fortwährend gewässert. Dass der Brand rasch eingedämmt wurde, lag wohl auch an einer benachbarten Wiese, die nicht ganz so ausgedörrt war und dem Feuer weniger Nahrung bot.
Erst ein Knall, dann lodert das Feuer
Bis es jedoch so weit war, stand eine dichte Rauchwolke über dem Speyerer Süden, die nach Berichten von Augenzeugen bis an die Weinstraße zu sehen war. Ausgebrochen ist das Feuer nach einer ersten Einschätzung der Feuerwehr am Wirtschaftsweg „In der Haingereut“. Die Ursache ist noch unklar, die Kripo ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung. Gärtnermeister Kirschenlohr hat eine Ahnung, wer mit der Sache etwas zu tun haben könnte: Erst sei Kindergelächter zu hören gewesen. Dann habe es einen gewaltigen Schlag getan, „die Scheiben haben gezittert“, sagt Kirschenlohr. Und dann seien auf einmal Kinder in Richtung Vogelgesang gerannt, wobei ein Kind gerufen habe: „Was hast du getan?“
Auch andere Zeugen bestätigen den lauten Knall „wie von einer Explosion“, der den Lohen vorausging. Kirschenlohr vermutet, dass Kinder einen verbotenen Böller gezündet haben, der dann das Getreide in Brand setzte. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz hält sich diesbezüglich bedeckt, bittet aber um Hinweise unter Telefon 0621 963-2773 oder per E-Mail an kiludwigshafen.k1.kdd@polizei.rlp.de.
Feuerwehrchef Eymann bleibt nur, an die Vernunft zu appellieren und in der ausgetrockneten Natur nicht mit Feuer zu hantieren. Doch gegen Schlendrian ist er machtlos. Am Dienstag habe die Feuerwehr auf dem ausgedorrten Rheindamm ein paar Uneinsichtige beobachtet. Sie hatten Einweggrills dabei.