Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wo der neue Förster Simon Henrich Potenzial im Stadtwald sieht

Neuer Förster: Simon Henrich, hier mit Hündin Piva.
Neuer Förster: Simon Henrich, hier mit Hündin Piva.

Simon Henrich sorgt sich, weil ziemlich viele Bäume im Stadtwald krank sind. Dort, wo Gehölze die Verkehrssicherheit gefährden, wird es in den nächsten Wochen Fällungen geben müssen, sagt der neue Leiter des Forstreviers Speyer. Dem 25-Jährigen ist aber nicht bange um die Zukunft des Waldes.

Nach mehr als einjähriger Vakanz hat Simon Henrich Anfang Oktober die Leitung des Forstreviers Speyer übernommen. Sein Vorgänger Uwe Fehr war im Sommer 2022 nach mehr als 30 Dienstjahren in den Ruhestand gegangen. Für den gebürtigen Kaiserslauterer beginnt nicht nur ein neuer Lebensabschnitt, weil es seine erste Stelle als Förster ist. Henrich lernt hier erstmals die Wälder am Fluss, also den Auwald, und auf den Niederterrassen abseits des Rheins die Buchen-Mischwälder näher kennen.

„Ich bin in Kaiserslautern geboren und nicht weit von der Stadt entfernt aufgewachsen. Der Pfälzerwald ist für mich Heimat“, sagt der 25-Jährige. Sein Bezug zum Wald und zur Pfalz ist aber noch aus einem anderen Grund stark: „Mein Vater ist Förster im Forstamt Kaiserslautern und mein Opa war Waldarbeiter“, erzählt Henrich. Um zu sehen, ob auch für ihn selbst die Arbeit in dieser Umgebung das Richtige ist, hat er nach dem Abitur ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) gemacht. Nach dem Motto „das Gute liegt so nah“ absolvierte der junge Mann sein FÖJ im Forstamt seiner Geburtsstadt.

Wie vital sind die Bäume?

Das Schöne am Försterberuf ist es, draußen arbeiten zu können und außerdem die Abwechslung. 40 Stunden in der Woche im Büro zu sitzen, das wäre nichts für mich“, sagt Henrich. Mit zu seinen ersten Aufgaben im Forstrevier Speyer gehört die Beurteilung der Vitalität der Bäume an den Verkehrs- und Waldwegen sowie anderen Stellen, an denen viele Menschen vorbeikommen.

„Viele Bäume sind durch die Trockenheit und Hitze krank. Vor allem Kiefern in der Rheinebene, aber auch zahlreiche Buchen sind betroffen“, erklärt der Förster. Diese Folgen des Klimawandels machen ihm große Sorgen, wie er sagt. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, müssten etliche Bäume gefällt werden, bei manchen werde wohl auch ein Rückschnitt ausreichen.

„Ich schaue mir jeden Baum einzeln an“, unterstreicht Henrich. Dieses Prinzip gelte für ihn sowohl in puncto Verkehrssicherheit als auch bei Durchforstungen in der Fläche. „Ich würde nie zu unseren Waldarbeitern oder einem externen Dienstleister sagen: Jeder zweite Baum muss weg“, betont der Förster. Die Bäume, die gefällt werden sollen, markiere er sorgfältig. Die Holzernte stehe jedoch nicht an erster Stelle bei den waldbaulichen Zielen. Stattdessen bilde diese Art der Nutzung einen Dreiklang mit Naturschutz und Erholung des Menschen.

Wald mit vielen Baumarten besonders „klimafest“

„Die ökologischen Systemleistungen des Waldes sind vielfältig: Holz- und Sauerstoffproduktion, Aufnahme und Speicherung von CO2, Wasserrückhaltung, Lärm- und Staubschutz, Erholungsraum sowie Lebensraum für Pflanzen und Tiere“, zählt der Förster auf. Henrich sieht Entwicklungspotenzial im Speyerer Stadtwald insbesondere nördlich von Bauhaus und Walderholung. „Der Mischwald verträgt noch ein paar mehr Baumarten als vor allem Kiefern und Buchen. Umso artenreicher ein Wald ist, desto klimafester ist er auch“, erklärt er.

„Meine Rolle als Förster besteht darin, zwischen den vielen gesellschaftlichen Interessen in Bezug auf den Wald einen Ausgleich zu schaffen“, sagt Henrich. Was den Wald als Lebensraum betrifft, sehe er seine Aufgabe darin, mehr sogenanntes Totholz in Form abgestorbener Bäume an Ort und Stelle zu belassen. Dort jedenfalls, wo sie keine Gefahr für Waldbesucher darstellen.

Mindestens fünf Biotopbäume pro Hektar

„Mein Ziel ist es, mindestens fünf Biotopbäume pro Hektar zu erhalten. Das sind ökologisch besonders wertvolle, ältere Bäume. Ideal sind Gruppen von rund 15 solcher Bäume pro drei Hektar“, verdeutlicht er. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, werde er Biotopbäume wie andernorts üblich mit einer Wellenlinie in weiß am Stamm markieren.

Was die Erhöhung der Artenvielfalt angeht, setze der Absolvent des Bachelor-Studiengangs Forstwirtschaft an der Hochschule Rottenburg bei Tübingen auf die „natürliche Dynamik“. Das heißt, er will nur im Ausnahmefall Bäume pflanzen. Stattdessen möchte Henrich schauen, welche Arten sich von allein verjüngen und den erwünschten Aufwuchs dann fördern. „Im Waldbau gilt das eiserne Gesetz des Örtlichen: Welche Bäume gedeihen, hängt vom jeweiligen Standort mit seiner Bodenbeschaffenheit und seinem Klima ab“, erklärt er.

Revier könnte wachsen

Sein verpflichtendes Praxisjahr samt Laufbahnprüfung absolvierte Henrich bis Ende September im Forstamt Bad Dürkheim. Weitere Aufgaben werden sich für den Förster durch die Aufstellung der Forsteinrichtung für die Jahre 2025 bis 2035 ergeben. In dieser mittelfristigen Planung wird etwa festgelegt, wie viel Holz welcher Baumarten geerntet wird und wie stark die Holzmenge im Wald zunehmen soll. Bisher hat der hiesige Stadtrat dazu beschlossen, dass in Anlehnung an Lutz Fähsers Lübecker Modell einer naturnahen Waldnutzung ein ebenso nachhaltiges Speyerer Modell entwickelt wird – und dass kein Vollernter (Harvester) mehr für den Holzeinschlag zum Einsatz kommt.

Falls die Revierneuordnung wie geplant umgesetzt wird, dann wächst sein Zuständigkeitsbereich von bisher etwas mehr als 1000 auf rund 1700 Hektar an. Denn unter anderem die Gemeindewälder von Waldsee (140 Hektar), Neuhofen (45 Hektar), Fußgönheim (32 Hektar), der Stadtwald von Ludwigshafen (133 Hektar) sowie mehrere Privatwälder kommen hinzu.

In nächster Zeit wird Henrich noch öfter mit Michael Wittmann, Rainer Baumann und Andreas Weiter, den hiesigen Waldarbeiten, unterwegs sein, um sein Revier besser kennenzulernen. Mit dabei ist immer seine eineinhalbjährige Hündin Piva, ein Deutscher Wachtelhund. Wenn Waldbesucher ihn mit Fragen ansprechen, sei er stets offen dafür, betont der 25-Jährige.

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