Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Diakonissen-Krankenhaus: Gabriele Kappner ist Grüne Dame mit Leib und Seele

Herzenssache: Gabriele Kappner arbeitete 30 Jahre als Klinik-Sekretärin im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus. Jetzt ist sie dort
Herzenssache: Gabriele Kappner arbeitete 30 Jahre als Klinik-Sekretärin im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus. Jetzt ist sie dort ehrenamtlich aktiv.

Gabriele Kappner legt auch im Ruhestand ihre Hände nicht in den Schoß. Seit September ist die 70-Jährige mit Leib und Seele Grüne Dame im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus, seit Januar leitet sie die ehrenamtliche Gruppe, der derzeit 18 Frauen und ein Mann angehören.

„Ich bekomme ganz viel zurück“, erklärt Kappner die Zufriedenheit, die ihr das Ehrenamt gibt. Der Mittwoch ist ihr Präsenztag. Wenn Not am Mann ist, vertritt sie krank gewordene oder urlaubsreife Kollegen auch an anderen Tagen. Voller Dankbarkeit radelt die leidenschaftliche Zweiradfahrerin nach jedem Einsatz zurück nach Dudenhofen, wo sie zu Hause ist.

Bereits ihre Mutter habe zehn Jahre lang als Grüne Dame am Ludwigshafener Klinikum gewirkt, erzählt Kappner. „Ich hatte das Ehrenamt schon lange im Kopf“, sagt sie. Kranken etwas geben zu können, ist ihr wichtig. Weit muss sie nicht gehen von ihrem ehemaligen Arbeitsplatz bis zum Büro der Grünen Damen. Bis 2017 hat Kappner 30 Jahre als Klinik-Sekretärin gelernt, wie das System Krankenhaus funktioniert.

Erst Studium, dann Klinik

Nach ihrem Eintritt in den dritten Lebensabschnitt hat Kappner zunächst ein Senioren-Psychologie-Studium aufgenommen, danach fünf Jahre lang Englisch für Senioren studiert. „Dann war die Zeit reif für die Grünen Damen“, sagt sie. Kappner möchte keinen der Tage missen, an denen sie an Krankenbetten steht, mit Patienten spricht, kleine Besorgungen für sie erledigt, Angst nimmt, schlimme Diagnosen auffängt und kleine Spaziergänge durch den Diakonissen-Park anbietet, wenn die Genesung voranschreitet.

„Wenn ich in ein Zimmer eintrete, weiß ich vorher nie, was mich erwartet“, beschreibt die Grüne Dame immer wieder andere Situationen und Gefühle an jedem Mittwoch zwischen 9 und 12 Uhr. Nicht immer sei es leicht, die richtigen Worte zu finden, sagt Kappner. Die Dankbarkeit für ihre Zuwendung sei häufig spürbar und für sie ein Geschenk, betont sie.

Unterstützung bei Problemen

Vom Krankenhaus geförderte und im Diakonissen-Bildungszentrum angebotene Fortbildungen trügen sie durch Konfliktsituationen und schwierige Gespräche. „Bei besonderem Redebedarf steht uns Krankenhauspfarrer Ulrich Kronenberg zur Verfügung“, weist Kappner darauf hin, dass die Grünen Damen nicht mit Problemen alleine gelassen und vor Überforderung geschützt werden.

Regelmäßige, inzwischen von ihr geleitete Teamsitzungen, machten ihr und den anderen Grünen Damen und dem Grünen Herrn die Begleitung am Krankenbett leichter, ist Kappner überzeugt. Es gibt einen Stammtisch und gemeinsame Mittagessen, berichtet die Grüne Dame von der „tollen Gemeinschaft“, über deren Erweiterung sie sich freuen würde. „Je mehr Grüne Damen und Herren dabei sind, desto mehr Patienten können wir ein Stück auf ihrem Weg begleiten“, erklärt sie die ständige Suche nach weiteren Ehrenamtlern im Krankenhaus.

Von Mitte 50 bis 80 sind die aktuellen Grünen Damen und der Grüne Herr. „Wer pensioniert ist, hat einfach Zeit für ein solches Engagement.“ Kappner bringt viel Verständnis für die Jüngeren auf, denen neben Familie und Beruf die fürs Ehrenamt erforderlichen Stunden fehlen.

Mitstreiter gesucht

„Als Grüne Dame ist mein Leben reicher geworden“, betont sie. Gerne würde sie mit einer zusätzlichen Qualifikation Palliativ-Patienten besuchen und dazu beitragen, ihnen die letzten Tage so erträglich wie möglich machen. Wer die rege 70-Jährige kennt, weiß, dass sie die dafür erforderliche Ausbildung schon bald in der Tasche hat.

An „freien Tagen“ singt die Grüne Dame im „Chorissimo“, dem jungen Chor des Dudenhofener Kirchenchors St. Cäcilia, besucht Theater und Konzerte, betätigt sich sportlich und unternimmt viel mit dem Ehemann. Die digitale Welt scheut Kappner nicht, auch wenn sie sicher ist, „dass künstliche Intelligenz die Grünen Damen nie ersetzen“ wird. Sie bleibt neugierig auf das Leben und die Menschen, die sie jeden Mittwoch im Krankenhaus trifft. Für Langeweile bleibt im Leben von Gabriele Kappner wirklich keine Zeit.

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