Speyer
Das wird von einer Grünen Dame erwartet
Frau Kehl, welche Aufgaben übernehmen Sie in Ihrem Ehrenamt?
Das Wichtigste an unserer Aufgabe ist das Gespräch mit den Patienten. Wir schauen nicht auf die Uhr. Oftmals haben die Patienten das Bedürfnis, über ihre Erkrankung und ihre Sorgen zu reden. Manche erhalten auch keinen Besuch von Angehörigen oder Freunden. Jede von uns Grünen Damen hat ihre eigene Station für Patientenbesuche. In der Regel sind die Patienten nach einer Operation etwa acht bis zehn Tage im Krankenhaus. Wenn es die gesundheitliche Situation der Patienten ermöglicht, begleiten wir sie im Sommer auch in den Garten. Wir lesen ihnen vor oder bieten ihnen an, kleinere Einkäufe zu erledigen. Nach der Pandemie hat sich unserer Gruppe leider ein wenig verkleinert – wir benötigen also dringend Unterstützung. Wir sind ein Team von aktuell sieben Personen und seit Juni wieder jeden Donnerstag im Krankenhaus.
Haben Sie weitere Aufgaben?
Nachdem unsere damalige Teamleiterin aufgehört hat, habe ich diesen Sommer die Gruppenleitung übernommen. Ich teile die Gruppen ein, erstelle die Einsatzpläne, organisiere unsere Besprechungstermine und stehe im Kontakt zu der Pflegedirektorin.
Was ist das Schwierigste daran?
Schwierig würde ich nicht sagen, aber am Anfang war für mich die Bereitschaft neu, auf fremde Menschen zuzugehen und sich auf jeden Einzelnen einzustellen. Denn jeder Mensch ist anders. Ich habe mich also gefragt, wie wird der Patient im ersten Moment auf mich reagieren? Und das ist von Zimmer zu Zimmer unterschiedlich. Es kann auch passieren, dass der jeweilige Patient keinen Kontakt wünscht. Es ist nur der erste Moment, der ein wenig schwierig sein kann, der Rest ergibt sich im Gespräch.
Was war ein besonders kurioses Erlebnis?
Ich kann mich noch an einen Großeinkauf für einen älteren Herren erinnern, der wirklich gar nichts während seines Krankenhausaufenthaltes dabei hatte. Oder an einen jungen Mann aus Österreich, für den ich nach einem Fahrradunfall Fahrrad, Handy und Papiere bei der Polizei abholte. Wir helfen, wenn es nötig ist, auch in solchen Situationen. Während unserer Patientenbesuche ist es besonders schön, wenn die Patienten während des Gesprächs ihre Sorgen vergessen und wir die Trauer etwas lindern können. Manchmal hilft es einfach, zuzuhören.
Warum machen Sie es gerne?
In meiner Rente habe ich eine sinnvolle Aufgabe gesucht und kannte eine Bekannte, die sich schon lange als Grüne Dame engagierte. Ich bin einfach mal probeweise mitgelaufen und fand es toll! Mittlerweile bin ich seit zehn Jahren dabei und freue mich auf jeden Donnerstagmorgen. Ich merke, dass die Gespräche auch mir gut tun.
Wissen die Menschen Ihren Einsatz zu schätzen?
Ja – die Patienten freuen sich, dass wir da sind und uns die Zeit nehmen können. Sie sind immer sehr dankbar und froh darüber. Es tut ihnen einfach gut.
Was macht Ihr Ehrenamt besonders?
Das Besondere ist, die Bereitschaft zu haben, sich Zeit zu nehmen. Für mich ist auch der Kontakt mit verschiedenen Menschen eine Bereicherung. Ich lerne viel dazu, das finde ich toll. Ich erlebe viele freudige Momente, erfahre aber auch private Schicksale. Jedes Gespräch ist unterschiedlich.
Welchen Tipp haben Sie für Anfänger?
Als Grüne Dame oder Grüner Herr sollte man auf jeden Fall zuverlässig, herzlich, kontaktfreudig und absolut verschwiegen sein. Am Anfang läuft man erst einmal mit und kann sich einen Eindruck von unserer Arbeit machen. Man muss es einfach selbst ausprobieren. Wenn es einem liegt, bleibt man dabei. Wenn nicht, ist das auch okay. Wer Interesse an dem Dienst hat, kann sich gerne über die Pflegedirektion des St.-Vincentius-Krankenhauses melden. Ich setze mich dann mit den Interessenten in Verbindung.
Zur Person
Gudrun Kehl (76) engagiert sich seit 2012 als Grüne Dame ehrenamtlich im St.-Vincentius-Krankenhaus. Im Sommer diesen Jahres hat sie deren Gruppenleitung übernommen. In ihrer Freizeit ist sie gerne auf Reisen, ist in drei Sportgruppen aktiv, liest und unternimmt Radtouren im Sommer.