Schwegenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Ausbruch: Kreis widerspricht Vertuschungsvorwürfen

Corona-Test mit Abstrichstäbchen: Von den Massentests lagen der Kreisverwaltung am Dienstag keine positiven Ergebnisse vor.
Corona-Test mit Abstrichstäbchen: Von den Massentests lagen der Kreisverwaltung am Dienstag keine positiven Ergebnisse vor.

Der Corona-Ausbruch in der Freien Evangeliumschristen-Gemeinde in Schwegenheim zieht weiter Kreise: Ab Mittwoch findet auch in der Grundschule in Lingenfeld und in der Richard-von-Weizsäcker-Realschule plus in Germersheim vorsichtshalber kein Unterricht mehr statt. Derweil wird die Kreisverwaltung für ihre Kommunikation und die Test-Strategie kritisiert. Außerdem sorgen Beobachtungen rund um die Hochzeit bei der Glaubensgemeinschaft für Gerüchte.

Die Schulen bleiben zu, weil sie von Kindern aus Familien mit Corona-Infizierten besucht wurden. Die Kreisverwaltung will nicht warten, bis die Test-Ergebnisse der Kinder vorliegen. Die Behörde verfolgt damit die Strategie der „kleinen Lockdowns“, wie es Landrat Fritz Brechtel (CDU) nannte. Er will der Lage angepasst handeln und bei steigenden Fallzahlen nicht automatisch „den ganzen Landkreis schließen“. Das bedeutet, dass Einrichtungen geschlossen werden – entweder, wie beschrieben, als Vorsichtsmaßnahme, wie bereits am Dienstag die Grundschule in Schwegenheim und die Realschule plus in Lingenfeld, oder wenn Personen, die positiv getestet wurden, dort waren – wie im Fall der Schwegenheimer Kita.

Dorthin konnten Eltern am Montag freiwillig ihre Kinder bringen, um sie auf das Virus testen zu lassen. Michael Peroutka, Vater eines Kita-Kindes, kritisierte, dass dieser Test freiwillig war und dass nicht alle Eltern getestet wurden. Er fürchtet, dass nicht alle Eltern ihre Kinder haben testen lassen. Die Zahlen bestätigen dies. Die Kita besuchen 202 Kinder, am Montag wurden laut Kreisverwaltung rund 170 Kinder getestet. Kreissprecherin Astrid Seefeldt erklärte auf Anfrage, dass es immer schwer sei, eine Maßnahme juristisch zu erzwingen. Die Kreisverwaltung habe auf Freiwilligkeit gesetzt, um ein Verständnis für den Test zu schaffen. Damit könne mehr erreicht werden, findet Seefeldt. Die Testuntersuchungen bezeichnete die Kreissprecherin als „Vorsichtsmaßnahme“, weil die Kita-Kinder nicht automatisch als Kontaktperson der ersten Kategorie gelten. Dies ist man zum Beispiel, wenn man mit einem Infizierten zusammenlebt. Aus diesem Grund seien auch nicht gleich alle Eltern getestet worden. Sollte sich nun herausstellen, dass Tests von den am Montag untersuchten Kindern positiv seien, müsste entschieden werden, wie mit den Kindern umgegangen wird, die nicht getestet wurden.

„Früher informieren“

Außerdem wirft Michael Peroutka der Kreisverwaltung Vertuschung und Beschwichtigung vor. Er findet, dass die Behörde sofort hätte informieren müssen, als der erste Fall bei der Glaubensgemeinschaft bekannt wurde. Die Eltern wurden am Sonntag von offizieller Seite informiert, am Samstagabend wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht. Hätte er es sofort gewusst, dann hätte er sein Kind nicht mehr in die Kita geschickt, sagt der Vater. „Für die Eltern hängen viele Dinge daran“, machte er deutlich und verwies auf seinen Arbeitgeber und den geplanten Urlaub. Kreissprecherin Seefeldt will den Vorwurf nicht stehen lassen. Der Behörde seien am Donnerstag zwei neue Corona-Fälle bekannt geworden, erst im Zuge der Nachverfolgung habe eine Verbindung zur Glaubensgemeinschaft hergestellt werden können. Diese Ermittlungsarbeit benötige Zeit. Die dringende Notwendigkeit, früher zu informieren, sei vorher nicht festgestellt worden, sagte Seefeldt.

Keine weiteren Fälle

Im Kreis Germersheim wurden am Dienstag, Stand 14 Uhr, keine weiteren Corona-Fälle bekannt. Die Kreisverwaltung weiß von 28 Infizierten, 27 haben eine Verbindung zur Freien Evangeliumschristen-Gemeinde. Die weitere Person ist ein Rückkehrer aus der Türkei. Alle positiv getesteten Personen und deren ermittelten Kontaktpersonen – rund 100 – seien in Quarantäne.

Von den Massentests an der Kita in Schwegenheim und in einer Firma, in der ein Infizierter arbeitete, lagen der Kreisverwaltung am Dienstag keine positiven Ergebnisse vor. Die Evangeliumschristen-Gemeinde hat ihre Mitglieder aufgerufen, sich testen zu lassen. Bei einer Hochzeitsfeier am Samstag wurden rund 100 Menschen getestet, am Montag waren es noch einmal 40. Einen weiteren Überblick, wie viele Gläubige sich testen lassen, kann die Kreisverwaltung nicht geben, weil die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft sich auch bei ihrem Hausarzt untersuchen lassen könnten und außerdem nicht nur im Kreis Germersheim lebten, erklärte Seefeldt.

Da die Glaubensgemeinschaft auch Mitglieder in anderen Landkreisen und Städten hat, ist es möglich, dass auch dort die Corona-Fallzahlen steigen. Im Rhein-Pfalz-Kreis wurden am Dienstag, Stand 15 Uhr, drei neue Infizierte bekannt. Kreissprecher Tilo Meinke konnte auf Anfrage nicht sagen, ob diese eine Verbindung zur Evangeliumschristen-Gemeinde haben. Er will erst am Mittwoch zu diesem Thema informieren.

Gerüchte über Hochzeit

Derweil sorgen Beobachtungen, die am Samstag rund um die Hochzeit bei der Glaubensgemeinschaft im Gebäudekomplex an der B9 gemacht wurden, für Gerüchte. RHEINPFALZ-Leser Jürgen Mutschler berichtete, dass im Dorf die Rede davon sei, dass mehr als 200 Menschen dort gefeiert hätten und vier Polizeiautos vor Ort gewesen seien. Kreissprecherin Seefeldt widersprach dieser Behauptung. Die Kreisverwaltung könne anhand der geführten Teilnehmerliste ausschließen, dass mehr als der erlaubten 100 Personen an der Feier teilgenommen haben. Auch ein Polizeisprecher widersprach auf Anfrage der Darstellung, dass am Samstag vier Polizeiautos vor Ort waren. Die Polizei sei dort mit einem Fahrzeug, das immer mal wieder vorbeigekommen sei, Streife gefahren und habe von nachmittags bis 21 Uhr lediglich das Verkehrsaufkommen überwacht. Dieses sei der erlaubten Besucheranzahl der Hochzeit angemessen gewesen, sagte der Polizeisprecher.

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