Speyer
Brand in der AfA: Bewohner in „psychischer Ausnahmesituation“
„Der Mann hatte Glück, dass ihn die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes aus dem Zimmer gezogen haben“, sagt Peter Eymann: „Bei Rauchgas genügen wenige Atemzüge, um das Bewusstsein zu verlieren.“ Danach sei es „nicht mehr weit“ bis zum Tod, weiß Speyers Feuerwehrchef. Als die Sicherheitskräfte am Samstagabend das Feuer in einem Raum der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in der Kurpfalzkaserne bemerkten, dorthin eilten, den Bewohner bargen und erste Löschversuche unternahmen, hätten sie „mutig und gut“ gehandelt, lobt der städtische Brand- und Katastrophenschutzinspekteur. Ihr beherztes Eingreifen habe „Schlimmeres verhindert“, ist Eymann überzeugt.
„Sie konnten das Feuer zwar nicht löschen, aber sie haben es eingedämmt“, schildert Eymann die brenzlige Situation in der Landeseinrichtung für Geflüchtete, die von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) mit Sitz in Trier betrieben wird und in der aktuell 593 Schutzsuchende untergebracht sind. Kurz nach 21 Uhr sei der Brand des Zimmers, das ein 30-Jähriger allein bewohnte, dank der Brandmeldeanlage entdeckt worden. Deren Signal laufe nicht nur in der Feuerwache auf, sondern auch an direkt der Pforte der AfA, so dass die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes unmittelbar über den möglichen Brandort informiert würden.
Nur geringer Sachschaden
Die Feuerwehr, die mit 26 Einsatzkräften anrückte, habe die Flammen rasch unter Kontrolle gebracht, so Eymann. In Mitleidenschaft gezogen worden sei lediglich das Zimmer des 30-Jährigen: Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 5000 Euro. Der Raum sei für die Ermittlungen der Polizei versiegelt, teilt die ADD auf Anfrage mit: „Weitere Zimmer sind nicht betroffen und konnten auch nach Abschluss aller Maßnahmen wieder durch die Bewohner bezogen werden.“ Hilfreich sei bei dem Einsatz gewesen, dass die Zimmer in der AfA voneinander abgetrennt und nur spärlich möbliert seien, berichtet Eymann. Daher würden sie nur eine geringe Brandlast bergen, ein Feuer könne sich in der Regel nicht rasch ausbreiten.
Nach Angaben der Feuerwehr wurden sechs Angehörige des Sicherheitsdienstes bei dem Vorfall leicht verletzt. Die ADD spricht von drei Sicherheitsmitarbeitern, die „vorsichtshalber wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung“ in einem Krankenhaus untersucht und wieder entlassen worden seien. Ins Krankenhaus kam auch der zunächst als schwer verletzt eingestufte Zimmerbewohner.
Ermittlungen gegen Bewohner
Laut Polizei konnte der 30-Jährige das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Gegen ihn werde wegen fahrlässiger schwerer Brandstiftung ermittelt, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Was genau zum Brand geführt habe, müsse noch ermittelt werden. Offenbar habe sich der Mann, der allein in seinem Zimmer war, jedoch in einer „psychischen Ausnahmesituation“ befunden. Darauf deuteten die „Gesamtumstände“ hin, so der Polizeisprecher, ohne Details zu nennen. Wie lange der 30-Jährige bereits in der AfA Speyer lebte, dazu machte die ADD „aus datenschutzrechtlichen Vorgaben“ keine Angaben.
Die Trierer Behörde will den Brand aufarbeiten und eventuell ihr Sicherheitskonzept für die AfA Speyer anpassen. Brände in rheinland-pfälzischen Erstaufnahmeeinrichtungen seien selten, betont die ADD: „In den letzten Jahren waren es zwei Vorfälle, die jedoch auch durch den Sicherheitsdienst gelöscht werden konnten.“ Im Mai 2024 hatte ein Geflüchteter in seinem Zimmer in der AfA Kusel Feuer gelegt, Ende 2003 richtete ein Feuer in der Kantine der AfA Kusel großen Schaden an. Den Brand soll ein 25-jähriger Syrer gelegt haben, dessen Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung das Landgericht Kaiserslautern anordnete.
Für die Speyerer Brandbekämpfer ist die AfA kein besonderer Einsatzschwerpunkt. „Zumindest 2025 war bisher sehr ruhig“, sagt Feuerwehrchef Peter Eymann. Einen Alarm könne es immer wieder mal geben, etwa weil Bewohner, die noch nicht mit dem Prinzip von Brandmeldeanlagen vertraut seien, in den Zimmern rauchten oder etwas kochten. Allerdings kam auch schon vor, dass ein Alarm vorsätzlich ausgelöst wurde.