Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Alter Standort, neue Ideen: Wie es mit Kaufhof in Speyer weitergeht

Gerettet: Doch wie geht es konkret weiter mit der Kaufhof-Filiale? Fest steht: Ins Gebäude und in die Präsentation der Waren mus
Gerettet: Doch wie geht es konkret weiter mit der Kaufhof-Filiale? Fest steht: Ins Gebäude und in die Präsentation der Waren muss investiert werden. Und eine noch unbekannte Anzahl Arbeitsplätze fällt weg.

Monatelang stand auf der Kippe, ob der Speyerer Standort des Warenhaus-Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof erhalten bleibt. Seit klar ist, dass es am Altpörtel weitergeht, glätten sich die Wogen. Der neue Filialleiter Niko Rauch will nach vorn schauen – aber auch seine Lehren aus der Vergangenheit ziehen.

Seine Anfangsmonate in Speyer hätten durchaus etwas weniger turbulent ausfallen dürfen. „Das war schon eine belastende Zeit“, sagt Niko Rauch. Seit dem 1. Februar leitet der 32-Jährige die Kaufhof-Filiale am Altpörtel. Übernommen hat er die Führungsposition quasi mitten im Insolvenzverfahren, in dem die Zukunft des Essener Handelskonzerns Galeria auf der Kippe stand – und auch die Zukunft der Niederlassung in der Domstadt mit ihren etwas mehr als 50 Beschäftigten.

„Aber wir hatten alle stets die Zuversicht, dass Kaufhof in Speyer erhalten bleibt“, betont Rauch. Der Standort gelte innerhalb des Konzerns als „Schmuckkästchen“, das auch von den zahlreichen Tagestouristen profitiert: „Wir arbeiten hier sehr profitabel und erfahren viel Zuspruch von unseren Kunden.“

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„Ich bin Speyer-Fan“

Insofern war es für Rauch kein „Himmelfahrtskommando“, als er Anfang des Jahres vom Posten des Kaufmännischen Leiters am Galeria-Standort Mannheim in die Domstadt wechselte. Eher eine Herzensangelegenheit. „Ich bin ein Speyer-Fan“, bekennt Rauch, der selbst aus dem Ruhrgebiet stammt und mit seiner Familie im kurpfälzischen Ladenburg wohnt, das mit Speyer das römische Erbe ebenso teilt wie die Lage am Fluss. Die Stadt sei schön, die Verbundenheit der Bevölkerung mit „ihrem“ Kaufhof groß.

Niko Rauch
Niko Rauch

Das habe man in der Zeit des Bangens gespürt, als viele Menschen aus Speyer und Umland dem Warenhaus an der Maximilianstraße die Daumen drückten – bis Mitte März schließlich die erlösende Nachricht kam, dass der hiesige Kaufhof als letzter Standort in der Pfalz weitermachen darf.

Mehr Präsenz zeigen

Nun gelte es, „den Blick in die Zukunft zu richten“ und „den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt Rauch. Formulierungen wie aus dem Management-Wörterbuch, die sich aus seinem Mund jedoch bodenständiger anhören. Rauch will aktiv das Gespräch mit den Akteuren vor Ort suchen und das traditionsreiche Kaufhaus wieder stärker ins lokale Geschehen einbinden. Die Geschäftswelt hat dies bereits wohlwollend registriert. Endlich leite wieder jemand den Kaufhof, der richtig Lust darauf habe, im Speyerer Handel etwas zu bewegen, heißt es. Man hoffe darauf, dass das Warenhaus künftig wieder Präsenz zeige bei gemeinsamen Aktionen, die Kunden anlocken sollen.

Dass Kaufhof als Warenhaus neue Wege gehen muss, weiß Rauch. Seine Kunden beschreibt er als „treu“ und eher „traditionell“, aber auch als auf der Suche nach einem „Gesamterlebnis“, von dem das Einkaufen nur ein Teil sei. Daher wolle er die Filiale „weiterentwickeln“, betont der Vater zweier vier Jahre und ein Jahr alter Kinder.

Grill-Events und Schulranzen-Party

Als Beispiel nennt er kleine Veranstaltungen mit lokalen Kooperationspartnern. „Kürzlich hatten wir beispielsweise ein Gin-Tasting mit einem regionalen Produkt. Das kam sehr gut an.“ In diesem Bereich könnte er sich mehr vorstellen: Grill-Aktionen. Schulranzen-Markt. Mehr Unterhaltung. „Wir wollen uns regionaler ausrichten“, sagt Rauch. Regionale Erzeugnisse könnten eine Möglichkeit sein.

Wichtig sei ihm, Dinge „spielerisch“ auszuprobieren, zu schauen, was der Speyerer Kunde speziell wünsche – und dann darauf zu reagieren. Das sei auch Teil des generellen Umstrukturierungskonzepts von Galeria: Die einzelnen Standorte unterscheidbarer zu machen. Dazu gehöre ein überarbeitetes Sortiment. Dazu gehöre ebenfalls, die Ware anders zu präsentieren, zeitgemäßer, mit einem neuen Lichtkonzept, attraktiveren Fensterfronten, etwas „luftiger“. Auf den rund 6800 Quadratmetern gehe es bisweilen schon beengt zu, gesteht der Filialleiter. Der Expertise der Mitarbeiter will er mehr Gehör schenken: „Die kennen ihre Kunden schließlich am besten.“

Die Konzernzentrale und Günther Drees, der Eigentümer der Immobilie, haben im Zuge des Anfang Juni beendeten Insolvenzverfahrens zugesichert, in das Gebäude zu investieren. Wann der Umbau startet und was genau gemacht wird, weiß Rauch nach eigenem Bekunden noch nicht. Aber modernisiert werden müsse das in die Jahre gekommene Haus.

Kommt Cafeteria zurück?

Vorrangigen Umgestaltungsbedarf erkennt er im Haushaltswaren-Bereich im Untergeschoss. Derzeit modernisiere man die Logistik im Gebäude. Ob die von Kunden oft gewünschte Cafeteria wiederkommt, dazu will sich Rauch nicht äußern. Ausschließen will er es nicht, in bereits umgebaute Filialen seien mitunter Bistros integriert worden.

Sich selbst sieht Rauch als „Flächenmensch“, als jemanden, der nah dran ist am Kunden: „Ich versuche, zwei Drittel meiner Zeit auf der Verkaufsfläche zu verbringen.“ Seit seiner Ausbildung im Kaufhof im nordrhein-westfälischen Witten – der Filiale Speyer vergleichbar – sei er „lieber draußen als drinnen. Ich habe das Warenhaus-Geschäft von der Pike auf gelernt. An meinem ersten Arbeitstag habe ich Schleich-Figuren ausgepackt und aufgestellt. Eine Heidenarbeit, weil man aufpassen muss, dass sie nicht gleich wieder umfallen“, erinnert sich Rauch.

Ein ähnliches Fingerspitzengefühl wird der Familienvater beweisen müssen, wenn sein Haus nun notgedrungen Arbeitsplätze abbauen muss. Denn auch dies ist Teil des Sanierungsplans. Wie viele der vor allem Kolleginnen es treffen wird? Rauch bleibt vage: „Dazu laufen Gespräche mit dem Betriebsrat.“ Der Neustart werde Zeit benötigen, bittet er um Verständnis. Als begeisterter Läufer setzt Rauch darauf, den genügend langen Atem zu haben.

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