Einzelhandel
Kaufhof: 52 Filialen müssen schließen, Speyer nicht
Für die einen war es eine Schreckensnachricht, für die anderen eine frohe Botschaft: Am Montag hat der Galeria-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz eine Liste jener Kaufhof-Standorte vorgelegt, von denen sich der Warenhaus-Konzern trennen will. Die Aufstellung umfasst 52 der noch bestehenden 129 Filialen, die einzig verbliebene Pfälzer Niederlassung in Speyer ist jedoch nicht darunter.
Die Nachricht wurde in der Domstadt mit großer Erleichterung aufgenommen: „Es sind auch viele Tränen geflossen“, sagte Niki Blum, Vorsitzender des Kaufhof-Betriebsrats in Speyer, der RHEINPFALZ. Um die Mittagszeit seien Geschäftsführung und Betriebsrat über die Beschlüsse der Essener Galeria-Zentrale in Kenntnis gesetzt worden, um 14 Uhr wurden dann auch die Beschäftigten informiert.
„War eine ganz schlimme Zeit“
Die rund 60 Mitarbeiter der Filiale am Altpörtel seien ungeheuer erleichtert, und „einfach nur froh, dass die Hängepartie vorbei ist. Das war eine ganz schlimme Zeit für uns als Beschäftigte, aber auch für mich als Betriebsrat“, sagte Blum mit Blick auf die Monate seit Ende Oktober 2022. Damals hatte Galeria Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.
Beinahe umgehend setzten Spekulationen darüber ein, welche und wie viele Standorte des Unternehmens bestehen bleiben könnten. Für das Speyerer Kaufhaus – mit 6500 Quadratmetern Fläche ein eher kleiner Standort im Konzern-Portfolio – schien die Zeit abgelaufen. Dass es dennoch weitergeht, ist für Blum Bestätigung dafür, dass die Filiale in der Maximilianstraße profitabel wirtschaftet: „Ich bin sicher, dass wir unsere Miete bezahlen können.“
Zwischenzeitlich stand im Raum, dass der Online-Versandhändler buero.de 47 Kaufhof-Niederlassungen, darunter Speyer, übernehmen und als eigene Marke weiterbetreiben könnte. Fachleute hatten jedoch bezweifelt, dass der Büroartikel-Vertrieb die nötige Expertise mitbringe. Zuletzt hatte sich der Eigentümer der Speyerer Kaufhof-Immobilie, einer Vermögensverwalter aus dem rheinhessischen Oestrich-Winkel, gegenüber der RHEINPFALZ zuversichtlich gezeigt, dass Kaufhof in der Domstadt bleiben werde. Er hatte sich auch zu Zugeständnissen gegenüber dem Konzern und zu Investitionen ins Gebäude bereiterklärt.
Wie es nun genau am Altpörtel weitergeht, ob es doch noch zu Einschnitten beim Personal kommt oder wann mögliche Änderungen des Verkaufskonzepts umgesetzt werden, steht laut Betriebsratschef Blum noch nicht fest: „Dazu haben wir noch nichts gehört.“ Dem Vernehmen nach sollen die verbleibenden 77 Filialen, voraussichtlich ab Sommer, in den kommenden drei Jahren umfassend modernisiert werden. Sie sollen auch mehr Eigenständigkeit bei der Gestaltung des Sortiments erhalten, um stärker auf regionale Bedürfnisse eingehen zu können.
Gläubigerversammlung muss entscheiden
In Zukunft will sich Galeria vor allem auf die Bereiche Bekleidung, Schönheitspflege und Wohn-Accessoires konzentrieren. Bei der Gestaltung ihres Sortiments sollen die Filialen außerdem mehr Eigenständigkeit erhalten. Mit Blick auf das geplante Maßnahmenpaket sagte Galeria-Chef Miguel Müllenbach: „Das Warenhaus in Deutschland hat damit eine Zukunft.“ Allerdings muss vor dem Neustart noch die Gläubigerversammlung am 27. März in Essen grünes Licht dafür geben. Lehnt sie den Insolvenzplan ab, droht dem Unternehmen das sofortige Aus.
Die Gedanken der Speyerer Kaufhof-Beschäftigten seien bei den Kolleginnen und Kollegen der 52 Standorte, die geschlossen werden sollen, sagte Blum. Diese Nachricht sei ein „sehr, sehr schmerzhaft“. Akzeptiert die Gläubigerversammlung die Streichliste der Konzernspitze, werden in einer ersten Welle bis zum 30. Juli 21 Filialen dichtgemacht, auch diejenige in Saarbrücken. Weitere 31 schließen bis zum 1. Januar 2024 ihre Pforten, darunter das traditionsreiche Warenhaus am Heidelberger Bismarckplatz.
Auch Filialen in Mannheim und Karlsruhe bleiben
Erhalten bleiben neben Speyer alle anderen fünf rheinland-pfälzischen Kaufhäuser in Mainz, Koblenz, Trier (zwei) und Bad Kreuznach. „Die verbleibenden Filialen haben eine tragfähige wirtschaftliche Perspektive“, so der Galeria-Generalbevollmächtigte Geiwitz. Auch die Niederlassungen am Mannheimer Paradeplatz (Kaufhof) sowie in Karlsruhe (Karstadt) bleiben demnach unter dem Dach von Galeria am Markt.
Nach Angaben des Gesamtbetriebsrats würden „weit über 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren“, nicht nur in den Filialen, die schließen müssten, sondern auch in den übrigen. Geplant seien zudem Verkleinerungen von Verkaufsflächen sowie ein Personalabbau in der Konzernzentrale. Galeria selbst sprach am Montag von mehr als 4000 Betroffenen. Sie sollen das Angebot erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich für eine neue Stelle weiter zu qualifizieren.