Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kaufhof in Speyer bleibt: „Ein Glücksfall für die Innenstadt“

Beschluss gefasst: Die Lichter in der Speyerer Kaufhof-Filiale gehen doch nicht aus.
Beschluss gefasst: Die Lichter in der Speyerer Kaufhof-Filiale gehen doch nicht aus.

Dass der Kaufhof am Altpörtel seine Pforten nicht schließen muss, sorgt in Speyer für Erleichterung und Freude. Und manch einer wagt schon einen optimistischen Blick in die Zukunft. Dabei geht die Arbeit jetzt erst los, mahnen kritische Stimmen.

Peter Bödeker ist ein riesengroßer Stein vom Herzen geplumpst, als er am frühen Montagnachmittag die frohe Kunde vernahm: Der Kaufhof bleibt in der Domstadt. Die Filiale am Altpörtel gehört nicht zu den 52 Standorten, die der Essener Handelsriese Galeria Karstadt Kaufhof noch in diesem Jahr dichtmacht. Am Montag hatte der Konzern, der in einem Insolvenzverfahren steckt, tiefe Einschnitte angekündigt. Von 129 Filialen bleiben demnach nur 77 erhalten, bis zu 5000 Arbeitsplätze könnten wegfallen. Im Warenhaus an der Maximilianstraße allerdings gehen die Lichter nicht aus.

„Das ist ein Glücksfall für die ganze Innenstadt“, sagt Schuh- und Modehändler Bödeker, zugleich Sprecher der lokalen Geschäftswelt, die sich in der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ zusammengeschlossen hat. Er ist erleichtert, „dass die Hängepartie endlich vorbei ist“ – und einen für den örtlichen Einzelhandel guten Ausgang nahm. Denn der Kaufhof sei durch die Breite seines Sortiments ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Frequenzbringer für den Handel zwischen Postplatz und Domnapf.

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Auch in der Stadtspitze ist die Erleichterung über das positive Votum aus Essen groß. „Das sind ausgezeichnete Neuigkeiten“, lässt sich Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) vernehmen. Nun gelte es, „den Standort zukunftsfähig auszurichten, damit das Warenhaus mit Tradition noch lange unverzichtbarer Teil der Einkaufsstadt ist“.

Wagner: Bevölkerung hat mitgeholfen

„Ein Sprichwort sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt“, merkt Michael Wagner an. Auch in seiner Stimme mischt sich Erleichterung mit Freude. Der CDU-Landtagsabgeordnete hatte mit seinem Parteifreund, dem Bundestagsabgeordneten Johannes Steiniger, Anfang November die Initiative ergriffen und das Gespräch mit der Galeria-Spitze gesucht. Ende Dezember kam es tatsächlich zustande. „Danach hatten wir ein positives Gefühl für den Erhalt des Standorts Speyer“, berichtet Wagner rückblickend. Die „große Anteilnahme aus der Bevölkerung“ habe zur Entscheidung für die Domstadt beigetragen, glaubt Wagner und nennt unter anderem die von der Gewerkschaft Verdi veranstaltete Kundgebung am 28. Dezember vor dem Kaufhof. „Engagement und Solidarität zeigen Wirkung“, ist Wagner überzeugt. Für die Beschäftigten sei die Nachricht ein Segen: „Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei.“

Tragfähige Lösungen gefordert

Ganz so optimistisch ist Isabel Mackensen-Geis nicht. Die Bundestagsabgeordnete (SPD) ist zwar „sehr froh, dass die zahlreichen Gespräche und Aktionen“ der Bürger „dazu geführt haben, dass der Aufsichtsrat von Galeria Kaufhof einen besonderen Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Filiale in Speyer geworfen hat“. Doch nun müsse man sich das Sanierungskonzept genau anschauen und abwarten, „wie die Gläubigerversammlung dieses aufnimmt“, gibt Mackensen-Geis zu bedenken. Die kommt erst am 27. März zusammen und muss die Pläne der Galeria-Geschäftsführung absegnen. „Bis dahin bin ich verhalten optimistisch, dass am Ende die Filiale und damit der überwiegende Teil der Speyerer Arbeitsplätze erhalten werden kann“, sagt Mackensen-Geis. Her müssten nun tragfähige Lösungen, „damit die Beschäftigten in absehbarer Zeit nicht wieder um ihre Jobs bangen müssen“.

Peter Bödeker denkt sogar noch ein Stück weiter. Er wünscht sich, dass sich künftig der Kaufhof wieder wie früher an gemeinsamen Aktionen der örtlichen Geschäftswelt beteiligt. Aber nicht nur den Galeria-Konzern sieht Bödeker in der Verantwortung, auch die anderen Filialisten von Handelsketten müssten sich mehr einbringen, fordert er. Eine Beleuchtung der Schaufenster und Fassaden in der Hauptstraße bis 21 oder 22 Uhr könnte ein erster Schritt sein. Wichtig sei, dass auch Dom und Altpörtel wieder angestrahlt würden. Überhaupt bedürfe es nun einer gemeinsamen Anstrengung, um Speyer als Einkaufsstadt besser zu positionieren: „Wir müssen gute Gastgeber sein mit breitem Angebot, mit Parkplätzen, Service und Gastronomie.“ Dann sei er optimistisch für die Zukunft.

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