Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Schaeffler: 292 Stellen sollen wegfallen, Werk am Zunderbaum offenbar vor der Schließung

Bedroht: die Schaeffler-Betriebsstätte am Homburger Zunderbaum.,
Bedroht: die Schaeffler-Betriebsstätte am Homburger Zunderbaum.,

In den vergangenen Monaten wurden bereits zehn Prozent der Arbeitskräfte am Schaeffler-Werksstandort Homburg abgebaut. Als Folge der neuen drastischen Sparmaßnahmen, die die Konzernleitung in Herzogenaurach am Mittwoch verkündet hatte, sollen in Homburg jetzt weitere 292 Stellen bei Schaeffler wegfallen. Die Homburger Betriebsstätte am Zunderbaum steht offenbar vor der kompletten Schließung. Betriebsrat und IG Metall wollen Widerstand leisten.

Auf internen Mitarbeiterversammlungen an zwei der drei Homburger Schaeffler-Betriebsstätten informierte die Firmenspitze am Donnerstag, 10. September, die Früh- und die Mittagsschicht. Versammlungsorte waren die Werke im Gewerbegebiet Zunderbaum und in der Hasenäckerstraße in Erbach. Der dritte Homburger Standort des Unternehmens befindet sich im Erbacher Industriegebiet unweit von Michelin und Bosch. Nach Angaben von Ralf Reinstädtler, Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall, wurde in den Versammlungen gesagt, dass Schaeffler sich von seiner Sparte Kugelfertigung trennen und diese Produkte künftig von außen einkaufen wolle. Die Kugelfertigung ist das Metier der Betriebsstätte Zunderbaum; diese sei organisatorisch eng verwoben mit der Fabrik in der Hasenäckerstraße.

Derzeit hat Schaeffler in Homburg noch 2500 Beschäftigte. Deren Zahl, so Reinstädtler, soll sich nach den Vorstellungen der Arbeitgeberseite nun um 292 verringern.

„Schlag in die Magengrube“

Der Gewerkschafter: „Die angekündigte Schließung des Standorts am Zunderbaum ist eine eiskalte Entscheidung und ein harter Schlag in die Magengrube aller Mitarbeiter in Homburg. Der Zunderbaum, als jüngster Standort und feste Größe im Homburger Unternehmensverbund, ist ein eigenständiges Werk und ein wichtiges Standbein im Bewusstsein aller Homburger Beschäftigten. Eine Werksschließung ist immer radikal und in den meisten Fällen endgültig.“ Gemeinsam mit den Beschäftigten werde die IG Metall „in den nächsten Tagen und Wochen gegen die Planungen Widerstand leisten und sachgerechte Zukunftslösungen fordern“.

Homburgs Bürgermeister Michael Forster (CDU) setzte am 10. September auf die Unterstützung des Stadtrats, „wenn es darum geht, notwendige Schritte einzuleiten“. Forster zeigte sich ob der schlechten Nachrichten dieser Tage über Schaeffler und Bosch-Rexroth überrascht. Er kündigte Gespräche mit den Werk- und Konzernleitungen sowie den Betriebsräten an.

Verlust an Innovationskraft?

Die Gewerkschaft wirft dem Schaeffler-Vorstand vor, mit seinen Planungen die Zukunftsfähigkeit des Homburger Standorts zu gefährden. Die Mobilitätswende und der technologische Umbau in der Fahrzeugindustrie könnten nur gemeinsam mit den Beschäftigten bewältigt werden. Reinstädtler: „Mit dem beabsichtigten Kurswechsel wird Schaeffler massiv an Innovationskraft verlieren und in der fortschreitenden Transformation unternehmerisch scheitern.“ Statt Arbeitsplatzabbau und Standortschließungen solle man lieber auf Zukunftskonzepte setzen. An den Vorstand erging der Appell, die eingeleiteten Planungen zum „Maßnahmenpaket“ sofort auf Eis zu legen.

x