Dudenhofen
Zwergzebus als Landschaftspfleger
Auf einer Streuobstwiese zwischen Dudenhofen und Hanhofen überwucherten kürzlich noch Brombeeren und Brennnesseln weite Bereiche. Dadurch drohten die auf dieser Fläche des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Dudenhofen erwünschten Gräser und Kräuter immer weiter zurückgedrängt zu werden. Was europäische Rinder und auch viele andere heimische Wiederkäuer wie etwa Schafe verschmähen würden, haben sich acht Zwergzebus binnen zehn Tagen einverleibt.
Sven Ofer ist der Koordinator der Pflegemaßnahmen bei dem Dudenhofener Verein. „Wir haben diese Wiese früher mit Maschinen gemäht. Doch das ist schwierig und gefährlich, weil in dem dichten Bewuchs immer mal Äste oder Steine liegen“, erklärt er. „Deshalb haben wir uns für eine Beweidung mit Zwergzebus entschieden.“ Die Premiere vor einem Jahr war bereits vielversprechend, berichten Ofer und die Vereinsvorsitzende Christiane Brell bei einem Ortstermin am Montag dieser Woche. Und auch das aktuelle Ergebnis bewerten die beiden als vollen Erfolg.
Weibliche Rinder leichter als europäische Kühe
Zebus sind in Ostasien heimisch. Doch Zwergzebus gibt es dort keine. Die Zwergzebus hierzulande stammen von Tieren aus zoologischen Parks ab. Das wissen die Rinderhalter aus Römerberg, die neben den Kühen auf der Wiese des NVV nahe der B39 eine etwa gleich große Bullenherde ihr Eigen nennen. Namentlich wollen die Männer jedoch nicht genannt werden – aus Sorge vor Sabotage aufgrund von Missgunst, erklären sie.
Bei den Zwergzebus können Bullen bis zu 500 Kilogramm schwer werden. Weibchen bringen selten mehr als 250 Kilogramm auf die Waage, wie die beiden Römerberger Tierhalter berichten. Damit richten die Tiere kaum Trittschäden auf den Flächen an, auf denen sie grasen. Bei vielen europäischen Rindern wäre das Gegenteil der Fall – denn die sind meist deutlich schwerer.
Sie naschen auch gerne an den Bäumen
Zwergzebus gelten als robust, können ganzjährig draußen gehalten werden und sind selten krank. Allerdings schmecken ihnen auch Blätter von Büschen und Bäumen – weshalb sie bei tiefhängenden Ästen schon mal etwas wegknabbern, sagt Sven Ofer. Doch das sei meist nicht weiter schlimm, zumal die Rinder nicht allzu hoch mit ihrem Maul kommen. Bei Ziegen, die auch Brennnesseln und Brombeeren verputzen würden, müsste man dagegen mit größeren Verbissschäden rechnen. Und die Rinde schützen, denn die würden Ziegen nicht verschonen.
Christiane Brell ist begeistert von dem Einsatz der Zwergzebus. „Bei der Mahd kommen viele Kleintiere, vor allem Insekten, zu Tode. Die Beweidung ist viel schonender. Außerdem entwickeln sich in den Kuhfladen kleine Lebensgemeinschaften von selten gewordenen Fliegen und Käfern. Und einige von ihnen dienen dann unseren heimischen Vögeln als Nahrung“, sagt sie.
Beweidung ist deutlich schonender für Kleintiere
Studien hätten ergeben, so die Rinderhalter, dass bei der Beweidung lediglich zehn bis 15 Prozent der Kleintiere auf einer Wiese im Maul der Tiere landen, während bei der Mahd mit Kreiselmähern 90 Prozent und mehr von ihnen sterben würden. Beim Einsatz von Balkenmähern betrage der Verlust beim Kleingetier immer noch rund 60 Prozent. Wo nicht anders möglich, sagt Sven Ofer, greife man beim NVV auf Balkenmäher zurück. „Kleinere Flächen und besonders dicht bewachsene Bereiche haben wir auch schon mit Handsensen gemäht“, fügt er hinzu.
Die Vereinsvorsitzende lobt Ofer für dessen Einsatz bei der Koordination der Pflegeeinsätze auf den Flächen des NVV. „Wir pflegen insgesamt 20 Hektar an Wiesen und Hecken. 600 Nistkästen für Vögel und Fledermäuse betreuen wir außerdem. Die Kästen werden von uns jährlich gesäubert und kaputte durch neue ersetzt“, erklärt sie. Auch dabei engagiere sich Ofer stark. Dieser freut sich über das Lob und verweist im gleichen Atemzug auf durchschnittlich acht bis zehn weitere Vereinsmitglieder, die bei Pflegeeinsätzen ebenfalls erscheinen würden.
Inzwischen machen sich die Landschaftspfleger auf vier Beinen immer öfter lautstark bemerkbar. Sie scheinen zu ahnen, dass sie nicht länger auf der abgegrasten Streuobstwiese bleiben werden. Und tatsächlich: Am frühen Montagabend führen die Rinderhalter ihre acht Kühe und ein noch junges Kalb einige Hundert Meter weiter auf eine neue Fläche mit frischem Gras. Schöner können es Zwergzebus wohl kaum haben. Zumal sie auch dort wieder täglich ein- bis zweimal von ihren Besitzern besucht werden, die nach dem Rechten schauen und Wasser in der Tränke nachfüllen.